Schimmelakten

Bochum muss 6400 Schimmelakten säubern und aufbereiten

So oder so ähnlich sieht es in einigen Aktenkellern der Stadt Bochum aus (Symbolbild). 6400 verschimmelte Akten müssen aufbereitet werden.

So oder so ähnlich sieht es in einigen Aktenkellern der Stadt Bochum aus (Symbolbild). 6400 verschimmelte Akten müssen aufbereitet werden.

Foto: Jürgen Kortmann

Bochum.  Die Stadt Bochum hat ein Schimmelproblem. 6400 Schimmelakten müssen gereinigt werden. Bis Ende 2021 soll das geschehen sein.

Akten über Immobilien, über Leistungsbezieher, über Führerscheininhaber. Vieles, was in den vergangen Monaten und Jahren in den Kellern von Rathaus und verschiedene Verwaltungsgebäuden hätte eingesehen werden müssen, war buchstäblich nicht greifbar. Die Stadt Bochum hat ein Schimmelproblem.

Insgesamt 6400 Akten müssen gereinigt und digitalisiert werden. Das ist das Ergebnis einer langwierigen Bestandsaufnahme, die 2015 begonnen hat. 40 verdächtige Räume an 14 unterschiedlichen Stellen wurden nach Auskunft der Stadt als potenzielle Aufenthaltsorte von sogenannten Schimmelakten identifiziert. Allein im Keller des Rathauses, so eine Schätzung, reihten sich kontaminierte Akten von drei Kilometern Länge aneinander. Sie alle wurden, so Stadtsprecher Thomas Sprenger, hinsichtlich ihrer Aufbewahrungsfristen und ihrer Archivwürdigkeit bewertet. Die Begutachtung habe am Ende ergeben, dass Akten in sechs unterschiedlichen Räumen und Orten gereinigt werden müssen.

Reinigung hat bislang 180.000 Euro gekostet

Und das ist ein teures Unterfangen. Gereinigt und/oder gescannt wurden bislang 2750 der etwa 6400 Akten. Das hat 180.000 Euro gekostet. Bis Ende 2021 sollen auch die restlichen Unterlagen wiederhergestellt sein.

Die Vorgehensweise ist unterschiedlich: Führerscheinakten wurden „ungereinigt gescannt und anschließend fachgerecht vernichtet“, wie es heißt. Acta Specialia – alte Bauakten – wurde feingereinigt und anschließend in einem speziellen Bereich des Zentralarchives im Technischen Rathaus eingelagert. Die als archivwürdig eingestuften Personalakten werden derzeit ausgesondert, feingereinigt und an das Archiv übergeben. Die nicht vom Archiv angeforderten Akten werden nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen fachgerecht vernichtet.

Keine Akte verloren gegangen

Die Stadt hatte Ende 2015 eigens weitere Räume in der Aral-Immobilie an der Wittener Straße angemietet. Auf 2500 Quadratmetern sollten dort städtische Unterlagen archiviert und gelagert werden.

Verloren gegangen ist nach Auskunft der Stadt bislang keine einzige Unterlage. Der Zugang zu den noch nicht gereinigten Akten ist weiterhin stark eingeschränkt. „Die noch zu behandelnden Akten befinden sich an ihren bisherigen Lagerorten. Die betroffenen Räume sind grundsätzlich gesperrt und dürfen nur im Einzelfall kurzzeitig und mit geeigneter Schutzkleidung betreten werden. Nach der Reinigung werden die Akten in geeignete Lagerräume gebracht“, sagt Stadtsprecher Sprenger.

Streit um Aktenzugang

Der begrenzte oder gar nicht erlaubte Zugang zu Aktenkellern hatte in den Vergangenheit mehrfach vor allem bei Rechtsstreitigkeiten zum Ärger zwischen Stadt und Bochumer Bürgern geführt. 14 Anwohner der Straße „Auf der Prinz“ in Harpen wehren sich gerichtlich gegen die Zahlung von Erschließungsgebühren. Und: Sie werfen der Verwaltung vor, wichtige, aus ihrer Sicht nur vermeintlich verschimmelte Akten nur zögerlich zur Verfügung gestellt zu haben. So hätten wichtige Beweise im Prozess vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gefehlt. Mit den nun zur Verfügung stehen „Schimmelakten“ wollen sie in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Münster ihre Haltung untermauern.

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