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Bochum wird für drei Wochen zum Zentrum des Urbanen Tanzes

Tanzszene aus „RAPsody“, im Hintergrund der Chor.

Tanzszene aus „RAPsody“, im Hintergrund der Chor.

Foto: Oliver Look

Bochum.  In den Kammerspielen hatte „RAPsody“ von Neco Çelik Premiere. Der getanzte Rap-Abend führt von Odysseus’ Ithaka ins Bochumer Bermudadreieck.

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Im Schauspielhaus wurde am Wochenende das Festival „Tanz, Bochum, tanz!“ eröffnet. Bis zum 13. April wird Rückschau gehalten auf die seit sieben Jahren angebotenen Tanz-Veranstaltungen des Herner Partners Pottporus/Renegade, dazu stehen vier Uraufführungen auf dem umfangreichen Programm. Los ging’s am Freitag mit der Premiere von „RAPsody“ von Neco Çelik. Ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird.

Kalkulierte Ausdruckskraft

Spielstätte der Tanz/Sprech-Performance waren die Kammerspiele. Was als erstes auffiel war, dass das „normale“ Bochumer Theater-Premieren-Publikum diesmal nicht da war. Stattdessen war das zu Dreivierteln gefüllte Auditorium jünger, auch internationaler, wie es schien. Kein Wunder, denn „Urban Dance“, für den Pottporus steht, ist eine Kunstform, die es noch nicht in die heiligen Hallen der Hochkultur geschafft hat. Aber vielleicht ist das auch gar nicht beabsichtigt, denn die Form- und Ausdruckssprache dieser der großstädtischen Subkultur erwachsenen Kunst hat ihre eigenen Codes und Standards.

Drei coole Vorstadt-Jungs erzählen ihre Geschichte(n)

„RAPsody“ versteht sich als eine Odyssee durch die Städte, erzählt von jenen, die auf der Flucht sind, die nicht dazugehören. So wie die Rhapsoden Homers als wandernde Sänger die „Odyssee“ von Stadt zu Stadt trugen, so betextet der Rap/Sprechgesang die Irrfahrten der heutigen Abenteurer. In diesem Fall drei coole Vorstadt-Jungs (2Seiten, Meller, Killa Kong), die ihre Geschichte(n) erzählen, und dabei immer wieder auf antike Motive wie die Zyklopen-Episode aus der „Odyssee“ zurückfallen.

Gerade rappten sie noch vom Stress im Bermudadreieck, dann sind sie schon im Saal der Freier in Odysseus’ Heimat Ithaka. Den Rappern wird von einem Chor assistiert, wie man ihn aus antiken Dramen kennt. Zwei farbige Mädchen in coolem Sportswear-Look (Marylin Ogboko, Rubicon Kyei) zirkeln dazu Breakdance-Linien auf die Bühne.

Aufführung läuft gut eine Stunde

Çeliks Performance braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Die getanzten Muster, die fragmentierte Sprache, die verschatteten Bewegungen des Chores muss man erst mal auf sich wirken lassen. Mit zunehmenden Verlauf gewinnt die gut einstündige Aufführung aber an Dichte und auch bildlich an, wenn auch recht kalkuliert wirkender Ausdruckskraft: Posen, Gesten, Hand-Jives werden blitzartig als Reminiszenzen an Hip-Hop-Videos aus- und vorgestellt. „Tanz“ in engerem Sinne wird nicht geboten.

Schlagzeug-Sound treibt den Abend an

Ganz groß ist die Idee, den Soundtrack durch einen Live-Drummer (Christian Thomé) zu gestalten. Dessen energetisches, durch Sampling verfremdetes und dadurch überhöhtes Spiel ist von eigener Klasse. An manchen Stellen scheint es gar, dass es überhaupt dieser pochende, vertrackt-geniale Sound ist, der die Inszenierung trägt. Ohne Musik wären diese modernen, urbanen Odyssee-Artisten in und für sich selbst verloren. Aber das ist im Rap/Hip-Hop durchaus genauso. Erst der Beat der Straße macht ihn lebendig.

Das Publikum feierte Neco Çelik und sein Team – der Chor bestand aus Laienspielern – mit dickem Applaus und „fetten Beats“, wenn man so sagen will. Anschließend ging’s ab für alle zur Premieren-Feier ins Tanzzentrum Zeche 1.

Programm und Festival-Pass

Programm-Infos zum Tanz-Festival gibt es auf der Theater-Homepage www.schauspielhaus-bochum. und auf der Internetseite des Tanzzentrums unter http://zecheeins.de/

Es gibt einen Festivalpass für alle Vorstellungen, die bis zum 13.4. stattfinden. Erhältlich für 36/erm. 24 Euro an der Theaterkasse, Königsallee 15.

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