Students for future

Bochum: Studierende laden zum offenen Hörsaal in Klimaschule

David Piorunek von Scientists for Future spricht vor Studentinnen und Studenten auf dem Dr. Ruer-Platz – ein etwas anderer Klimaprotest.

David Piorunek von Scientists for Future spricht vor Studentinnen und Studenten auf dem Dr. Ruer-Platz – ein etwas anderer Klimaprotest.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Bochumer „Students for future“ eröffnen bundesweite „Public Climate School“. Auf dem Stundenplan stehen vegane Rezepte und Poetry Slams.

Eigentlich sollte sie so wie im letzten Jahr aussehen: Bunte Diskussionsveranstaltungen in den Hörsälen, gemeinsames Beisammen bei Kleidertauschpartys, neue Mitstreiter kennenlernen bei Workshop-Formaten auf dem Campus. Doch die Coronakrise macht auch der Public Climate School (25.- 29. Mai) der Initiative „Students for future“ – einer Teilgruppe von „Fridays for future“- in ihrer geplanten Form einen Strich durch die Rechnung.

„Wie auch die Ruhr-Universität haben wir deshalb von Präsenzlehre auf Onlineveranstaltungen umgestellt“, sagt Paul Platner, Mitglied bei „students for future“. Das heißt: Fünf Tage lang organisieren Studenten bundesweit Veranstaltungen rund um das Klima und die Umwelt, die auf Plattformen wie „Youtube“ oder „Zoom“ online übertragen werden. „Am Dienstag werden wir beim veganen Frühstücksdate Rezepte vorstellen und zum Nachkochen anregen. Am Donnerstag haben wir ein Klimaquiz zum Mitmachen vorbereitet“, erzählt Platner weiter.

Los geht es trotzdem analog – auf dem Dr. Ruer-Platz mitten in der Bochumer Innenstadt. Denn eins ist den Organisatoren besonders wichtig: „Die Public Climate School ist offen für jeden – nicht nur für Schüler, Schülerinnen und Studierende“, stellt „Students for future“-Mitglied Fabian Schäfer klar. Passend dazu haben die Klimaaktivsten ein Banner mit der Aufschrift „Was alle angeht, können nur alle lösen“ aufgehängt.

Niedrigschwelliges Angebot

„Wir wollen uns selbst und Interessierte in Gesprächen mit Forschern auf den neusten Stand der Wissenschaft bringen“, sagt Schäfer. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssten für alle zugänglich gemacht werden. Es gäbe die Möglichkeit, interessante Berufsbilder zu entdecken und Argumentationsstrukturen gegen Klimaleugner zu erlernen. Die Veranstaltungen tragen beispielsweise Titel wie „Ohne Flugzeug um die Welt“, „Artenvielfalt am Abgrund“ oder „Sonne, Wind und Energiehaushalt“.

Häufig kooperieren die Universitäten dabei auch untereinander: Neben Bochum sind zum Beispiel auch Gruppen aus München, Berlin, Main, Köln oder Wuppertal mit dabei. „Mir gefällt besonders gut, dass die Veranstaltungen interdisziplinär angelegt sind“, sagt Emilia Streciwilk, die erst seit kurzem dabei ist. So gibt es etwa auch Kurzvorträge von Theologen über das Christentum und den Klimawandel, Beiträge von Sozialwissenschaftlern über den Klimawandel und den Gesundheitssektor oder Seminare von Wirtschaftswissenschaftlern über Lebensmittelpreise. „Durch das Online-Format geht natürlich etwas verloren: Es fehlt das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Streciwilk. Sie sieht aber auch Vorteile: „Dadurch, dass man nur die Website besuchen muss, sind die Angebote niedrigschwelliger und wir können vielleicht mehr Menschen erreichen“, so die Studentin weiter.

Effekte der Coronakrise

Auch Larissa Heep, Werkstoffwissenschaftlerin an der Ruhr-Universität und Mitglied bei der Schwesterorganisation „Scientists for future“, erkennt eine Chance: „Durch die Coronakrise ist die Klimakrise wieder in den Hintergrund gerückt. Wir hoffen, dies nun wieder zu ändern und viele Leute aufzuklären.“ Auch David Piorunek von der Fakultät für Maschinenbau ist für die Fraktion der Wissenschaftler dabei: „Zu Beginn der Coronakrise haben wir erlebt, dass der öffentliche Diskurs durch proaktive Wissenschaftskommunikation entscheidend mitgeprägt wurde“, sagt er und verweist auf den Virologen Christian Drosten, der nun Bekanntheit erlangt hat.

Durch die Arbeit der Virologen sei die gesellschaftliche Akzeptanz für umstrittene politische Entscheidungen wie Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen oder Einschränkungen der Reisefreiheit gefördert worden. „Die aktuelle Coronakrise zeigt sehr gut, welchen Beitrag die Wissenschaft für eine bessere Gesellschaft zu leisten vermag, wenn Politikerinnen und Politiker mutig sind und faktenbasiert sowie transparent ihre Ziele, Strategien und Maßnahmen kommunizieren“, so Piorunek. Die Anhänger von „Fridays for future“ – ob Studierende, Wissenschaftler oder Schülerinnen – hoffen, auf dieser Welle weiterzureiten.

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