Stadt und Bildhauerei

Bochumer Bildhauer-Symposium jährt sich zum 40. Mal

Aleš Veselý schuf die eigenwillige Objektskulptur im Stadtpark. Sie ist mit das bekannteste Werk, das aus dem Bildhauer-Symposium hervor ging.

Aleš Veselý schuf die eigenwillige Objektskulptur im Stadtpark. Sie ist mit das bekannteste Werk, das aus dem Bildhauer-Symposium hervor ging.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  1979/80 bescherte das Bildhauer-Symposium Bochum neun Skulpturen internationaler Künstler. Manches Kunstwerk kennt jeder, andere sind vergessen.

40 Jahre sind seit das 1. Bochumer Bildhauer-Symposium vergangen - eine Großoffensive in Sachen Kunst im öffentlichen Raum in Bochum, wie sie heute nicht mehr vorstellbar ist.

„Terminal“ war der Auslöser

1979/80 aber war Bochum so etwas wie ein temporäres Zentrum der Bewegung - die umstrittene Aufstellung von Richard Serras Stahlplastik „Terminal“ am Hauptbahnhof hatte unsere Stadt in die Schlagzeilen gerückt. Das Bildhauer-Symposium sollte zeigen, dass alles kein Zufall war.

Auch wenn sich heute kaum noch jemand an das internationale Künstlertreffen erinnert, so sind die damals entstandenen Werke längst Fixpunkte im öffentlichen Raum. Etwa die skurrile Stahlcollage hinterm Ententeich im Stadtpark. Oder die Stahl-Torsi „Allegorie auf den Trojanischen Krieg“ auf der Wiese vorm Bergbaumuseum. Oder die „Atmende Säule“ vor dem Amtshaus Langendreer.

Massiv angefeindet

Dennoch finden diese Kunst-Stücke nur wenig Beachtung, auch weil ihr Material – Stahl oder Metall – so alltäglich erscheint. Oder, anders herum, weil sich die Öffentlichkeit an die Exponate gewöhnt hat. 1979 war das noch ganz anders. Das „Terminal“ etwa wurde von der Kunstwelt gefeiert, von Teilen der Bürgerschaft hingegen massiv angefeindet. „Schrotthaufen“ oder „Pinkelplastik“ waren unfeine Titulierungen.

Im Verbund mit dem Museum

Die Wut und die damit einhergehende Aufmerksamkeit für die damals innovative Bestückung des Außenraumes mit sperriger Kunst war einkalkuliert. Die SPD-Kommunalpolitik um den Dezernenten Richard Erny (1928-2014) und den Vorsitzenden des Kulturausschusses, Fritz Bahlo (1938-2010), gab sich wagemutig. Im Verbund mit Museumsdirektor Peter Spielmann und verschiedenen anderen Akteuren suchte man bewusst die Auseinandersetzung.

Das Bildhauer-Symposium, von der Stadt ausgerufen und vom Museum fachlich begleitet, ging auf eine Anregung Spielmanns zurück. Ziel der Schau, Motto: „Stadt und Bildhauerei“, war es, der Industriestadt Bochum durch Kunstakzente eine gewisse Weltläufigkeit zuzufügen. Aber Ziel war eben auch, bei der Bevölkerung Verständnis für moderne Kunst zu wecken.

Neun Künstler beteiligt

Eine Fachjury hatte neun Künstler eingeladen, Abraham David Christian (Deutschland), Cornelius Kolig (Österreich), Ivan Kožarić (Kroatien), François Morellet (Frankreich), Roman Signer (Schweiz), Giuseppe Spagnulo (Italien), Maciej Szańkowski(Polen), Artur D. Trantenroth (Deutschland) und Aleš Veselý (Tschechien) machten sich an die Arbeit.

Material war vorgegeben

Einzige Vorgabe an sie war das Material, Metall oder Stahl. Der Aufstellungsort durfte frei gewählt werden. Jedem Künstler wurde zudem ein Patenbetrieb vermittelt, der ihm Arbeitsplatz, technische Unterstützung und Material kostenlos zur Verfügung stellte – Bochum war damals eine Stahlstadt, die den Namen noch verdiente, und wollte diesen industriellen Ruf gewissermaßen auf den kulturellen Sektor übertragen wissen.

Kontakt zwischen Künstlern und Arbeitern

Künstler, Kulturverwaltung, Werksleitungen und Arbeiter machten beim diesen einzigartigen Symposium gemeinsame Sache: der enge Kontakt zwischen Künstler und Metallarbeitern ebenso wie die Präsentation des Kunstwerks vor Ort vor Publikum waren zentrale Punkte. Als die Kunstwerke schließlich installiert waren, sorgte das tatsächlich für den gewünschten auf- und anregenden Effekt. „Die Kluft zwischen der populären Auffassung von Kunst und deren experimentellen Erscheinungsweisen war ... tief“, konstatierte der Kunstwissenschaftler Ingo Bartsch.

Gleichwohl wurden die neun Arbeiten von der Stadt angekauft. Einige sind inzwischen eingelagert, sechs noch zu sehen.

Nicht alles ist mehr zu sehen

Die beiden roten Stahlstäbe von Morellet wanderten vom Springerplatz zum Finanzamt-Süd, zuletzt sorgte in Eppendorf die Versetzung der Skulptur von Abraham Christian Am Thie/Ruhrstraße für Debatten. Andere Kunstwerke wie Kožarićs „Lebensbaum“ in der Hordeler Kappskolonie oder eben Veselýs Stahl-Ungetüm an der Kurfürstenstraße/Stadtpark behaupten in stiller Präsenz ihr Dasein.

Denkmal ihrer selbst

Indes ist die einstmals bewegliche, motorgetriebene „Streichelmaschine“ von C. Kolig vorm Ruhrstadion längst nicht mehr betriebsbereit und verharrt nunmehr wie ein bloßes Denkmal ihrer selbst.

Wie das Bildhauer-Symposium 1979/80, scheint auch die damit entstandene Kunst immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

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