Koffer-Flohmarkt

Bochum: Trödler verkaufen Sammlerstücke aus dem Koffer

Birgit Schellhase bietet ihre Puppen und Teddys aus dem Koffer an. Der Koffermarkt in Hamme fand zum ersten Mal statt. Foto: Uwe Möller / Funke Foto Services

Birgit Schellhase bietet ihre Puppen und Teddys aus dem Koffer an. Der Koffermarkt in Hamme fand zum ersten Mal statt. Foto: Uwe Möller / Funke Foto Services

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Bochum-Hamme.  In der städtischen Familienbildungsstätte in Bochum-Hamme wird Selbstgemachtes aus Koffern verkauft. Manche davon haben eine richtige Geschichte.

Schon auf den ersten Blick sieht man, dass der kleine braune Koffer einige Jahre auf dem Buckel hat: Abgewetzte Ecken und Schnallen, die Adresse steht in Sütterlin-Schrift im Innenteil. Aber nein, nicht er selbst steht heute zum Verkauf – auch wenn er auf dem Trödel sicherlich ein paar Abnehmer finden würde. Auf dem Kofferflohmarkt in der städtischen Familienbildungsstätte werden selbstgemachte Basteleien nämlich aus Koffern verkauft.

Vom Dachboden geholt

„Ein ganz altes Ding, mindestens 80 Jahre“, ist sich Besitzer Walter Klüner sicher, der genähte Produkte verkauft. Über die Geschichte der Koffer kommt man schnell mit den Standbetreibern ins Gespräch. „Der Koffer war schon in Rom, ich habe ihn vom Dachboden geholt“, erzählt Klüner und präsentiert kleine Schmetterlinge und Vögel, die im Koffer liegen. „Ich nähe seit 70 Jahren, dabei verwerte ich zum Beispiel alte Jeans und mache Taschen daraus“, so der Schneidermeister. Das sei richtiges Upcycling.

Brigitte Bürger ist mit ihrem Reisekoffer bereits nach Gran Canaria gereist. Heute verkauft sie Stricksocken von Größe 18 bis 46 daraus. „Ich habe bestimmt schon 500 Paare gestrickt, ich mache das seit 15 Jahren“, sagt sie stolz. Brigitte Bürger hat beobachtet: „Sogar Männer tragen heutzutage bunte Stricksocken, ich war ganz überrascht.“

Puppendoktor bis Holzschmuck

Wo der Koffer von Birgit Schellhase schon überall gewesen ist, vermag sie nicht zu beantworten. „Ich habe ihn selbst auf einem Flohmarkt erstanden“, sagt sie. Ihr gefallen Teile mit Geschichte. „So ein alter Koffer regt schon zum Nachdenken an, wer damit einmal wohin gereist ist“, sagt sie. Auf dem Kofferflohmarkt verkauft Bürger zwischen Tischdecken, Filzwaren, Knöpfen und Holzschmuck alles, was das Puppenherz begehrt.

„Ich bin Puppendoktor“, sagt Bürger. In dem Lederkoffer habe sie bislang Puppenzubehör aufbewahrt, auf dem Markt prangt darin ein Vorher-Nachherfoto einer reparierten Puppe. „Das hat angefangen, als meine Tochter klein war“, erinnert sie sich. Mit selbst gemachten Unikaten könne man seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Nette Leute kennenlernen

Während Waltraud R. ihren Flohmarkt-Koffer extra für Märkte angeschafft hat und damit sogar schon an der Nordsee war, hat Gabriele Gürbütz keinen Koffer mitgebracht. „Ich verkaufe gehäkelte Tischläufer, sie würden im Koffer zerknautschen“, erklärt sie. Der Kofferflohmarkt gefällt ihr aber trotzdem gut. „Man lernt nette Leute kennen“, so Gürbütz. Die Teddys, die auf ihrem Tisch sitzen, haben zum Beispiel auch eine Geschichte zu erzählen – Seniorinnen aus dem Haus Lauenstein haben ihnen Kleidung genäht.

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