Bühne

In der Stadtbücherei Langendreer entstehen kleine Bühnen

Beim „Crankie-Workshop“ basteln (v.l.) Peter, Emmi, Diana, Thesia und Eva an ihren mobilen Holzbühnen.

Beim „Crankie-Workshop“ basteln (v.l.) Peter, Emmi, Diana, Thesia und Eva an ihren mobilen Holzbühnen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Langendreer.  Ein „Crankie“-Kurs stellt die Schüler vor Herausforderungen: Künstlerisch und handwerklich werden sie kreativ. Und der Spaß kommt nicht zu kurz.

Die letzten fünf Tage der Sommerferien hat die zehnjährige Eva dazu genutzt, etwas zu basteln, woran sie sich noch lange erinnern wird. Bei einem Workshop in der Stadtbücherei Langendreer baut sie einen sogenannten Crankie – also eine Bühne, die kaum größer ist als eine Werkzeugkiste. „Das ist super“, strahlt sie. Gemeinsam mit ihren sieben Mitstreitern hat Eva ihren „Crankie“ am Freitagmittag zur Aufführung gebracht, und die Besucher staunen nicht schlecht, was für schöne kleine Geschichten sich damit erzählen lassen.

Als „Crankie“ (im Englischen steht „crank“ für Kurbel) bezeichnet man eine kleine Holzkiste mit zwei Kurbeln, in die sich selbst gemalte Bilder spannen lassen, die dann auf Rollen von einer Seite zu nächsten laufen. Wie beim klassischen Schattentheater werden die Crankies von hinten mit einer Lampe angestrahlt. Die Spieler drehen an den Kurbeln und führen kleine Figuren aus Pappe durch ihre selbst kreierten Szenerien. Während die Bilder laufen, wird die Geschichte erzählt.

Vor allem in den USA sind Crankies gerade total angesagt, weiß die Bochumer Puppentheaterspielerin Yvonne Dicketmüller, die den Workshop in der Bücherei erstmals geleitet hat. „Bei einem Figurentheater-Festival in Minnesota habe ich das zum ersten Mal gesehen und war total fasziniert“, sagt sie. Ihren ersten eigenen Crankie baute sie erst kürzlich zum 50. Geburtstag der ersten Mondlandung. Jetzt arbeitet sie mit den Schülern im Alter von 10 bis 14 Jahren an ihren Crankies, die bei den jungen Teilnehmern und auch bei Büchereileiterin Susanne Grimberg bleibenden Eindruck hinterlassen. „Wieviel Energie, Kreativität und Zeit die Kinder hier investiert haben, ist wirklich bemerkenswert“, meint sie.

Es wird gehämmert, geklebt, geschnitten

In der Tat: Volle fünf Tage wird im Bastelkeller der Bücherei intensiv gearbeitet. Zunächst gilt es, dass sich jeder Teilnehmer eine Geschichte aussucht, die er illustrieren möchte. „Drei Geschichten haben wir dabei aus dem Bochumer Sagenbuch entliehen“, sagt Dicketmüller. Als klar ist, was erzählt werden soll, beginnt die eigentliche Arbeit: Der Holzkasten wird gefertigt, es wird gehämmert, geklebt und geschnitten. „Dabei müssen nicht nur die Bilder gemalt werden. Der Workshop stellt die Kinder durchaus auch vor handwerkliche Herausforderungen, denn mit Holz zu arbeiten ist längst nicht mehr alltäglich.“

Am Ende steht die feierliche Aufführung: Denn bloß die Bilder in dem Guckkasten abzurollen, ist natürlich langweilig. „Wir arbeiten auch mit Geräuschen und Effekten genau wie bei einer Inszenierung“, meint Dicketmüller. Überaus erfindungsreich geht es dabei zu: So wird aus den Schalen einer Kokosnuss ein ganz eigener Sound heraus gezaubert. Auch Instrumente wie ein Glockenspiel und eine Fliegenklatsche finden wunderbare Verwendung.

Da der Ferienworkshop im Rahmen des Kulturrucksack-Projekts vom Land NRW gefördert wird, ist die Teilnahme für die Schüler kostenlos. Ihren Crankie können sie am Ende sogar mit nach Haus nehmen. „Aber eigentlich wäre es viel zu schade, wenn diese Aktion einfach so zu Ende ginge“, überlegt Susanne Grimberg und plant, mit den „Crankies“ demnächst auf kleine Tour zu gehen. „Vielleicht treten wir damit in Kindergärten oder auf Festen auf“, sagt sie.

Wer Interesse daran hat, die Schüler bei ihrem Crankie-Spiel in Aktion zu erleben, kann sich gern in der Bücherei Langendreer melden: 0234 / 89 37 939.

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