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Bochum: Stiftung Werkstatt fördert Ausbildung weltweit

Gut 200 Gäste feierten auf dem G-Data-Campus den 25. Geburtstag der Bochumer Stiftung "Von Werkstatt zu Werkstatt".

Gut 200 Gäste feierten auf dem G-Data-Campus den 25. Geburtstag der Bochumer Stiftung "Von Werkstatt zu Werkstatt".

Foto: M. Mucha / RDN

Bochum.  Die Bochumer Stiftung Werkstatt fördert weltweit Einrichtungen zur beruflichen Ausbildung. Ihr jüngstes Projekt unterstützt sie mit 102.000 Euro.

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Etwa 400 junge Menschen hat Johann Philipps als Handwerksmeister und Unternehmer ausgebildet. „Das ist mein Leben“, sagt der mittlerweile 80-Jährige, der sich längst als Unternehmer selbst pensioniert hat. Um Ausbildung kümmert er sich aber immer noch. Und das weltweit.

Von St. Petersburg (Russland) bis Lemberg (Ukraine) und von Savil (Samoa) bis Medellin (Kolumbien). Überall auf der Welt hat die Bochumer Stiftung „Von Werkstatt zu Werkstatt“ wesentlich mitgeholfen, dass dort berufliche Aus- und Weiterbildungsstätten für junge Menschen eingerichtet wurden. Das Credo: „Wir müssen den Leuten dort, wo sie leben, eine Perspektive geben“, sagt Johann Philipps, der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums.

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus BochumDieser Tage feierte die Werkstatt-Stiftung ihren mittlerweile 25. Geburtstag. 200 Gäste kamen zur Feier auf den G-Data-Campus an der Königsallee, feierten ein „so schönes und ausgelassenes Fest, wie ich es noch nicht erlebt habe“ (O-Ton Philipps) und drückten der Veranstaltung am Ende auch noch einen eindrucksvollen finanziellen Stempel auf. Insgesamt mehr als 102.000 Euro kamen als Erlös zusammen. Und damit kann das geplante Ausbildungszentrum in Sunyani (Ghana), das jüngste Projekt der Stiftung, gebaut werden. „Ich habe eine Hilfsbereitschaft erlebt, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat“, sagt Johann Philipps.

Wie wichtig eine fundierte Handwerksausbildung ist, bestätigte Pater Krzysztof Nizniak: Der Schreinermeister und Priester stellte das neueste Projekt von Don Bosco Mondo, dem weltweit tätigen Partner der Stiftung Werkstatt, in Ghana vor. Das alte Zentrum, gebaut für 280 Schüler, platze mit fast 800 Auszubildenden aus allen Nähten. Jetzt sollen aus Mitteln der Stiftung neue Klassen und Werkstätten gebaut werden – für Gewerke wie Kfz, Elektro, Schreinern oder Schweißen. „Das Schöne ist, dass das Geld, das wir stiften, in dem jeweiligen Land sechs-, sieben-, achtmal so viel Wert ist“, sagt Johannes Motz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und auch Geschäftsführer der Stiftung, die ausschließlich von Ehrenamtlichen geleitet wird und daher keine Verwaltungskosten produziert.

Stiftungen leiden unter den niedrigen Zinsen

Klinken müssen im Vorfeld einer solchen Festes mit einer lukrativen Tombola besonders intensiv geputzt werden. „Ich bin nur an einer Stelle auf Granit gestoßen“, sagt Johann Philipps. Ansonsten sei die Unterstützung von Unternehmen, Freunden, Bekannten und Gönnern immens gewesen. „In Zukunft werden wir häufiger auf Formate wie Feste oder Konzerte setzen, um Projekte unterstützen so können“, so Stiftungs-Geschäftsführer Johannes Motz. „Wie alle Stiftungen leider wir unter den niedrigen Zinsen.“ Das Kapital, mittlerweile in siebenstelliger Höhe, wirft nur noch zu einem Teil – wegen einer langfristigen Anlage – Zinsen ab.

Umso wichtiger ist es, ein Netzwerk mit Menschen aufzubauen, die der guten Sache dienen wollen. „Ohne dieses Netzwerk wäre vieles in den vergangenen Jahren kaum möglich gewesen“, sagt Johann Philipps. Es kann nie schaden, jemanden zu kennen, der jemanden kennt . . .

So ist es auch zu den prominenten Gastrednern der Veranstaltung gekommen: NRW-Minister Stephan Holthoff-Pförtner und Aum Obama, die Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, die in Kenia eine eigene Ausbildungs-Stiftung betreibt. Sie betonte die Notwendigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Lösung liege weder in Philantropie noch in humanitärer Hilfe „Wenn wir die Wirtschaft nicht einbeziehen, werden wir immer scheitern.“ Deutsche Unternehmen müssten allerdings nicht nur den eigenen Profit, sondern eine Kooperation auf Augenhöhe mit afrikanischen Partnern anstreben, damit sich kleine Firmen im Land weiterentwickeln können. Ein anderes Problem: In ihrer Heimat Kenia seien Handwerker zu wenig angesehen. Das führe dazu, so die 59-Jährige, dass Kleinstunternehmer am Straßenrand alles Mögliche mit ihren Händen arbeiten, sie aber meist ungelernt sind.

Vorzeigeprojekt in Bosnien

„Lohnt sich gesellschaftliches Engagement?“, hatte Stiftungsgründer Johann Philipps zu Beginn der Veranstaltung gefragt. Am Ende gab es keinen der 200 Gäste, der diese Frage verneint hätte. Denn neben prominenten Festredner kamen auch ehemalige Auszubildende aus Bosnien-Herzegowina zu Wort. Im bosnischen Zepce hatte die Stiftung vor 20 Jahren mit einer Großspende das Fundament für ein Berufsbildungszentrum gelegt. „Das ist unser Flaggschiff“, so Johannes Motz. Heute gilt das mehrfach erweiterte Haus als führende Einrichtung in Bosnien, in der bis heute mehr als 3000 junge Menschen einen Beruf erlernt haben, berichtete Sašac Grozdić.

Zu sehen, wie sehr die finanzielle Hilfe aus Bochum in Regionen helfen kann, in denen Jugendliche oft keine Perspektive haben, motiviert auch Johannes Motz. „Es war unvorstellbar, als ich Ende der 1990er nach Bosnien kam und dort die Zerstörung gesehen haben. So muss es in Deutschland nach dem Krieg ausgesehen haben.“ Heute sie Zepce ein blühender Ausbildungsstandort. Wie überhaupt an allen Standorten, an denen die Werkstatt-Stiftung sich engagiert habe, das Geld nachweislich gut angelegt sei. Motz: „Einige Einrichtungen habe ich selbst besucht, zu anderen halten wir Kontakt über Don Bosco.“ Die Ordensgemeinschaft mit ihrem deutschen Sitz in Bonn ist für die Stiftung „ein verlässlicher Partner“, so Johann Philipps. Sie schlage Projekte vor, an denen sich die Handwerks-Stiftung beteiligen können. Die Entscheidung darüber, was in welcher Form gefördert wird, tragen die Organe der Stiftung: Stiftungsrat und Kuratorium.

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