Coronavirus

Bochum: Veranstaltungsbranche setzt ein rotes Warnsignal

Geschäftsführer Claus Dürscheidt beteiligte sich mit der Zeche an der „Night of Light“ in Bochum. Auch sein Club ist seit März ohne Einnahmen.

Geschäftsführer Claus Dürscheidt beteiligte sich mit der Zeche an der „Night of Light“ in Bochum. Auch sein Club ist seit März ohne Einnahmen.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Veranstaltungsbranche zündet die Alarmstufe Rot: In der „Night of Light“ wurde auch in Bochum vor einem baldigen Aus durch Corona gewarnt.

„White Wedding“ markierte einen schwarzen Freitag. Seit dem Auftritt einer Billy-Idol-Coverband am 6. März ist in der Zeche Schicht am Schacht. Die Corona-Zwangspause hat die Bochumer Club-Instanz mit jährlich rund 120.000 Besuchern schwer getroffen. „Wir werden diese Krise überleben. Aber: Wir sind auf finanzielle Hilfe angewiesen“, sagt Geschäftsführer Claus Dürscheidt, der sich am Montagabend an der Aktion „Night of Light“ beteiligte.

Mehr als 8000 Spielstätten und Event-Dienstleister in Deutschland zündeten in der Nacht zum Dienstag die Alarmstufe Rot. In Bochum war es neben dem Ruhrcongress und der Jahrhunderthalle, dem Musikforum, Starlight Express und Prater u.a. die Zeche, die sich dem zunehmend verzweifelten Hilferuf der Veranstaltungsbranche anschloss und ihr Gebäude ab 22 Uhr rot anstrahlte.

Zeche: Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Nein, den Begriff „existenzbedrohend“ verwendet Claus Dürscheidt anders als viele andere Kultureinrichtungen im WAZ-Gespräch nicht. Noch nicht. „Wir hatten zuletzt sehr gute Jahre, haben gut gewirtschaftet und konnten uns ein Polster schaffen“, sagt der Zechen-Chef. Acht feste Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Doch irgendwann beginne auch für den Party-Dino ohne jedwede Einnahme der Überlebenskampf.

Zumal es aktuell kaum Perspektiven gebe. Großveranstaltungen bleiben mindestens bis 31. Oktober verboten, sämtliche Konzerte (darunter auch die beliebte Tribute-Reihe) und Partys in der Zeche sind gestrichen. Was bleibt? „Wir dürfen Geburtstage bis 50 Personen ausrichten. Wir haben bei gutem Wetter unseren Biergarten geöffnet“, sagt Dürscheidt. Alles kein Ausgleich für die Corona-Verluste. Live-Formate, haben sie an der Prinz-Regent-Straße ausgerechnet, dürften vor 100 (statt 800) Besuchern stattfinden. Bestuhlt! Nicht wirtschaftlich, ahnen selbst Mathe-Nieten. Und: Wollen das die Zechen-Gänger, zusätzlich zu den gesundheitlichen Ängsten und Risiken?

Branche fordert Dialog und Lösungen

Endlich in einen Dialog mit der Politik zu treten, praktikable Lösungen für einen baldigen Neustart sowie finanzielle Unterstützung als Not- und Überlebenshilfe: Das fordern Claus Dürscheidt und seine Kollegen für die Ausgeh-Branche ein. Einen Fürsprecher haben sie mit Thomas Eiskirch. Bei einem – bislang einmaligen – Treffen Bochumer Veranstalter und Kulturschaffender am späten Montagabend im Foyer des tiefrot illuminierten Ruhrcongresses bekräftigte der SPD-Oberbürgermeister die herausragende Bedeutung der Kultur-, Messe- und Partystätten und ihrer vielen Zulieferer und Dienstleister: nicht nur wirtschaftlich, sondern auch als elementarer Teil des „Bochumer Lebensgefühls“.

So richtig es gewesen sei, im Frühjahr „die Reißleine zu ziehen“, um die Pandemie einzudämmen: Der verordnete Stillstand habe zu dramatischen Einschnitten geführt, konstatiert Eiskirch. Dazu beizutragen, die Branche möglichst ohne schlimme Verluste durch die Corona-Krise zu bringen, sei auch für die Stadt eine wichtige Aufgabe.

Mediziner setzen ein Zeichen

Wirtschaftsförderer Ralf Meyer pflichtet dem OB bei dem abendlichen Treffen bei. Allein: Die Möglichkeiten der Kommunen sind begrenzt. Ein Ende der Abstands- und Hygieneauflagen, die den Veranstaltern am meisten wehtun, ist nicht absehbar. An den Gemeinsinn appelliert daher Marcus Gloria, der zwar „Bochum Total“ absagen musste, das Fiege-Open-Air-Kino jedoch dank Platzreduzierung gerettet hat. Derartige Lösungen, so der Cooltour-Chef, könnten auch andernorts funktionieren, „aber nicht, solange wir uns als Einzelkämpfer verstehen“.

Ein Zeichen setzt - ausgerechnet - die Medizin. Während im Ruhrcongress im Herbst erneut zahlreiche Konzert- und Comedytermine vor dem Aus oder einer zweiten Verlegung stehen, kündigt das Branchennetzwerk MedEcon Ruhr für den 23. September einen Kongress zum Thema Kindergesundheit am Stadionring an. Zwar mit Digitalformaten, aber auch als Präsenzveranstaltung. Die Resonanz sei erstaunlich, berichtet ein MedEcon-Sprecher: „Die rennen uns die Bude ein!“

2021 soll Geburtstag gefeiert werden

Darauf hofft man alsbald auch wieder in der Zeche. Spätestens 2021, so der innige Wunsch von Claus Dürscheidt und den insgesamt 70 Mitarbeitern, soll, ja: muss es wieder losgehen. Dann feiert die Zeche ihr 40-jähriges Bestehen.

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