Reformationsjubiläum

Markt erweckt das Mittelalter mit Heiterkeit zum Leben

Heinrich der Bogner, mit bürgerlichem Namen Heinrich Hermann Lebioder, leitet Hannelore Engel (88) beim Bogenschießen auf dem Mittelaltermarkt an.

Foto: Dietmar Wäsche

Heinrich der Bogner, mit bürgerlichem Namen Heinrich Hermann Lebioder, leitet Hannelore Engel (88) beim Bogenschießen auf dem Mittelaltermarkt an. Foto: Dietmar Wäsche

Langendreer/Werne.   Die evangelische Gemeinde Werne bietet ein stimmungsvolles Programm mit Kurzweil und Botschaften. Kirche wurde Teil von NRW-Kunstprojekt.

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Wahrsagerin Sylvia Lebioda befragte das Universum. Die Antworten des Pendels stimmten zuversichtlich. Ohnehin war die Atmosphäre heiter auf dem Mittelaltermarkt zum Luther-Fest rund um die evangelische Gemeinde und am Erich-Brühmann-Haus in Werne.

Gemeinsam mit Ehemann Heinrich Herrmann bot Lebioda nicht nur eine Konferenz mit dem Universum an, sondern hatte auch Ablassbriefe im Angebot. „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“, stand originalgetreu auf der Kiste geschrieben.

Ablassbriefe gegen Fegefeuer

„Den Leuten wurde damals erzählt, dass sie sich mit den Ablassbriefen von den Sünden freikaufen können. Damit sie Angst haben, wurden die Kästen mit schaurigen Bildern etwa vom Fegefeuer bemalt“, schilderte sie. Die Ablassbriefe waren ein Hauptmotiv Martin Luthers, weshalb er gegen das System der katholischen Kirche voranschritt.

Heinrich Herrmann hatte Bogenschießen im Angebot. Da ergriff Hannelore Engel die Gelegenheit: „Das hat mich schon immer fasziniert und ich wollte das mal ausprobieren“, sagte die 88-Jährige und traf prompt zweimal ins Schwarze. Dann zog sie mit ihrer Frauenclique weiter, um sich pflanzengegerbte Wolle anzuschauen.

Mit dem Dudelsack in der Kirche musizieren

An rund zwanzig Ständen entfaltete sich ein munteres Treiben. Die weißen Pagodenzelte vermittelten den Besuchern auf Anhieb gemütliches Flair. Die evangelische Gemeinde stellte das Programm gemeinsam mit Veranstalterin Ulrike Bitterlich-Nietsch von Ars Westfalica und der Stadtwache Bochum 1388 auf die Beine. „Es ist schön, dass die Gemeinde so offen ist. Wir durften sogar mit dem Dudelsack in der Kirche spielen“, staunte Ulrike Bitterlich-Nietsch. Der Dudelsack sei früher auch ein Symbol der Verunglimpfung gewesen, erläuterte sie weiter.

Der ökumenische Festgottesdienst mit der Herz-Jesu-Gemeinde, Chören und Posaunenchor stimmte Pfarrerin Gisela Estel fröhlich: „Die Kirche war wie an Weihnachten toll besucht und es war ein richtig schönes Fest. Auch die Händler des Mittelaltermarktes waren sehr zufrieden.“

Vielfalt an Angeboten

Das Luther-Jubiläum in Werne lebte von der Vielfalt und so gab es eine Menge Kurzweil auf dem Marktplatz in und an der Kirche. Das Theaterstück „Luthers wilde Schwestern“ stand auf dem Plan, und die Feuerkünstler von Nebula Flamma bereiteten sich schon am Nachmittag auf ihre Show in der Dunkelheit vor.

„Es ist die Faszination, ein fast unbeherrschbares Element zu kontrollieren“, sagte Philipp Volkmer (33) vor dem Training. Die evangelische Kirche in Werne nahm auch an dem ökumenischen Lichtkunst-Projekt „Erleuchtet“ teil. Die Botschaft „Das Ganze Schiff sinkt bzw. singt“ erhellte am Reformationsabend in Werne die Kirchenmauern.

>>> INFO: Die Gruppe Stadtwache Bochum 1388


Mit von der Partie beim Werner Mittelaltermarkt war die Gruppe der Maiabendgesellschaft, Stadtwache Bochum 1388.

Der Fortbestand des Bochumer Maiabendfestes, welches durch die Dortmunder Fehde im Mittelalter entstand, ist das Hauptziel der Gruppe.

Die Stadtwache Bochum 1388 organisiert Heerlager und hat feste Termine wie den Besuch in Cochem an der Mosel, das Kuhhirtenfest, den Bochumer Weihnachtsmarkt und mittelalterliche Stadtführungen in Bochum.

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