Kleinkunst

Einfach Bock auf Clown

Lotti ist frustriert: Ihr Freund hat sie verlassen. Und niemand mag mit der Torte nach ihr werfen. Clowns haben’s auch nicht leicht.Foto:Thomas Schild

Lotti ist frustriert: Ihr Freund hat sie verlassen. Und niemand mag mit der Torte nach ihr werfen. Clowns haben’s auch nicht leicht.Foto:Thomas Schild

Foto: WAZ FotoPool

Langendreer.   Auf der offenen Bühne des Figurentheater-Netzwerkes FRIDA kommen unterschiedliche Hobbykünstler zusammen, um das Publikum zu amüsieren

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Zu einer offenen Bühne hatte am Wochenende das Figurentheater-Netzwerk FRIDA eingeladen. Clowns, Schauspieler, Komiker, Figurenspieler und Märchenerzähler folgten dem Aufruf in das Figurentheater-Kolleg in Langendreer. Dort präsentierten sie unterschiedliche Szenen und brachten so das Publikum zum Staunen, Lachen und Nachdenken.

Den Auftakt zu „aus dem off8“ macht Clownin Lotti. Lotti ist traurig und wütend, weil sie von ihrem Freund verlassen wurde. Mit eindrucksvoller Mimik, unterstützt durch Gitarre und Saxophon, lässt Lotti ihren Gefühlen freien Lauf und zieht so die Zuschauer auf ihre Seite. Für den anschließenden Tortenwurf findet sich trotzdem kein Freiwilliger. Lotti heißt im wahren Leben Kristina Mohr und ist Psychologin. Auf der Suche nach einer therapeutischen Zusatzausbildung stieß sie auf einen „Clown-Workshop“.

Sie erzählt: „Darauf hatte ich einfach Bock. Ich verspürte den Drang etwas Unkonventionelles zu tun und alles über Bord zu werfen.“ Als Clown ist sie hauptberuflich unterwegs in Kindergärten, bietet Workshops an, bildet andere Clowns aus. Immer mit dabei: ihr Saxophon. „Das Bauchgefühl steht im Vordergrund, die Magie der ,Anderswelt’, das Kindernahe“, beschreibt Mohr die Faszination, ein Clown zu sein.

Gruselige Maske

Auf Lotti folgt am Samstagabend eine tanzende Maskenspielerin. Die Maske, so raunt es ein Zuschauer, sei „gruselig“. Die Musik hingegen ist sphärisch, die Bewegungen fließend. Die Künstlerin, Christiane Borenhak ist eigentlich Altenpflegerin, dort kam ihr auch die Idee zur Performance: „Es geht die Kunst der Bewegungswahrnehmung. Es geht um Bewegungsfähigkeit, den Wunsch nach Selbstbestimmung. Leben ist Bewegung und Bewegung ist Leben“.

Lustig: der räuberische Mantel

Große Lacher an diesem Abend bei Philipp Steimels Szene „Vom Räuberischen Mantel“. Die Idee ist einfach, die Umsetzung genial und witzig: Ein Dieb klaut aus den Jackentaschen eines Mantels unbemerkt und geschickt Wertsachen. Nur hat der Dieb die Rechnung ohne den Mantel gemacht. Dieser wehrt sich nämlich zur Überraschung des Diebes, zückt die Pistole und fordert alles wieder zurück. Der Dieb gehorcht brav und nimmt dann aus Angst vor dem gefährlichen Mantel Reißaus.

Suche nach der Tugend „Eigensinn“

Tiefsinniger ist die Darbietung von Petra Boos mit dem Titel „Die Frage der Fragen“. Boos begibt sich auf die Suche nach der Tugend „Eigensinn“. Über eine Dose mit bunten Knöpfen gebeugt philosophiert sie: „Alles hat einen Sinn, Eigensinn. Ist das gefährlich für eine Gesellschaft?“ Man merkt, dass sie „mit Herzblut dabei“ ist. Sie erzählt: „Ich finde es toll, Objekte und Materialien zu bewegen, damit Geschichten zu erzählen, Naturbelassenes in einen anderen Kontext zu stellen“.

Es muss nicht perfekt sein

Dann erklärt Mitorganisatorin Boos die Idee der „offenen Bühne“: „Es geht um Austausch und Erfahrung. Es muss noch nicht perfekt sein. Open Stage bietet den Rahmen, um sich auszuprobieren.“ Und so ist es tatsächlich. Es wird viel experimentiert. Der Abend im Figurentheater ist vielseitig und bunt.

Info: Das Figurentheater-Netzwerk FRIDA zählt vier Mitglieder (drei Figurenspieler, eine Märchenerzählerin), die sich bei Kursen im Figurentheater-Kolleg kennengelernt haben.

Open Stage findet zwei Mal im Jahr statt und ist offen für alle. Nähere Informationen: figurentheaterstammtisch@gmx.de; info@figurentheater-kolleg.de.

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