Tanz

Bochum: Tanz-Show bringt Gedanken der Jugend auf die Bühne

Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bochum-Werne präsentieren auf der Bühne des Theater Total in Bochum-Wiemelhausen ausdrucksstark, was sie bewegt.

Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bochum-Werne präsentieren auf der Bühne des Theater Total in Bochum-Wiemelhausen ausdrucksstark, was sie bewegt.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Bochum-Werne/-Wiemelhausen.  Was bewegt Kinder? Die Antwort auf diese Frage bringen 13 Schüler und ein Student auf die Bühne im Theater Total in Bochum-Wiemelhausen. Stark!

Digitalisierung, Umweltschutz, Flucht und politische Aufstände – es sind die großen, globalen Umwälzungen, welche heutzutage die Schlagzeilen und Onlineportale beherrschen. Vielerorts ergreifen nun Kinder und Jugendliche Wort und Hand zur Neugestaltung der Welt und ihrer eigenen Zukunft. Die junge Generation ist in Bewegung, ist politisch, ist engagiert. Ein Umstand, der auch der Kunst nicht verborgen geblieben ist – wie die Tanzperformance am Wochenende im Theater Total in Bochum-Wiemelhausen eindrucksvoll unter Beweis stellte. „Die Grundfrage zu unserer diesjährigen Performance lag also auf der Hand“, sagt Projektleiter Michael Hess: „Was bewegt die Kinder?“

Zum nunmehr sechsten Mal erarbeitete der Tänzer und Choreograph eine Tanzdarbietung mit Schülerinnen und Schülern der Willy-Brandt-Gesamtschule aus Bochum-Werne sowie Studierenden der Ruhr-Universität Bochum. Und ebenfalls zum sechsten Mal führten die Beteiligten diese am Spielort des Theater Total in Bochum-Wiemelhausen auf. Und wie bei den vorangegangenen fünf Veranstaltungen war das Projekt wieder ein voller Erfolg.

Tanzperformance von Gesamtschule und Ruhr-Universität Bochum ist ein Vorzeigeobjekt

Unter dem Titel „Renn! – Was bewegt mich?“ fand die Premiere dieser Performance statt. Insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler sowie ein Student wirkten dabei aktiv auf der Bühne als Tanzende und Darstellende mit. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler lag in diesem Jahr bei ca. zwölf Jahren. Damit waren die Teilnehmenden deutlich jünger als jene in den letzten Jahren.

„Seit der ersten Kooperation im Jahre 2012/2013 haben wir an unserer Schule feststellen können, wie sehr unsere Schülerinnen und Schüler von diesem Angebot profitieren“, freut sich Schulleiterin Claudia Högemann über die Kooperation. „Neben den künstlerisch-kulturellen Fähigkeiten sind es vor allem Aspekte wie Teamarbeit, Pünktlichkeit und Disziplin, die hier gelehrt und gelernt werden.“

Das alle Beteiligten dabei gut miteinander auskommen, hat die langjährige Zusammenarbeit nur zusätzlich gestützt. Und dieser Erfolg, diese Langjährigkeit und gelebte Kooperation, blieb auch der projektauswählenden Jury des Programms „Kultur macht stark“ nicht verborgen. Vier der aktuell laufenden, zahlreichen Projekte werden ausführlich dokumentarisch begleitet und dem geldgebenden Ministerium für Bildung und Forschung als beispielhafte Projekte vorgestellt. Das Tanzprojekt von Michael Hess ist dabei das einzige Schülerprojekt.

Alle Teilnehmenden arbeiten absolut gleichberechtigt an diesem Projekt

Das Interessante an dieser Arbeit ist die Tatsache, dass alle Teilnehmenden gleichberechtigt und Hierarchien innerhalb der Gruppe der Teilnehmenden aufgehoben werden. „Der Studierende, welcher bei uns mitwirkt hat, nicht mehr zu sagen als die Schülerinnen und Schüler. Alle helfen sich gegenseitig und lernen voneinander und durch das gemeinsame Erleben“, erklärt Hess.

Dieses Jahr erstmalig mit dabei, war Alexander Steindorf. Der ausgebildete Schauspieler hat die aktuelle Performance gemeinsam mit Michael Hess konzipiert und erarbeitet. „Grundlage dafür waren Impros, welche wir mit den Kindern zu Beginn des Projektes durchgeführt haben“, berichtet Steindorf. „Auf diesen Ideen basieren letztlich alle Inhalte. Wir haben die Themen der Kinder aufgegriffen und in Wort und Bewegung umgesetzt und so die Szenen der Performance kreiert.“

Und diese behandeln nicht nur die großen, weltpolitischen Themen, nein, auch die alltäglichen Fragen rund um das Thema Bewegung werden in der Darbietung behandelt; so etwa die Frage, ob der Bus denn auch pünktlich fährt. Alexander Steindorf brachte zusätzlich zur tänzerischen Brille Hess’ verstärkt einen theatralen Aspekt in die Arbeit mit ein, was die Qualität des Projektes nur gefördert hat. „Tanz und Sprache brauchen einander“, erklärt Hess zusammenfassend. „Das Tänzerische erlaubt mir, Emotionen auszudrücken. Und zwar in einer derart intensiven Weise, wie sie sprachlich, wenn überhaupt, nur von einem Goethe erreicht werden kann. Das gesprochene Wort hingegen verdeutlicht das Direkte, das Unmittelbare und Klare, eben das, wo der Tanz an seine Grenzen stößt.“

Und diese Symbiose kam auf der Bühne wunderbare zur Geltung. So war es gerade die Abwechslung von Wort und Bewegung, welche Struktur lieferte, Halt, aber auch Freiheit ergab. Abgerundet durch die eindrücklichen, teils verstörenden Kompositionen von Tim Kienecker, ebenfalls langjähriger Wegbegleiter Michael Hess’, wurde den Zuschauern so ein wahres Gesamtkunstwerk zuteil.

Dass die jungen Akteure am Premierenabend vor vollem Hause noch eine Zugabe geben mussten ist daher keineswegs verwunderlich.

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