Wohnen

Bochum: Vonovia sorgt für Radikalschnitt – Mieterin empört

Gartenbaumeisterin und Vonovia-Mieterin Claudia Grünewald ist verärgert: Die Gärtnerkolonne hat einen Radikalgrünschnitt an den Vonovia-Häusern in Bochum-Goldhamme durchgeführt.

Gartenbaumeisterin und Vonovia-Mieterin Claudia Grünewald ist verärgert: Die Gärtnerkolonne hat einen Radikalgrünschnitt an den Vonovia-Häusern in Bochum-Goldhamme durchgeführt.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Bochum-Goldhamme.  Vonovia lässt die Büsche knapp über dem Boden abschneiden. Die Mieter der Häuser in Bochum-Goldhamme müssen das bezahlen und sind empört.

Unsauber gemähter Rasen, bis zum Boden abgeschnittene Sträucher und radikale Grünschnittarbeiten, die extra in Rechnung gestellt werden: Vonovia-Mieterin und Gartenbaumeisterin Claudia Grünewald ist verärgert: „Mehrere Hecken wurden auf Bodenhöhe abgeschnitten. Das ist unökologisch, unnötig und auch optisch nicht ansprechend“. Sie vermutet, die Wohnungsgesellschaft veranlasse die Grünschnittarbeiten, um die Mieter zur Kasse zu bitten.

Grünewald wohnt seit 33 Jahren an der Erzstraße in Goldhamme. Ebenso lang arbeitet sie als Garten- und Landschaftsbau-Meisterin und hat daher auch ein Auge auf die Grünschnittarbeiten der Gesellschaft. „Vor vier oder fünf Jahren hat die Vonovia begonnen, eigene Gärtnerkolonnen einzustellen. Seitdem sinkt die Qualität der Grünschnittarbeiten“, erklärt die 57-Jährige. Das eingesetzte Personal sei angelernt, ausgebildete Gärtner seien aber selten darunter.

„In den letzten Jahren war das unsachgemäße Vorgehen der Gärtnerkolonne zwar ärgerlich, aber nicht oberdramatisch“, sagt Grünewald, „doch in diesem Jahr haben wir uns ganz fürchterlich geärgert“. Um die Gebäude herum seien die Büsche radikal heruntergeschnitten worden. „Während der regelmäßige Heckenschnitt und die Rasenpflege über die Betriebskosten abgerechnet wird, hat die Vonovia uns Mietern diesen Extra-Gehölzschnitt später gesondert in Rechnung gestellt“, sagt die 57-Jährige.

Die Sträucher und Hecken hätten bestimmte Funktionen: eine Sichtschutz- und eine ökologische Funktion, als Nistmöglichkeit für Vögel. „Der Rückschnitt bis auf Bodenhöhe ist Quatsch“, so Grünewald. „In Goldhamme haben wir außerdem viele Autobahnen. Die Grünpflanzen filtern Staub und produzieren Sauerstoff. Wenn die Pflanzen runtergeschnitten werden, kann das nicht mehr geschehen“, so Grünewald.

Auch an anderen Vonovia-Gebäuden im Ortsteil Goldhamme seien Sträucher und Büsche radikal abgeschnitten worden. „Einige dieser Sträucher treiben gar nicht mehr aus“, sagt die Gartenbaumeisterin. Ähnliche Beschwerden hätten auch Vonovia-Mieter in Weitmar und Wattenscheid geäußert. Grünewald vermutet, Vonovia beauftrage die Grünschnittarbeiten, um die eigenen Gärtner zu beschäftigen und die Arbeiten dann in Rechnung stellen zu können.

Die Wohnungsgesellschaft teilte mit: „Wir berücksichtigen bei unseren Schnittmaßnahmen neben den Belangen der Verkehrssicherheit auch die Anforderungen an den Tierschutz (Vogelschutzgesetz) und die generelle Schnittverträglichkeit der Gehölze“. Die Reaktion der Mieterschaft sei nachvollziehbar – die Schnittmaßnahmen „in Einzelfällen aber erforderlich und fachlich korrekt erfolgt“.

„Beim ,auf den Stock setzen’ wird die Pflanze – ob Obstbaum, Zierstrauch oder Hecke – bis auf wenige Triebe zurückgeschnitten. Damit soll die Pflanze die Chance erhalten, von Grund auf neu zu wachsen“, so Vonovia. Der radikale Rückschnitt sei die „letzte Möglichkeit, wenn mit normalen Erhaltungsschnitten oder einem stärkeren Verjüngungsschnitt bestehende Fehlwüchse nicht zu korrigieren sind“.

Erst im Herbst 2019 startete die Wohnungsgesellschaft eine Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) Nordrhein-Westfalen. Birgit Debus vom NABU Bochum berichtet: „Durch diese Kooperation beraten wir nun die Vonovia zu Maßnahmen des Klima- und Artenschutzes bei den Grünanlagen neugebauter Häuser, beispielsweise in Bochum-Weitmar.“

Vonovia-Mieterin Claudia Grünewald glaubt, dass die NABU-Kooperation so bald nichts an der Situation vor ihrer Haustür ändert. „Doch ich finde diese Zusammenarbeit von Vonovia und dem NABU schon mal einen guten Ansatz“, sagt Grünewald.

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