Wellness

Bochum: Wo Paare ihre eigene Wellness-Suite buchen können

Edel ausgestattet sind die Suiten, die Geschäftsführer Thomas Kanitz täglich von 10 bis 24 Uhr in seinen „My Wellness“-Anlagen vorhält. Am Castroper Hellweg in Bochum liegt die Auslastung bei 90 Prozent.

Edel ausgestattet sind die Suiten, die Geschäftsführer Thomas Kanitz täglich von 10 bis 24 Uhr in seinen „My Wellness“-Anlagen vorhält. Am Castroper Hellweg in Bochum liegt die Auslastung bei 90 Prozent.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Eine Wellness-Suite mit Sauna und Whirlpool allein oder zu zweit: Dieses Geschäftsmodell brummt in Bochum. Dabei ist das Privat-Spa nicht billig.

Der Castroper Hellweg gilt nicht eben als Ferien-Destination. Und doch hat sich hier, inmitten des trubeligen Geschäfts- und Gewerbeviertels, ein Anbieter etabliert, der einen Kurzurlaub vom Alltag verheißt. Auf Top-Niveau. Nicht billig. Aber so stark gefragt, dass die Wartezeiten fürs Einchecken bis zu acht Wochen betragen.

„My Wellness“ heißt die Geschäftsidee, mit der Thomas Kanitz seit sechs Jahren eine Erfolgsgeschichte schreibt. Die, erzählt der 31-Jährige, nahm im Westfalenbad in Hagen ihren Anfang. Damals wollte der BWL-Student mit seiner Freundin die Sauna besuchen, ohne sich komplett auszuziehen. Das aber war Pflicht. Das Paar zog von dannen. Doch Thomas Kanitz warf nicht das Handtuch. Dem Betriebswirtschaftler schwante, eine Marktlücke entdeckt zu haben: ein individueller, abgeschirmter Wellness-Bereich, in dem die Kunden allein oder zu zweit Entspannung finden – „,My own Spa“, wie es bis heute im Werbeslogan heißt.

Aus Geschäftsidee beim Sauna-Besuch wurden bisher sieben Standorte

In seiner Heimatstadt Dortmund, im Ortsteil Aplerbeck, gründete der Jungunternehmer 2014 seinen ersten „My Wellness“-Standort. „Es schien, als hätte ich in ein Wespennest gestochen. Wir waren von Anfang an ausgebucht“, berichtet Kanitz. 2017 folgte die zweite Anlage, wieder in Dortmund, diesmal unweit des BVB-Stadions. 2018 gesellte sich Bochum hinzu. Per Crowdfunding wurden die ehemaligen Askania-Geschäftsräume am Castroper Hellweg 49 zum 1100 Quadratmeter großen Wohlfühltempel umgebaut. Vier weitere Standorte sind seither entstanden: in Essen, Düsseldorf, Köln und auf dem Kudamm in Berlin. 130 Mitarbeiter sind beschäftigt.

Auf drei Millionen Euro beziffert der Geschäftsführer die Kosten pro Anlage. Das sieht man der Ausstattung an. Anspruch: Alles vom Feinsten. Der Whirlpool, die Finnische Sauna und die Schwebeschaukel, die zu jeder Suite gehören. Die Hydromassageliege, die in der „Superior“-Kategorie leise vibriert. Die Licht- und Klangvariationen von blutroter „Fire“-Atmosphäre samt Buschtrommel bis zur kühl-blauen „Ice“-Stimmung mit akustischem Arktis-Schneesturm. Alles steuerbar über einen Multimedia-Touchscreen, über den auch Getränke und Snacks geordert werden können – serviert in einer schließbaren Durchreiche, die den Blick ins Innere versperrt.

Wartezeiten betragen bis zu zwei Monate

Diskretion sei das Wichtigste, weiß Thomas Kanitz. Die Kunden sollen in ihrem 40-Quadratmeter-Privat-Spa ungestört relaxen können. „Das unterscheidet uns ja gerade von den öffentlichen Saunen und Thermen ohne jede Privatsphäre.“

Dafür scheint der Bedarf beträchtlich zu sein. Zwar zahlt der Kunde für eine Stunde so viel wie andernorts für eine Tageskarte (Heveney: 15,20 Euro). Gleichwohl: 90 Prozent betrage die Auslastung für die zwölf Suiten in Bochum, erklärt Kanitz. Zu den Kernzeiten im Winter seien die Kabinen bis zu zwei Monate im Voraus vergeben. Wer sind die Kunden? „Quer Beet“, sagt der Chef. Vom jungen Pärchen, das auf den besonderen Spa-Moment hinspart, bis zum Topmanager, der die Auszeit dringend nötig hat. Von Freundinnen, die einen Mädelsabend zelebrieren, bis zu Menschen mit körperlichen Behinderungen oder Muslimen, die sich nicht nackt in der Öffentlichkeit zeigen wollen.

Einnahmen sprudeln wie die Whirlpools

Die Corona-Krise hat für „My Wellness“ eine schlechte und eine gute Seite. Sämtliche Anlagen mussten im März für drei Monate schließen. Seither aber sprudeln die Einnahmen wie die Blubber-Pools im Vollbetrieb. „Die Menschen sind unter sich und fühlen sich sicher“, so Kanitz. Dazu trage auch ein chlorbasiertes Reinigungssystem bei, mit dem die Suiten direkt nach Gebrauch desinfiziert werden. Die Pools werden jeweils neu befüllt.

Ambitioniert sind die Ziele, die sich Thomas Kanitz setzt. Trotz inzwischen erwachsener Konkurrenz („Wellnest“) wolle er 100 Standorte in Deutschland aufbauen, 500 in Europa, sagt er im WAZ-Gespräch. Ein paar Stunden Luxusurlaub vor der Haustür: Nicht nur am Castroper Hellweg soll ganzjährig Ferienzeit sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben