Unterwegs

Foto-Tour bald zum letzten Mal auf der Bahnlinie 310

Bitte recht freundlich: Der Triebwagen 620 bei der Fototour mitten im Grünen im Papenholz.

Bitte recht freundlich: Der Triebwagen 620 bei der Fototour mitten im Grünen im Papenholz.

Foto: Bastian Haumann

Langendreer.   Die Verkehrshistorische AG der Bogestra startete mit Straßenbahn-Fans in Richtung Kaltehardt und Papenholz. Diese Strecke ist bald Geschichte.

Es kommt Geschichte auf die Straße an einer Stelle, die bald auch schon Geschichte wird: Mit der Straßenbahn auf dem Abzweig über die Baroper Straße, über die Brücke am Honnengraben und durchs Papenholz zum Crengeldanz. Gefahren wird die Strecke mit einem „Triebwagen 620“, den die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft der Bogestra auch heute noch ausleiht für Fahrschulzwecke. Heute ist eine der

letzten Foto-Touren mit dem ungewöhnlichen Wagen aus den 70er Jahren.

Mit modernen Wagen wäre kein Durchkommen

Mit den modernen, langen Wagen wäre hier kein Durchkommen bei den engen Kehren durch den Wald an der Stadtgrenze zu Witten. Weil außerdem das große Ziel des Nahverkehrsunternehmens ist, flächendeckend im Niederflurbetrieb und barrierefrei unterwegs zu sein, ist hier ein Zeitstempel. Der 15. Dezember 2019, wenn der neue Nahverkehrsplan in Kraft tritt, markiert das Ende für den Linienbetrieb auf diesem Teilstück.

In den 70er Jahren als Provisorium geplant

Das war in den 1970er Jahren ohnehin nur als Provisorium geplant und gebaut, alles im Sog des Wandels durch den Bau der Autobahnen im Bochumer Osten, der Universitätsstraße und der neuen und vierspurigen Wittener Straße.

Den Anschluss bis zum Crengeldanz werden erst einmal Busse übernehmen, im September 2020 soll dann der „Durchstich“ über die Hauptstraße in die Nachbarstadt erfolgen.

Einzeltische mit Aschenbecher

Das haben die Straßenbahnfans, die heute hier auf Foto-Tour unterwegs sind, zwar im Hinterkopf, aber richtig im Auge vor allem den Wagen. Nur eine Tür je Fahrtrichtung hat der 620er, Einzeltische, sogar mit Aschenbecher, und die Schilder für die Streckenziele muss der Fahrer noch oben hinter einer Klappe über seinem minimal ausgestatteten Platz umstecken.

An besonderen Stellen der Strecke, ob vor dem ehemaligen Opel-Werk, in der Wittener Fußgängerzone oder vor allem auf der Brücke Honnengraben und dann im Papenholz-Dickicht, mit Blick auf den regulären Fahrplan der Kollegen, kann immer wieder einmal ein Foto-Stopp eingelegt werden. Es gilt, Ausweichstellen zu berücksichtigen und vor allem auch den Betrieb in derselben Richtung nicht aufzuhalten. „Überholen“ können die Triebwagen nur an einigen Stellen.

Der Fahrer baut Orgeln

Die Tour zwischen Höntrop und Heven-Dorf ist sicher eine der interessantesten Strecken der Umgebung. Weshalb auch auf die Kulisse für die unzähligen Fotos dieses Vormittages geachtet wird. „Der Bauer hat dieses Jahr keinen Raps gepflanzt, da ist nur Wiese“, bedauert Andreas Westerwich, einer der Fahrer auf der Nostalgie-Fahrt.

Eigentlich ist er Orgelbauer, arbeitet als Lehrer, und schätzt die aufs Wesentliche reduzierte Technik des „einzigartigen Wagens“. Wie die weiteren Mitstreiter der inzwischen über 100 Köpfe zählenden Historien-AG hat ihn „irgendwann das Virus gepackt.“

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