Mehrgenerationenprojekt

Generationen-Vielfalt soll das Leben neu gestalten

Ulrike Wolf von der Genossenschaft Glockenhof, Mitte, führt Interessenten durch den Rohbau des alten Schulgebäudes an der Liebfrauenstraße, das ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt werden soll.

Ulrike Wolf von der Genossenschaft Glockenhof, Mitte, führt Interessenten durch den Rohbau des alten Schulgebäudes an der Liebfrauenstraße, das ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt werden soll.

Foto: Olaf Ziegler

Altenbochum.   Haus an der Liebfrauenstraße ist nach der Sanierung fast bezugsfertig. Bewohner gestalten im Genossenschaftsprojekt ein gemeinschaftliches Leben.

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Die ehemalige Schule an der Liebfrauenstraße leuchtet in einem fröhlichen Orange. So wie das Haus die Blicke auf sich zieht, macht auch das Mehrgenerationenprojekt auf sich aufmerksam, welches das kernsanierte Gebäude beziehen wird. Der Glockenhof steht kurz vor der Fertigstellung und bietet 18 Parteien und neun Senioren die Möglichkeit, ein anderes Konzept des Zusammenlebens auszuprobieren. Ab Dezember können die Ersten einziehen.

Anders alt werden, ist das Ziel

Im Jahr 2013 fand sich eine Gruppe von Senioren von der Christengemeinde Glockengarten zusammen. „Wir waren uns alle einig: Wir wollen anders alt werden!“, sagt Barbara Zimmer. Die 82-jährige sitzt im Vorstand der Genossenschaft, die eigens für das Projekt gegründet wurde und den Umbau der alten Schule organisiert.

Schnell wurde klar: Ein Mehrgenerationenprojekt hilft gegen die Einsamkeit im Alter. „Die Jüngsten im Haus sind gerade ein paar Monate alt, die Ältesten über 90 Jahre“, erzählt sie. Sie möchte das Leben im Alter nicht unter Patienten verbringen, so die engagierte Seniorin.

Räume mit deckenhohen Fenstern

Die Stadt kam auf die Genossenschaft mit dem Immobilienangebot zu. Nach der Sanierung hat das Gebäude seinen Charme behalten. Deckenhohe Fenster sorgen für lichtdurchflutete Räume, eine offene Struktur und ein Aufzug bieten ein barrierefreies Ambiente.

Die künftigen Bewohner sind noch auf der Suche nach älteren Menschen, die gerne in die Pflegegemeinschaft im Erdgeschoss einziehen würden. Diese könnten nicht nur von der Gemeinschaft im Haus profitieren, sondern auch 24 Stunden am Tag die Hilfe eines Pflegedienstes beanspruchen. „Jeder regelt seinen Alltag trotzdem selbstbestimmt, wie er es mag. Es gibt keine Heimleitung“, betont Barbara Zimmer.

Das Leben verändert sich

Sie brennt für das Projekt: „Es ist ein soziales Experiment. Spannend!“ Früher hätten die Generationen einer Familie unter einem Dach gelebt, doch das Leben verändert sich. „Hier im Haus ist es eine Art Wahlverwandtschaft. Wie das alles genau funktionieren wird, sehen wir nach dem Einzug.“ Auch Ulrike Wolf zieht mit ihren Kindern ein. „Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus, dann ist man dennoch nicht allein“, sagt die alleinerziehende Mutter.

Einzug wäre große Umstellung

Zu den Interessenten gehört Margret Lahme. „Ich kann mir das Ergebnis noch nicht vorstellen“, sagt sie und schaut sich in einem Zimmer der Pflege-WG um. Seit 22 Jahren lebt die 85-jährige Seniorin in einer 72-Quadratmeter-Wohnung. Der Einzug würde eine große Umstellung für sie bedeuten. Insbesondere das Bad, das sie sich mit jemand Zweitem teilen müsste, macht sie skeptisch. „Ich will in Frieden leben und keinen Streit über ein ungemachtes Bad ausfechten“, sagt sie.

>>> Bewohner gehören Genossenschaft an

Die künftigen Bewohner des Hauses sind Mitglieder in der Genossenschaft und müssen einen Eigenanteil als Anlage mitbringen.

Von den 18 Wohnungen im Haupthaus und im anliegenden Gebäude nebenan sind sechs Sozialwohnungen, die nur mit einem Wohnberechtigungsschein bezogen werden können.

Wie viele private Bauherren erfährt auch die Genossenschaft Sparzwänge. Den Garten wollen die Bewohner im Frühjahr selbst gestalten. Auch der Heizungsraum wurde in Eigenregie umgebaut.

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