Krankenstand

Bochum: Verdi und Personalrat werfen Stadt Versäumnisse vor

Statistikvergleich aus dem Jahr 2018

Statistikvergleich aus dem Jahr 2018

Foto: Helge Hoffmann / funkegrafik nrw

Bochum.  Gewerkschaft und Personalrat der Stadt Bochum kritisieren die Stadtspitze. Sie konsolidiere den Haushalt auf dem Rücken der Mitarbeiter.

Der hohen Krankenstand im Technischen Betrieb der Stadtverwaltung mit fast 16 Prozent ist aus Sicht der Gewerkschaft Verdi „kein Wunder“, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Thorsten Knüppel. Es fehle an Personal, zugleich stiegen die Aufgaben und würde weiterhin eine hohe Qualität erwartet.

„Personalabbau, hohe Qualität, der Ausbau städtischer Infrastruktur und ein reibungsloser Ablauf im Technischen Betrieb sind nicht miteinander vereinbar“, sagt Knüppel. Entscheidungen in politischen Gremien und der Verwaltungsspitze hätten zu der schlechten Personalsituation im Technischen Betrieb geführt. Der jetzt ausgeglichene Haushalt sei auch auf dem Rücken der Mitarbeiter hergestellt werden. „Allein im Technischen Betrieb wurden über 100 Stellen im handwerklichen Bereich gekürzt. Die Zahl der Auszubildenden wurde drastisch zusammengestrichen und eine Verjüngung des Personals durch entsprechende Einstellungen ist ausgeblieben. Dies hat nicht nur einen negativen Einfluss auf die Menge an Arbeit, die der Technische Betrieb leisten kann, sondern auch auf die Altersstruktur.“

Hoher Krankenstand auch in der Bauverwaltung und dem Sozialamt

Die WAZ hatte über die Krankenstände in den einzelnen Ämtern und Fachabteilungen sowie die einiger städtischer Tochterunternehmen berichtet. Das Ergebnis: Durchweg jeder siebte Mitarbeiter des Technischen Betriebs fehlt. Mit 15,84 Prozent war der Krankenstand einer der größten organisatorischen Einheiten in der Stadtverwaltung Bochum 2018 besonders hoch. Aber auch im Bauordnungsamt (15,32 Prozent) und dem Sozialamt (14,5 Prozent) liegen die Werte weit über dem Durchschnitt. Der lag vor zwei Jahren bei 9,98 Prozent und ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen (9,91).

Während das Durchschnittsalter der gesamten Stadtverwaltung bei 46,2 Jahren und damit im Bundesdurchschnitt liegt, sind die Beschäftigen im Technischen Betrieb im Durchschnitt älter als 50. „Da ist es klar, dass bei harter, körperlicher Arbeit es vermehrt zu krankheitsbedingten Ausfällen kommt“, so der Gewerkschaftssekretär. Tatsächlich hat Bochums Personaldezernent Sebastian Kopietz eingeräumt, dass ältere Mitarbeiter zwar nicht häufiger krank werden als jüngere. „Aber sie sind in der Regel länger krank.“

Dass die Stadt nun gemeinsam mit einer Krankenkasse ein Gesundheitsmanagement speziell für den Technischen Betrieb ins Leben rufen möchte, ist aus Sicht von Verdi zwar löblich. Knüppel: „Gesundheitsprogramme von Krankenkassen und Maßnahmen des eigenen Gesundheitsmanagements mögen punktuell hilfreich sein, werden das strukturelle Problem, welches für die vielen Ausfälle verantwortlich ist, aber nicht lösen.“

Weitere Stellen soll abgebaut werden

Aus Sicht von Uwe Schmidt, dem stellvertretende Personalrat der Stadtverwaltung, ist offenbar eher mit einer Verschlechterung als einer Besserung zu rechnen. Die Stadt halte daran fest, auch die letzte Stufe des im Haushaltssicherungskonzepts festgelegten Personalabbaus durchzuführen. „Da geht es um 20 bis 30 Stellen, vor allem im manuellen Bereich.“

Bochum habe es aus seiner Sicht verpasst, schon vor fünf Jahren seine Bemühungen um Ausbildung und beruflichen Nachwuchs zu intensiven. „Damals wurde noch nach Kassenlage ausgebildet, da stand der Haushaltausgleich im Mittelpunkt.“ Das hohe Durchschnittsalter der Mitarbeiter gerade im Technischen Betrieb sei ebenso wie die reduzierte Zahl der Stellen das tatsächliche Problem, das angegangen werden müsse.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Knüppel befürchtet derweil Schlimmes: „Der neue Standort an der Oberen Stahlindustrie ist sicherlich modern ausgebaut, aber wurde auch durch Einsparungen von Arbeitsplätzen finanziert. Mit dem Umzug aller Kolleginnen und Kollegen der Friedhofsunterhaltung an den Standort Feldmark werden sich die Bürger auf einen weiteren Qualitäts- und Serviceverlust auf den Stadtteilfriedhöfen einstellen müssen. Die negativen Auswirkungen dieser Maßnahme werden wohl wieder auf den Rücken der städtischen Beschäftigten ausgetragen.“

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