Waldorf-Pädagogik

Waldorf-Kindergarten Langendreer wird 60 Jahre alt

Im Spielraum der Puppenbühne des Waldorf-Kindergartens (v.l.) Helga Zumpfe, Michaela Kronshage, Heike Rösler und Bastienne Fuchs.

Im Spielraum der Puppenbühne des Waldorf-Kindergartens (v.l.) Helga Zumpfe, Michaela Kronshage, Heike Rösler und Bastienne Fuchs.

Foto: Jürgen Theobald

Langendreer.   Vier Protagonistinnen der Einrichtung erzählten aus der Historie. Alles begann ganz klein in der alten Villa auf dem Schulhof.

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Als Helga Zumpfe vor 56 Jahren als Erzieherin an den Waldorfkindergarten Langendreer (WaKiBoLa) kam, war dieser nicht mehr als eine kleine, zweigruppige Einrichtung in Trägerschaft der benachbarten Schule, auf deren Gelände er untergebracht war. Seitdem hat sich einiges verändert. Sowohl für den Kindergarten, als auch für Helga Zumpfe.

Mitspielerin im Puppentheater

Als Erzieherin ist sie nicht mehr aktiv. „Ich bin einfach zu alt dafür“, erzählte sie mit einem wehmütigen Lächeln. Teil des Kollegiums ist sie aber noch immer. Ihre Verbundenheit zum Kindergarten lebt sie als Mitspielerin im Puppentheater aus. „Unser Puppentheater ist schon etwas besonderes“, schwärmte die Rentnerin, „Wir haben eine fest installierte Bühne dafür. Das war uns bei der Planung des Gebäudes sehr wichtig.“ Dass die Erzieher bei dieser damals intensiv mit eingebunden wurden, empfindet sie als großen Glücksfall.

Nachdem der Kindergarten in den frühen 1970er Jahren so stark anwuchs, dass die Räume der Rudolf-Steiner-Schule zu klein für ihn wurden, begann man 1975 mit der Arbeit an einem eigenen Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Schule. Dort ist der Kindergarten noch heute untergebracht.

Etwa zur Zeit des Neubaus begann auch Michaela Kronshage ihre Arbeit am WaKiBoLa. Sie gehörte 1958 zu einem der ersten Kinder in der Einrichtung und ist seitdem fest mit dieser verbunden geblieben. Bis 2016 war sie dort fast 20 Jahre als Leiterin aktiv. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre: „Das Kollegium ist wirklich einmalig. So etwas habe ich sonst nirgendwo erlebt. Wir sind nicht einfach nur Kollegen, sondern fast so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft. Aber im positiven Sinn“, schwärmte sie.

Dem konnte Bastienne Fuchs nur beipflichten. Die aktuelle Leiterin betonte die Wichtigkeit des Teams. Alle großen Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. „Unser Kindergarten ist ein Haus der Begegnung auf Augenhöhe“, so die Erzieherin.

Und als solches wird es auch gemeinhin wahrgenommen. Nicht zuletzt auch dank Heike Rößler, die seit nunmehr zehn Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit des WaKiBoLa verantwortlich ist. Einige wichtige Entwicklungen hat sie seitdem persönlich begleitet. So zum Beispiel die Planung und Eröffnung des Anbaus für den U3-Bereich im Jahre 2014.

Doch neben den ganzen schönen Momenten bergen 60 Jahre Geschichte natürlich auch den ein oder anderen Wermutstropfen. Einer davon war die Einführung extern geleiteter Sprachstandserhebungen. Dabei war vielmehr das Verfahren zu bemängeln als der Test an sich. „Das ging zu wie in der Schule“, erinnerte sich Rößler kritisch.

Sprachniveau der Kinder

Mittlerweile ist die Sprachstandserhebung teil des Aufgabenbereichs des Erziehers, der so bei der regulären Betreuung der Kinder nun auch Beobachtungen zum Sprachniveau und zur -entwicklung anstellen muss. „Die Aufgaben der Kindergärtner werden immer vielfältiger“, berichtete Fuchs, „Das ist ja an sich auch gut, nur wäre es schön, wenn die Politik sich dann auch einmal Gedanken zum Stundenkontingent eines Erziehers machen würde.“ Ein Appell, dem die anderen nur zustimmen konnten.

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