Uni-Center

Bochum: SPD will neuen Investor fürs Uni-Center suchen

SPD-Bundestagsmitglied Axel Schäfer erklärt am Info-Stand seiner Partei im Uni-Center in Bochum-Querenburg das Firmen-Geflecht von Aroundtown, zu dem auch Grand-City-Property, Eigentümer des Uni-Centers, gehört.

SPD-Bundestagsmitglied Axel Schäfer erklärt am Info-Stand seiner Partei im Uni-Center in Bochum-Querenburg das Firmen-Geflecht von Aroundtown, zu dem auch Grand-City-Property, Eigentümer des Uni-Centers, gehört.

Foto: SPD

Bochum-Querenburg.  Bis Herbst soll ein Konzept für die Ladenzeile im Uni-Center Bochum-Querenburg vorliegen. Die SPD glaubt nicht daran – und ändert die Strategie.

Die Stimmung im Uni-Center in Bochum-Querenburg ist schlecht. Seit Jahren tut sich in dem riesigen Gebäude- und Einkaufskomplex neben der Ruhr-Universität Bochum kaum etwas. Dabei wurde in der Vergangenheit vom Eigentümer, der Grand-City-Property (GCP) aus Berlin, viel versprochen – zuletzt ein Entwicklungskonzept. Während man in der Bochumer Stadtverwaltung noch leise Hoffnung auf Besserung hat, mag sich die SPD nicht länger hinhalten lassen und darauf warten, dass diese Versprechen irgendwann einmal umgesetzt werden – wenn überhaupt.

Uni-Center Bochum: Eigentümer kündigt erneut Konzept an – SPD glaubt nicht daran

„Wir glauben nicht mehr daran, dass der Eigentümer seine Zusagen auch einhält“, sagt SPD-Bundestagsmitglied Axel Schäfer, der mit seiner Partei am Samstag an einen Informationsstand in die Ladenzeile des Uni-Centers eingeladen hatte. Von „großem Andrang“ spricht Schäfer, und von „viel Unmut“, den er wahrgenommen hat - bei Geschäftsleuten und Anwohnern.

Etwa bei Ursula Stratmann, die seit 40 Jahren in einem der Hochhäuser am Hustadtring wohnt. Eigentlich sehr gerne, betont sie. Die Wohnung an sich sei wunderschön, der Ausblick vom 18. Stock toll. Nur sei eben die Mängelliste, die vom Eigentümer nicht abgearbeitet werde, ziemlich lang: „Von vier Heizungen funktioniert nur eine, das Wasser dringt durch alle Ritzen in die Wohnung und aktuell geht nur ein Fahrstuhl – für ungefähr 350 Leute.“

Als Ursula Stratmann am SPD-Stand das Geflecht an Firmen rund um Aroundtown, zu dem auch GCP zählt, auf einer großer Leinwand vor sich sah, staunte sie nicht schlecht: „Da fällt man vom Hocker“, sagt die 72-Jährige, für die nicht zuletzt auch deshalb feststeht: „Das Uni-Center soll ganz bewusst in Grund und Boden gewirtschaftet werden.“ Sie selbst hat vor zwei Jahren zu handeln begonnen und mit juristischer Unterstützung die Miete gemindert, teils um mehr als 50 Prozent. „Gemeldet hat sich vom Eigentümer niemand. Das an sich sagt doch schon alles.“

Für Axel Schäfer und seine Partei „ist es an der Zeit festzustellen, dass Aroundtown all diesen Anforderungen, die selbstverständlich sein sollten, nicht gerecht wird“. Von daher will man jetzt die Strategie wechseln und einen neuen Investor für das Uni-Center suchen. Schäfer, Vorsitzender des Ortsvereins Querenburg: „Einen, der sich kümmert, der auch vor Ort Ansprechpartner anbietet.“ So wie es in Bochum andere große Wohnungsunternehmen vormachen würden. „So etwas wünschen wir uns auch fürs Uni-Center. Und keine mit Versprechen zugeklebten leerstehenden Geschäfte, die nicht gehalten werden.“

Kontaktaufnahme Anfang Juni

In Berlin wird die ganze Angelegenheit relativ gelassen gesehen. „Wir liegen weiterhin voll im vorgesehenen Zeitplan, der mit allen Teilnehmenden (Stadt, Verwaltung, Wirtschaftsförderung) verabredet wurde“, teilt Katrin Petersen, Sprecherin von GCP, auf WAZ-Anfrage mit. Das versprochene Entwicklungskonzept für das Uni-Center werde „nach bestehender Planung im September dem Gestaltungsbeirat der Stadt Bochum vorgestellt“. Darüber sei auch der Baudezernent Anfang Juni informiert worden.

Diesen Kontakt mag Stadtbaurat Markus Bradtke durchaus bestätigen, die positive Grundstimmung, die sich aus den Zeilen von Grand-City-Property ableiten lässt, teilt er hingegen nicht. Bradtke holt zur Erklärung seiner Zurückhaltung ein weinig aus: „Wir hatten im vergangenen Jahr mit dem Eigentümer die Verabredung, dass wir zwei Konzepte vorgelegt bekommen – eines für die Modernisierung der Ladenzeile und eines für die Wohnungsbewirtschaftung. Letzteres ist bis heute nicht eingegangen.“

Ende 2019 habe es eine Präsentation gegeben, wo und wie der Hebel an die Ladenzeile angesetzt werden soll. „Das waren so an die 30 Folien mit Animationen“, erinnert sich Markus Bradtke. Restlos überzeugt hat dieses Konzept nicht. Grand-City-Property wurde aufgefordert, es zu überarbeiten. „Die von uns angebotene Gestaltungs-Beratung wurde angenommen“, sagt Bradtke. Seither habe man aus Berlin allerdings nichts mehr gehört.

Bis vor etwa zwei Wochen. Bradtke: „Da hat uns die Center-Managerin angerufen und darüber informiert, dass bis Ende des Monats ein Bauantrag eingereicht werde (siehe Info-Box, Anm. d. Red.), und dass ein überarbeitetes Entwicklungskonzept so eingereicht werde, dass es dem Gestaltungsbeirat in dessen Sitzung im September vorgestellt werden kann. Bisher liegt es aber nicht vor.“

Der Stadtbaurat ist skeptisch, ob dieses Konzept wirklich kommt („Es wurde ja schon Vieles angekündigt“) und ob es qualitativ ausreichen wird, um überhaupt dem Gestaltungsbeirat vorgelegt zu werden. Übrigens sollten laut Stadt auch der Politik die Pläne für die Einkaufsstraße im Uni-Center präsentiert werden. Bradtke: „Dies wurde von GCP abgelehnt.“

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