ÖPNV:

Bochum: Schulen fühlen sich von Bogestra-Netz2020 abgehängt

Von der Umstellung der Bogestra auf das "Netz 2020" fühlen sich gerade die Anrainer des Springorum-Innovationsparks, EBZ (Vorstand Adolf Bismark), Carolinenschule (Geschäftsführerin Caroline von Bormann-Altmeyer) und Kreishandwerkerschaft (Geschäftsführer Johannes Motz) betroffen.

Von der Umstellung der Bogestra auf das "Netz 2020" fühlen sich gerade die Anrainer des Springorum-Innovationsparks, EBZ (Vorstand Adolf Bismark), Carolinenschule (Geschäftsführerin Caroline von Bormann-Altmeyer) und Kreishandwerkerschaft (Geschäftsführer Johannes Motz) betroffen.

Foto: Andreas Rorowski

Bochum.  Die Bogestra stellt ihr Angebot um auf das „Netz 2020“. Die Reaktion darauf sind zum Teil harsch. „Eine Katastrophe“, heißt es am Springorum.

In wenigen Tagen, am 15. Dezember, stellt die Bogestra ihr Bahn- und Busnetz in Bochum um. Die neue Zeitrechnung im ÖPNV bringt neue Linien, neue Strecken, neue Takte – und sie bringt auch neue Probleme, wie die zahlreichen Hinweise von Lesern aus Bochum an die WAZ-Redaktion belegen.

Massiv von der Auswirkung des „Netz 2020“ betroffen ist der Springorum-Innovationspark. „Wir fühlen uns regelrecht abgehängt“, sagt Stefanie Wessel, Leiterin der Carolinenschule. Und mit diesem Gefühl steht die Schule mit ihren 400 Schülern und 85 Beschäftigten nicht alleine da.

Eine Haltestelle fällt weg

Auch die Nachbarn – Kreishandwerkerschaft, Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) und Technische Akademie Wuppertal fürchten große Nachteile, wenn vom 15. Dezember an die Uhren des ÖPNV in Bochum anders ticken. „Statt vier Linien, verkehren dann nur noch zwei hierhin, die 354 und die 365“, sagt Stefanie Wessel. Die 388 und die 394 fallen weg. Und wegen der Großbaustelle an der Wasserstraße entfällt die Haltestelle Springorum an der Wasserstraße für die nächsten Monate ganz. „Eine Katastrophe“, sagen die Anrainer. Johannes Motz von der Kreishandwerkerschaft bringt es auf den Punkt: „Wir sind hier am Springorum doch ein großer Aus- und Weiterbildungsstandort. Wie etwa die Ruhr-Uni. Und die wird doch auch nicht einfach abgestuft.“

Die Ausdünnung des ÖPNV-Angebots „wird zu mehr Autoverkehr und zu noch mehr Verkehrsproblemen führen, als wir jetzt zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags ohnehin schon haben“, sagt Caroline von Bormann-Altmeyer, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Carolinenschule. Ihr ist ebenso wie den Nachbarn unbegreiflich, wie der Aus- und Weiterbildungsstandort Springorum bei der Umstellung derart vernachlässigt oder vergessen werden konnte. „Wir wurden von einer Hauptlinie zu einer Nebenlinie abgestuft. Und das hat schwerwiegende Folgen“, so Johannes Motz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Die Busse kommen künftig nur noch halbstündlich statt alle 15 Minuten. Das werde die Verkehrsbelastung an den Schulen und Ausbildungsstätten deutlich erhöhen.

Auch an der EBZ. „Wir hängen nicht an der Haltestelle, die da vor unserem Haus ist“, sagt EBZ-Vorstand Adolf Bismarck. „Aber wir haben jahrelang für sie gekämpft und es ist bitter, dass sie uns jetzt einfach wieder weggenommen wird. Wir waren so stolz auf den Innovationspark und seinen ökologische Ausrichtung. Und jetzt das.“ Gerade die EBZ mit ihren 1400 Berufsschülern, 1200 Studenten und mit 40.000 Übernachtungen von Weiterbildungs-Teilnehmern in dem eigenen Gästehaus fürchtet die Auswirkungen der Umstellung.

Alle Ausbildungsträger hoffen nun darauf, dass das Verkehrsunternehmen die – möglicherweise nicht bedachten Auswirkungen der Veränderung – erkennt so schnell wie möglich reagiert. „Bis dahin können wir nicht viel tun. Wir werden natürlich den Azubis sagen, sie sollen, wenn sie künftig mit dem Auto kommen, Fahrgemeinschaften bilden“, so Johannes Motz von der Kreishandwerkerschaft. 150 bis 200 Auszubildende besuchen täglich die Weiterbildungseinrichtung. Dazu kommen im Herbst 1200 Achtklässler, die zur Potenzialanalyse zur Springorumallee kommen.

Mehr Busse zu den Stoßzeiten

Wenn es nach Caroline von Bormann-Altmeyer geht, „dann sollte alles so bleiben wie bisher. Jetzt hat sich doch alles eingespielt.“ So habe die Schule eigens die Anfangszeiten des Unterrichts von 8 auf 8.15 Uhr verlegt, damit alle Schüler pünktlich zum Unterricht erscheinen können. Noch einmal zu verschieben, weil der künftig nur noch alle halbe Stunde fahrende 365er erst um 8.19 Uhr ankomme, komme nicht Frage. Überhaupt bedauert sie es ebenso wie ihre Nachbarn, „dass mit der Umstellung ein völlig falsches Signal gegeben wird.“ Statt Umweltbewusstsein und ÖPNV-Nutzung zu fördern, geschehe genau das Gegenteil. Auch sei der Bedarf von Schulen und Einrichtungen, wie viele Mitarbeiter und Schüler/Studenten täglich das ÖPNV-Angebot nutzen, nicht abgefragt worden.

Abo für Schoko-Tickets kündigen

Bedenken sollte die Bogestra, so EBZ-Vorstandsmitglied Adolf Bismark, zumindest an den Stoßzeiten das Angebot zu verbessern, also zwischen 7 und 9 Uhr morgens und 15 und 17 Uhr nachmittags. Sonst sei der Autoverkehr an der Springorumallee kaum noch zu bewältigen. Und: „In den Bussen stehen die Schüler und Studenten morgens und nachmittags doch jetzt schon so sich gedrängt wie in einer Sardinenbüchse“, sagt Caroline von Bomann-Altmeyer. „Wie soll denn in Zukunft werden, wenn die Busse nur noch jede halbe Stunde fahren.“ Sie werden auf jeden Fall Konsequenzen ziehen: „Unser Abo bei der Bogestra von mehr als 100 Schoko-Tickets werden ich kündigen.“

Aoldf Bismarck vom EBZ hat derweil die Hoffnung, dass die Bogestra nachbessert. Beim Fototermin an der Bushaltestelle, die vom 15. Dezember an nicht mehr angefahren wird, sagt er: „Die sollte stehen bleiben. Vielleicht wird sie eines Tages doch wieder gebraucht.“

Hier finden Sie Berichte zum Fahrplanwechsel in einzelnen Städten an Rhein und Ruhr:

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