Stadtjubiläum

Bochum will sein 700-jähriges Bestehen ganz groß feiern

Auf dem Rathausvorplatz wies ein bunter Informationswürfel (im Hintergrund in Pril-Blumenoptik) auf das Jubiläumsjahr 1971 hin.        

Auf dem Rathausvorplatz wies ein bunter Informationswürfel (im Hintergrund in Pril-Blumenoptik) auf das Jubiläumsjahr 1971 hin.        

Foto: Mitarbeiter der Stadt Bochum / Stadt Bochum

Bochum.   Mit einer Festwoche soll das Stadtjubiläum zum 700. Geburtstag in zwei Jahren groß gefeiert werden. Im Musikforum ist ein Festakt geplant.

Die Stadt feiert in zwei Jahren ihr 700-jähriges Bestehen. Erste konkrete Planungen gibt es bereits für eine Festwoche im Jahr 2021 Sie soll im Zentrum der Feierlichkeiten stehen. Beteiligt an den Überlegungen ist unter anderem die Kulturverwaltung. Koordiniert wird das Jubiläumsjahr jedoch von der Bochum Marketing GmbH. Sprecher Christian Gerlig: „Es sollen möglichst viele Vereine, Institutionen und Organisationen in die Feierlichkeiten eingebunden werden. Wir werden einen Jahresfestkalender aufstellen.“

Die Stadtverwaltung wird in ihrer Mitteilung für die letzte Sitzung des Kulturausschusses schon deutlicher. Wer seinen Terminkalender - oder heutzutage wohl eher das Handy - schon heute füttern mag, kann dies getrost tun: Ausgehend von einem Festakt am 8. Juni 2021 - an diesem Tag vor 700 Jahren regelte und bestätigte Graf Engelbert II. auf Burg Blankenstein verschiedene Rechte der Bewohner Bochums abschließend – gibt es eine rappelvolle Woche. Am 8. Juni ist eine Gala-Show im Musikforum geplant. Die Gästeliste steht noch nicht. Doch die Organisatoren haben schon einmal selbstbewusst den Bundespräsidenten und den Ministerpräsidenten als sozusagen gesetzt markiert.

Mittelalterfest auf Burg Blankenstein

Die Öffentlichkeit bleibt nicht außen vor. Plätze für diesen Festakt könnten verlost werden. Als weitere Höhepunkte dieser Festwoche stehen ein Mittelalterfest auf Burg Blankenstein an (9.), natürlich mit Einbindung der „Stadtwache“ der Maiabendgesellschaft. Zudem gibt es eine Zeittunnel-Eröffnung (10.), ein Tag des offenen Bochums (11.) und das „Spiel ohne Grenzen“ (am 12. Juni sollen die Stadtteile gegeneinander in einen Wettkampf treten). Schließen soll die Woche mit „Bochum International“ am 13. Juni. Hier denken die Organisatoren an eine Beteiligung möglichst vieler Vertreter der 150 Nationalitäten in der Stadt nach.

Doch es bleibt nicht bei einer Festwoche. Rund um die Zahl 700 gibt es weitere Höhepunkte: 700 Fahnen sollen überall in der Stadt wehen und 700 Bürger könnten auf einer Online-Plattform ein paar Sätze über Bochums schreiben. Diverse andere, kleinere Veranstaltungen, wie Ehrungen verdienter Bochumer, sollen ebenfalls in diesem Festjahr besonders begangen werden.

Sogar einen finanziellen Rahmen hat Thorsten Lumma, Leiter des Referates für politische Gremien, definiert. Insgesamt 900.000 Euro werden demnach bereit gestellt. Mit Einnahmen in Höhe von 400.000 Euro kalkuliert die Stadt: Sponsorengelder oder Standgebühren sind dabei eingepreist. Die Planung ist natürlich noch nicht abgeschlossen. Weitere Anregungen werden entgegengenommen.

Die Gründung der Stadt ist nicht beurkundet

Bislang nicht thematisiert, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, bleibt die Tatsache, dass der Gründungszeitpunkt der Stadt Bochum gar nicht wirklich bekannt ist. Aus genau diesem Grund entschloss sich die Stadtspitze 1921 dazu, eine Feier zum 600. Stadtjubiläum erst gar nicht auszurichten. Vor knapp 100 Jahren hatte sich eine heftige Debatte darüber entsponnen. Der „Bochumer Anzeiger“ plädierte am 4. 6. 1921 in einem langen Beitrag mit Bezug auf besagte Urkunde Engelberts dafür, den runden Geburtstag zu feiern. Doch die Stadt konnte sich damals nicht dazu durchringen. Zumal es eine ältere Urkunde von 1298 gibt, die bereits auf eine da schon bestehende Stadt Bochum hindeutet.

Damals wie heute entscheiden Gutachten: Im Archiv der Stadt findet sich dieses Schriftstück des Staatsarchivs Münster vom 27. Mai 1921. Mit folgendem Fazit: „Das Ergebnis des Gutachtens lässt sich kurz dahin zusammenfassen: Das Jahr 1298 ist eine bedeutsame Etappe im Werdegang Bochums zur Stadt. Dem 8. Juni 1321 eine ähnliche Bedeutung zuzuschreiben oder gar als Termin der Verleihung der Stadtrechte anzusehen und seine 600-jährige Wiederkehr als Gedenktag zu begehen, liegt keine Veranlassung vor.“

Die Stadt schloss sich dem an: Es gab 1921 keinerlei Feierlichkeiten. Gänzlich kostenneutral blieb das Ganze freilich nicht: Das Staatsarchiv Münster kassierte 200 Reichsmark für sein Gutachten.

50 Jahre später stand dieses Gutachten offenbar nicht mehr zur Debatte. Nachdem es im Zusammenhang mit einer neuen Amtskette für den Oberbürgermeister 1959 erneut einen heimat-historischen Disput über das „richtige“ Gründungsjahr gegeben hatte, stand erneut 1321 im Fadenkreuz. Das Stadtarchiv wollte sich auf kein Datum festlegen. Doch Oberstadtdirektor Gerhard Petschelt markierte kühn mit rotem Kreuz das Jahr 1321 auf einer damals noch internen Liste des Stadtarchives. Und merkt an: „Wir wollen bei 1321 bleiben“. So sprach der Oberstadtdirektor und daher gab es 1971 ein buntes Jubiläumsfest zum 650. Geburtstag mit Festakt in der Ruhrlandhalle, Biergarten vor dem Rathaus und einem großen Umzug durch die Stadt.

Dabei wäre auch das Jahr 1041 durchaus ein trefflicher Jubiläums-Kandidat gewesen: Der Kölner Erzbischof Hermann erwähnt in diesem Jahr Bochum erstmals in einer Urkunde. Dann hätten wir noch ein paar Jahre Zeit, um uns auf das 1000-jährige Jubiläum angemessen vorzubereiten.

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