Dorf Hiltrop

Bochum: Unternehmer sehen Existenz durch Kanalbau bedroht

Die Vorbereitungen auf die große Kanalbaustelle im Dorf Hiltrop laufen. An der Wiescherstraße – hier wurde schon abgesperrt – fürchten Unternehmer um ihre Existenz.

Die Vorbereitungen auf die große Kanalbaustelle im Dorf Hiltrop laufen. An der Wiescherstraße – hier wurde schon abgesperrt – fürchten Unternehmer um ihre Existenz.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Hiltrop.  Die bevorstehende Baustelle im Dorf Hiltrop ängstigt Geschäftsleute, einige wollen verkaufen. Zahnarzt fühlt sich von Politik im Stich gelassen.

Im Mai soll sie beginnen, die Großbaustelle für einen neuen Kanal im Dorf Hiltrop. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Nord ging es einmal mehr um das Projekt, das helfen soll, bei Starkregen Überschwemmungen im Stadtteil künftig zu verhindern. Doch die etwa eineinhalb Jahre währende Baumaßnahme wird nicht nur erhebliche Verkehrsbeschränkungen mit sich bringen; Anlieger sehen auch Existenzen bedroht.

Lars Christian Wahl und Birgit Reinecke-Wahl haben an der Ecke Im Hagenacker/Dietrich-Benking-Straße seit 21 Jahren ihre Zahnarztpraxis. Und genau an dieser Kreuzung wird die große Baugrube entstehen, von der aus der unterirdische Vortrieb erfolgen soll. Das hat die Sperrung der Straße Im Hagenacker zur Folge. Lars Wahl beklagt, dass die Stadt die Bewohner nicht informiert hat: „Im Herbst 2019 klingelte bei uns eine Ingenieurfirma, um die Hausanschlüsse zu überprüfen. Dadurch erfuhren wir zum ersten Mal von den Plänen.“

Absperrungen ohne Vorankündigung

Im Dezember dann wurde der Hagenacker abgesperrt, „wieder ohne Vorankündigung“. Damals führten die Stadtwerke vorbereitende Leitungsarbeiten durch. Der Zahnarzt moniert, dass entgegen der Versprechen, die Betroffenen könnten Einfluss auf den Bauablauf nehmen, alles bereits festgezurrt sei.

Wahl findet: Die Baugrube müsse nicht zwingend in die Kreuzung Wiescher-/Dietrich-Benking-Straße/Im Hagenacker. Hier hätten Unternehmer Angst um ihre Existenz. Er weiß zu berichten: „Die Apotheke an der Ecke hat ab August gekündigt. Die Gaststätte Hubbert – seit Jahrzehnten die Adresse für alle Festanlässe im Stadtteil – steht bei ,Immobilienscout’ zum Verkauf.“ Es gebe Alternativen, etwa vom Hof Trösken aus, den Vortrieb zu machen.

Zwei Spuren je Richtung

Das verneinte die Verwaltung während der Debatte im Bezirk. Torsten Schlimm vom Tiefbauamt und Christoph Funder vom Baustellenmarketing: „Die Grube muss in die Kreuzung, um die Leistungsfähigkeit der Straße aufrechtzuerhalten; sonst müssten wir die Wiescherstraße zur Einbahnstraße machen.“ Zudem würde eine Grube an anderer Stelle die Baustelle zeitlich verlängern.

Geplant ist, für jede Fahrtrichtung eine Spur offen zu lassen. Dazu werden Teile des Bürgersteigs genutzt. Aus Richtung Herne wird dann kein Abbiegen in die Frauenlobstraße möglich sein – hier empfiehlt das Tiefbauamt am Kreisel bei Rewe an der Hiltroper Straße zu wenden. Der Hagenacker soll abgebunden werden, bleibt aber von der Bergener Straße erreichbar.

Bushaltestellen müssen wegen der Baugrube verlegt werden; mobile Ampeln sollen helfen, das Verkehrschaos überschaubar zu halten.

Auch jetzt gibt es bereits vorbereitende Arbeiten des Tiefbauamtes und der Stadtwerke. An der Wiescherstraße sind Sperrgitter angebracht – ein Vorgeschmack auf die Situation ab Mai/Juni, wenn die Vorarbeiten beginnen sollen. Doch noch ist nichts vergeben, Angebote von Unternehmen würden noch geprüft.

Lidl baut Supermarkt

Die Kosten der Kanalbaumaßnahme Im Brennholt betragen über drei Millionen Euro. Damit zusammen hängt auch der Neubau eines Lidl-Supermarkts, der durch den Grundstückstausch für den Pferdehof Trösken möglich wird. Jahrelang hatten Stadt und Betreiber um eine Lösung gerungen. Dadurch wurde auch der Kanalbau verzögert, denn er hängt ab vom Bebauungsplan Wiescherstraße / Im Dorf Hiltrop. Dessen Rechtskraft macht den Weg frei für den Lidl-Neubau an der Wiescherstraße.

Die Bezirksvertreter zeigten sich überrascht über den Unmut der Anlieger. Philipp Welsch (SPD): „Gibt es einen Ausgleich für Unternehmen, die dadurch in Schieflage geraten?“ Die Verwaltung antwortete, einen Fördertopf gebe es nicht.

Zahnarzt Wahl, der sich inzwischen anwaltlich vertreten lässt, kritisiert auch, dass die Politik den Bauablauf „ohne Prüfung der Konsequenzen für Anwohner durchgewunken hat; der Unmut der Bürger wurde einfach nicht bedacht“. Die Maßnahme werde Auswirkungen auf den gesamten Dorfkern haben. „Wenn direkt neben unserem Haus die Vorpressungen erfolgen, dann sehe ich die Instrumente auf dem Tisch tanzen.“

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