Umwelt

Bochum: Was beim Stadtteilputz so alles im Müllsack landet

Familie Kennel half auch mit in Bochum: Sabine (35), Lennard (4), Fynn, Tobias Huber (26) und Lilly (10) sammeln Müll im Hammer Park

Familie Kennel half auch mit in Bochum: Sabine (35), Lennard (4), Fynn, Tobias Huber (26) und Lilly (10) sammeln Müll im Hammer Park

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Stadtteilputz im Bochumer Norden motiviert Bürger, Müll zu sammeln. Auch Familie Kennel macht mit - und findet auf Spielplätzen Außergewöhnliches.

Ein Trinkpäckchen, ein Bonbonpapier, eine Bierflasche und eine Einkaufstasche - es dauert nur wenige Minuten, dann ist schon der halbe Müllsack voll. „Dabei sind wir gerade einmal die halbe Richardstraße heruntergelaufen“, sagt Tobias Kennel (26). Gemeinsam mit Mutter Sabine Kennel (35) und den Kids Lilly (10), Fynn (8) und Lennard (4) nimmt die Familie am siebten Stadtteilputz-Tag im Bochumer Norden teil: Hamme, Hofstede und Riemke sollen dabei von Müll befreit werden.

Viel Müll liegt herum

„Ich kann es gar nicht verstehen, warum Menschen den Müll einfach auf den Boden werfen“, sagt Lilly, während sie mit knallig orangener Warnweste und Müllzange einen Müllsack befüllt. „Wir haben schon besonders viele Einwegmasken gefunden“, sagt die Schülerin. Auch der Jüngste kann gar nicht verstehen, warum der Weg zum Mülleimer vielen zu weit erscheint: „Das ist gefährlich, wenn Tiere Müll fressen und es sieht auch nicht schön aus“, sagt Lennard.

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Von Glasscherben bis Joints

Ein besonderes Augenmerk will die Familie bei der Sammelaktion, die seit 2014 von „HaRiHo“ den Stadtteilpartnern in Zusammenarbeit mit dem USB organisiert wird, auf Spielplätze legen. Und das gleich aus mehreren Gründen: „Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich zwischen Rutsche und Schaukel Müll finde“, sagt Sabine Kennel. Alles sei schon dabei gewesen: Von Instantnudel-Verpackungen über Glasscherben bis hin zu Zigarettenstummeln und Joints. „Vieles, was man am Kiosk kaufen kann.“ Das sei nicht nur gefährlich für spielende Kinder, sondern auch ein falsches Signal: „Warum sollen Kinder die Umwelt sauber halten, wenn die Eltern Müll selbst in die Natur schmeißen?“, fragt die 35-Jährige.

Ein gutes Vorbild zu sein, sei die beste Umwelterziehung. Damit die Kennels Müll von Spielplätzen mitnehmen, muss nicht extra Stadtteilputz-Tag sein. „Das machen wir auch so“, sagen sie einstimmig. Den Anlass nutzen sie aber gerne, sprechen von einem ,,Familienausflug der anderen Art“. Fynn sagt: „Das macht zusammen sogar Spaß!“

Mehrere Gruppen abgesprungen

Auf dem Weg zum Spielplatz im Hammer Park wandern Pizzakarton, Besenkopf und Pappbecher problemlos in den Sack, als Lilly aber einen ganzen Fahrradreifen entdeckt, scheint der Müllsack eindeutig zu klein. „Wir haben zwar eine ganze Rolle Müllsäcke, aber den legen wir besser an den Rand“, schlägt Mutter Kennel vor. Familie Kennel ist zwar nicht die einzige Gruppe, die sich der Stadtteilputz-Aktion anschließen – beispielsweise ist Helga Wittmers mit ihrem Ehemann am Tippelsberg in Riemke unterwegs – weniger als beim letzten Jahr sind es dennoch.„Mehrere Kindergartengruppen sind abgesprungen“, bedauert Organisatorin Beatrice Röglin.

Das Hygienekonzept des USB, der kostenlos Materialien zur Verfügung stellt und samt Müllsäcken auch wieder abholt, sieht nur Gruppen bis zu zehn Personen vor. „Für die Einrichtungen war es personell nicht möglich, die Kinder so aufzuteilen“, erklärt Röglin, die selbst mit einer Naturschutzgruppe loszieht. Umso wichtiger sei es, dass sich Bürger privat beteiligten. Andere Sammler zu treffen, gebe außerdem ein gutes Gefühl.

Forderung: Mehr Mülleimer

Es gibt noch mehr Argumente: Bei den Kennels ist der gefundene Müll Anlass, um seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. „Was das wohl mal war?“ fragt Fynn, als er im Gebüsch etwas entdeckt, was dort bestimmt nicht hingehört. Ein Pappbecher vielleicht? Lennard hat beim Müllsammeln noch viel spannendere Dinge entdeckt: Schnecken, Regenwürmer und Ameisen. Mit seinem Bauarbeiterhelm fällt der Vierjährige, der entlang der Dorstener Straße läuft, ganz schön auf - genauso wie der Rest seiner in Signalfarben gekleideten Familie. „Hoffentlich fällt den Leuten bald der Müll genauso auf wie wir jetzt“, sagen Alle. Eine Idee, damit weniger Müll im Stadtbild landet, hat Sabine Kennel schon: „Es muss unbedingt mehr Mülleimer geben. Dann verleitet auch nicht die Hecke am Straßenrand dazu, einfach den Müll hinein zu stecken“, sagt sie.

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