Kabarett

Fritz Eckenga bietet Satire vor vollem Haus

Gestenreich unterhielt  Autor Fritz Eckenga beim literarischen Herbstsein Publikumk in der Stadtteilbücherei Langendreer.

Gestenreich unterhielt Autor Fritz Eckenga beim literarischen Herbstsein Publikumk in der Stadtteilbücherei Langendreer.

Foto: Joachim Hänisch

Langendreer.   Auftritt des Kabarettisten in der Stadtbücherei Langendreer im Rahmendes Literarischen Herbsts. Präzise Alltagsbeobachtungen.

„Ausgebucht“ steht am Eingang der Bücherei. 200 angemeldete Besucher sind gekommen, um den witzigen Launigkeiten Fritz Eckengas zu lauschen. Der kommt – Jeans, Lederjacke, bequemes Schuhwerk – um 18.40 Uhr überpünktlich. Unter dem Arm ein Koffer mit Exemplaren seines neuen Buchs „Draußen rauchen ist Mord am ungeborenen Baum“. Auch daraus wird er an diesem Abend lesen.

Er sieht jünger aus als 62

Es ist für den 62-Jährigen (der viel jünger aussieht) eine Rückkehr in die Heimat. Fast. „Langendreer 04 war für uns von Vorwärts Werne kein Gegner“, sagt er spitzbübisch. Aber weit entfernt hat er sich ja nicht. Er wohnt seit vielen Jahren in Dortmund, ist bekennender BVB-Fan.

Weit entfernt von seinen Anfängen als Kabarettist hat er sich inzwischen. Ganz einfach: Fritz Eckenga wird immer besser. Die Hose des schrulligen „Bademeisters“ hat er längst abgestreift. Heute kleidet er seinen lakonischen Humor in präzise Alltagsbeobachtungen, die er mitunter ironisch bricht.

Zum Beispiel beim Thema Integration. Seinen Sprachtest hat er mit Angebervokabular gemeistert: „Interkulturelle Kernkompetenz“ ist einfach nicht zu toppen. „So werde ich zum Glück nicht nach Lütgendortmund abgeschoben.“

Diese Begabung schiebt er auch seiner Figur Ömer unter. Der Deutsche mit relativ frischen ostanatolischen Wurzeln unterhält sich mit seinem Freund Erwin, der seinerseits welke polnische Wurzeln hat. Ömer, gerade aus dem VHS-Kurs kommend, sagt: „Ich habe jetzt interkulturelle Kompetenz.“ Erwin entgegnet: „Warsse schon beim Arzt?“

Eckenga liest Texte aus seinem aktuellen Buch (Edition Tiamat), trägt frei Gedichte und Limericks vor, schöpft aber nicht nur aus seinem Fundus, sondern zeigt mit aktuellen Bezügen, dass ihm eigentlich jedes Thema zur launigen, etwas schrägen, humorigen Wendung gereicht. So habe sich Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR und seit vielen Jahren „Mister Wahl“, bei der Probe zur Prognose mit seinen Armwedeleien eine Sehnenscheidenentzündung eingefangen.

Wieder beim Thema Einwanderung

Und dann ist Eckenga wieder beim Thema Einwanderung – mehr oder weniger. In Anspielung auf das Gezerre um die „Obergrenze“, zieht er einen Vergleich. Bayern-Trainer Ancelotti wurde nach zwei Niederlagen in sein Heimatland abgeschoben, jetzt macht der 72-jährige Jupp Heynckes den Job: „Niemand hat die Absicht, eine Opa-Grenze zu errichten.“ Dass ein Verbrecher wie Walter Ulbricht mal für einen ziemlich guten Gag gut sein würde, hätte man vielleicht auch nicht gedacht.

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