Wohnungsbau

Bochum: Neubaugebiet am Schloßpark soll kleiner werden

Anwohner der Schloßstraße in Bochum-Weitmar sind in Sorge: Das geplante Neubaugebiet genau vor ihrer Nase sei zu groß. Und der zusätzliche Verkehr sorge an der Kreuzung Hattinger Straße für noch mehr Chaos, als es dort jetzt schon gibt.

Anwohner der Schloßstraße in Bochum-Weitmar sind in Sorge: Das geplante Neubaugebiet genau vor ihrer Nase sei zu groß. Und der zusätzliche Verkehr sorge an der Kreuzung Hattinger Straße für noch mehr Chaos, als es dort jetzt schon gibt.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Weitmar.  Am Schloßpark und auf Teilen des Friedhofs in Bochum-Weitmar soll ein Neubaugebiet entstehen. Die Politik hat aber noch einige Änderungswünsche.

Dass bei ihnen nebenan ein großes Neubaugebiet geplant ist, haben die Anwohner der Schloßstraße in Bochum-Weitmar nur durch Zufall erfahren. „Zwar gab es vorher schon Gerüchte“, sagt eine Frau, „aber Konkretes wissen wir erst seit Mittwoch.“ An diesem Tag, an dem auch die Bezirksvertretung Südwest über dieses Projekt beriet, lagen Informationen zum Bebauungsplan 964 im Briefkasten. Von wem auch immer dort eingeworfen. Demnach sind auf dem Acker neben dem Schloßpark und in Randbereichen des Friedhofs insgesamt 270 neue Wohnungen geplant. Zu viel, finden nicht nur die Anwohner, sondern auch die Lokalpolitiker.

Bochumer Politiker nicken Neubaugebiet in Weitmar nur unter strengen Auflagen ab

Generell stehen die Mitglieder der Bezirksvertretung Südwest dem Neubaugebiet positiv gegenüber. Der aktuelle städtebauliche Entwurf wurde dementsprechend auch mit breiter Mehrheit als Grundlage für den Bebauungsplan 964 freigegeben. Allerdings mit einigen Auflagen, die vor allem die Anzahl der Wohnungen betreffen. 50 weniger sollen es sein. Mindestens.

Im November war eine erste Planung für das Neubaugebiet an der Schloßstraße in der Bezirksvertretung Südwest noch durchgefallen. „Das sah aus wie eine Trabantenstadt“, erinnert sich Bezirksbürgermeister Marc Gräf (SPD), der sich kurz darauf in einem Workshop in die weitere Planung einbrachte. Anschließend habe man sich zweimal im Bezirksältestenrat „intensiv mit dem Thema beschäftigt.“

„Wir haben einige Änderungen vorgenommen und beispielsweise auch ganze Etagen aus der Planung gestrichen“, berichtet Marc Gräf von den Treffen, an deren Ende eine deutlich abgespeckte Form der ursprünglichen Planung steht. „Setzt man unsere Änderungswünsche um, müssten es 50 Wohnungen weniger sein. Und von uns aus auch gerne noch weniger“, sagt Gräf, der aber auch darauf verweist, dass sich das Ganze am Ende noch für den Investor lohnen muss.

Investor hat auch schon den Bahnhof Weitmar entwickelt

Entwickeln wird das Neubaugebiet die Essener Eckehard Adams Wohnungsbau GmbH, die auch schon das Quartier am Bahnhof Weitmar hochgezogen hat. Die ursprüngliche Planung von 2014 hatte sich im Laufe der Jahre erheblich geändert. Die Ackerfläche befindet sich im Besitz der Stiftung „Situation Kunst“ der Ruhr-Universität und sollte eigentlich unter wissenschaftlich-künstlerischen Gesichtspunkten bebaut werden.

Da die Ruhr-Universität aber mit dem Campus und den „Außenstellen“ in der Innenstadt und auf Mark 51/7 künftig bestens aufgestellt ist, ist ein vierter Standort in Weitmar nicht mehr nötig. Da die Stiftung ihre Kunst-Landschaft im benachbarten Schloßpark finanzieren muss und zugleich in Bochum dringender Bedarf nach weiterem Wohnraum besteht, wurde auf reinen Wohnungsbau umgeschwenkt.

Die Stadt beteiligt sich und schießt Teile des angrenzenden Friedhofs dem Neubaugebiet hinzu. So werden die Trauerhalle und der Betriebshof abgerissen, um Platz für neue Wohnhäuser zu machen.

Der aktuelle Rahmenplan sieht wie folgt aus: Das neue Quartier wird über die Schloßstraße erschlossen. Den Ausbau übernimmt und finanziert der Investor. Auf Höhe der jetzigen Trauerhalle wird ein öffentlicher Platz angelegt. Zwei fünfgeschossige Wohntürme sollen dort das „Tor“ zum Park markieren. Die übrigen Gebäude sind drei- bis viergeschossig und bekommen begrünte Dächer.

Allee soll größtenteils erhalten bleiben

Die Allee im nördlichen Teil bleibt erhalten. Weiter südlich soll durch Neupflanzungen nach dem Ausbau der Straße der Allee-Charakter wieder hergestellt werden. Das Wohngebiet erhält eine verkehrsberuhigte Ringstraße.

Angegliedert an das Neubaugebiet wird ein Kindergarten mit vier Gruppen. Parkplätze für die Kita (acht Stellplätze) sowie Besucher des Friedhofs, des Schloßparks (zusammen 29) und des Quartiers (33) werden vor dem „Tor“ angelegt. Das Wohnquartier erhält Tiefgaragen, so dass die Oberfläche möglichst grün gestaltet werden, inklusive Wasserläufen für die Abführung des Regenwassers.

Wichtig ist den Bezirksvertretern nicht nur eine Reduzierung der Wohneinheiten. Sie legen auch großen Wert auf ausreichend öffentlich geförderten Wohnungsbau, der mit dem übrigen Wohnungsangebot einen guten Mix ergeben soll. Zudem sollen die Gebäude sich optisch unterscheiden. Und: Bei der weiteren Gestaltung der Gebäude und Außenflächen sollen mindestens drei Architekturbüros bzw. Fachplaner eingebunden werden.

Verkehrssituation soll „intensiv betrachtet“ werden

Die Sorge der Anwohner, dass es mit mehr Bewohnern und somit mehr Verkehr an der Einmündung zur Hattinger Straße zu Problemen kommen wird, kann Bezirksbürgermeister Marc Gräf nachvollziehen. „Die Verkehrsbetrachtung muss im Bebauungsplanverfahren entsprechend intensiv geschehen.“

Die Geschosshöhe der beiden Wohntürme hält Gräf indes für nicht diskutabel. „So kommt ein Aufzug hinein und die Wohnungen sind barrierefrei.“ Außerdem lägen die beiden „Türme“ ziemlich weit unterhalb der Hattinger Straße und würden die Gesamtoptik der Ecke nicht verschandeln.

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