Lichtspiele

Bochumer Bahnhofskino wird 60 Jahre alt

Theaterleiterin Sigrid Switala und Metropolis-Geschäftsführer Michael Meyer freuen sich auf den Geburtstag im Bahnhofskino. Der alte 35-mm-Projektor steht heute im Foyer, ist aber noch funktionstüchtig.

Foto: Ingo Otto

Theaterleiterin Sigrid Switala und Metropolis-Geschäftsführer Michael Meyer freuen sich auf den Geburtstag im Bahnhofskino. Der alte 35-mm-Projektor steht heute im Foyer, ist aber noch funktionstüchtig. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Am 6. Juli 1957 wurden die Bahnhofs-Lichtspiele (Bali) im damals neuen Bochumer Hauptbahnhof eröffnet. Heute macht hier das Metropolis Programm.

Im Hauptbahnhof hält das Metropolis-Kino seit über 25 Jahren die gediegene Kino-Kultur in Ehren. Doch das Kino selbst gibt’s noch viel länger. Vor 60 Jahren, genauer: am 6. Juli 1957, wurden die „Bahnhofs-Lichtspiele“ offiziell eröffnet.

Unter dem Gütesiegel „Bali“ war das Kino neben den Gleisen vor allem in den 60er und 70er Jahren jedermann ein Begriff. Der Name ist also keinesfalls, wie viele immer noch glauben, der gleichnamigen Insel in Südostasien entlehnt.

Der Hauptbahnhof war damals nagelneu, und ganz neu war in der Wirtschaftswunderzeit auch das Angebot, ein Lichtspieltheater, wie das damals hieß, für Bahnhofsbesucher und Reisende vorzuhalten. So fand das Bali schnell eine Kundschaft. „Das lag auch daran, dass diese Filmbühne ein Nonstop-Kino war, mit Aufführungszeiten von 9 bis 23 Uhr“, weiß Michael Meyer, der Metropolis-Geschäftsführer.

Filme liefen non-stop

Rund um die Uhr liefen vorrangig Unterhaltungs-, Western- und Kriminalfilme; wer auf den Zug wartete, sich mit der Liebsten ein paar nette Stunden machen wollten, oder sonst nichts zu tun hatte, ging ins Bali: Die Eintrittspreise lagen unter denen der Innenstadt-Kinos.

Im Gegensatz zu späteren Zeiten war der Kino-Name in den ersten Jahren noch nicht mit jenem gewissen Schmuddelfaktor behaftet, mit dem das Bali später zu kämpfen hatte. „Anfangs hatten gerade die Bahnhofskinos auch eine Informationsfunktion“, weiß Meyer. Fernsehen war längst nicht überall verbreitet, und in den Non-Stop-Kinos, die es dutzendfach in den Bahnhöfen in Deutschland gab, liefen stets auch die Wochenschauen.

„Schulmädchen“-Filme

Der „Ruf“ des Bahnhofskinos wurde allerdings spätestens in den 1970er Jahren anrüchig, als im Bali vorrangig „Schulmädchen“-Sexfilmchen und Kung-Fu-Movies made in Hongkong wie „Der gelbe Tiger“ über die Leinwand flimmerten. Als ein neuer Besitzer das Bali Mitte der 1980er Jahre übernahm, wurde deshalb konsequent auf Programmkino umgeflaggt.

Diese Tradition setzt Michael Meyer fort, der Anfang der 1990er ins Metropolis einstieg, und der in Bochum neben dem Kino im Bahnhof auch das Casablanca im Bermudadreieck betreibt. Filme mit Charakter und Anspruch machen heute den Schwerpunkt aus.

Konzertaufführungen sind gut besucht

Aber auch vor einer Bud-Spencer-Reihe oder einem „Godzilla“-Abend schreckt man nicht zurück. „Special-interest-Themen“, nennt Meyer das. Dazu zählen auch die gut besuchten Live-Konzertaufführungen etwa aus dem Festspielhaus in Bayreuth oder aus der Berliner Philharmonie.

Wenn im schick renovierten, 200 Plätze fassenden, Metropolis-Saal das Licht ausgeht, ist die Erinnerung an selige Bali-Zeiten längst verblasst. Nur am Rauschen der Züge auf den Gleisen nebenan hat sich in 60 Jahren nichts geändert.

>>>>>>Kino-Party mit Krieg und Frieden

Zum 60. Geburtstag hat das Metropolis-Team am Freitag (14.) ein besonderes Programm zu bieten. Um 16 Uhr läuft der Klassiker „Krieg und Frieden“, Eröffnungsfilm des Kinos anno 1957. In den Hauptrollen: Henry Fonda und Audrey Hepburn.

Zudem wird um 20 Uhr der diesjährige, gefeierte Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „The Party“ als Vorpremiere gezeigt. Der Eintritt beträgt jeweils 5 Euro.

Ab 21.45 Uhr gibt’s ein Kurzfilmprogramm mit Highlights aus den letzten 60 Jahren – von Cartoons und Reklame bis zu alten Wochenschauen. Und natürlich die ein oder andere Extra-Überraschung für alle Kino-Fans.

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