Ehrenfeld

Bochum: Musik und Poesie locken in Geigenwerkstatt

Lukas Kehnen, Geigenbaumeister, und Verena Liebers, Schriftstellerin, kommen mit ihrer Idee „Musik und Poesie zum Feierabend“ samt Besichtigung der Geigenwerkstatt bei Besuchern gut an.

Lukas Kehnen, Geigenbaumeister, und Verena Liebers, Schriftstellerin, kommen mit ihrer Idee „Musik und Poesie zum Feierabend“ samt Besichtigung der Geigenwerkstatt bei Besuchern gut an.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Ehrenfeld.  Geigenbauer und Schriftstellerin sind mit ihrem neuen Kulturangebot auf Anhieb erfolgreich. Besucher besichtigen die Werkstatt in Bochum.

Der Andrang auf die Geigenwerkstatt von Lukas Kehnen im Bochumer Ehrenfeld ist groß an diesem Donnerstagabend. Dicht gedrängt stehen die Besucher vor der Künstlergruppe um Verena Liebers und warten auf die Premiere von „Geige und Gedicht zum Feierabend“.

Eine halbe Stunde lang trägt die Gruppe VIGLi eigene Gedichte vor, die von melancholischen bis rockigen Geigen- und Gitarrenmelodien untermalt werden. Mit dem Konzept der Wanderbühne tritt die Gruppe regelmäßig an wechselnden Orten auf. In der Geigenwerkstatt spielen sie zum ersten Mal.

Verena Liebers wohnt in der Nachbarschaft und fragte Geigenbaumeister Lukas Kehnen, ob er nicht Lust habe, die Veranstaltung in seiner Werkstatt auszurichten. Kehnen ist Bochums einziger Geigenbauer und ist erst im September 2018 ins Ehrenfeld gezogen. Ursprünglich kommt er aus Minden, seine Meisterprüfung legte er in München ab. Er entschied sich bewusst dafür, nach Bochum zu gehen.

Vom Ruhrgebiet fasziniert

„Das Ruhrgebiet hat mich schon immer fasziniert und ich fühle mich sehr wohl hier“, resümiert Kehnen, Bochums einziger Geigenbauer. Von der Idee seiner Nachbarin sei er sofort begeistert gewesen, und so stellt er nicht nur seine Werkstatt für die Veranstaltung zur Verfügung, sondern spielt auch selbst auf seiner Geige mit.

„Wir wollten ein leichtes unverbindliches Angebot fürs Ehrenfeld schaffen“, erklärt Verena Liebers. Das Konzept scheint aufzugehen. Die meisten Besucher kommen aus dem Ehrenfeld oder den angrenzenden Stadtteilen. Viele reizt vor allem die Gelegenheit, die Geigenwerkstatt zu besuchen. Die Mischung aus Musik und Poesie kommt bei den Besuchern gut an.

„Wie Pantoffelkino“

„Der Auftritt war sehr lebhaft und es war toll, so nah dran sein zu können“, erzählt Besucherin Angelika Böckmann begeistert. „Es war wie ein Pantoffelkino!“, ergänzt ihr Mann. Acht Gedichte trägt Verena Liebers in der halben Stunde gemeinsam mit Stephan Schlösser in einer szenischen Lesung vor. Wie ein Echo wiederholen sie die Zeilen des anderen. Sie nutzen bunte Tücher und Hüte als Requisiten. Die Gedichte tragen Titel wie „Farbenfroh“ oder „Luftikus“. Aufbruchsstimmung und das Ende des Winters ziehen sich als Motive durch den Abend.

Die Reihe „Geige und Gedicht zum Feierabend“ solle die aktuelle Jahreszeit widerspiegeln, so Liebers. Untermalt wird der Vortrag von den Hobby-Musikern Lutz Kunert und Bernd Schmidt. Orientalische Lauten-Klänge treffen auf rockige Gitarrenakkorde und auf die sanften Geigenklänge von Lukas Kehnen. Mal folgen auf die Gedichte lange Melodien, mal nur einzelne Töne oder Geräusche zwischen den Worten. Zum Abschluss vermischen sich Wortfetzen aus allen Gedichten und bereits gehörte Melodien.

Zuhörer sind begeistert

Die Zuhörer applaudieren begeistert. Eine ältere Dame steht in der gelösten Stimmung auf und trägt selbst ein Gedicht vor. Verena Liebers und Lukas Kehnen sind überwältigt von der Resonanz.

Sie wollen die Reihe unbedingt fortführen. Zunächst sind zwei weitere Auftritte angesetzt. Die nächste Veranstaltung soll im Sommer stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest.

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