Wohnen

Bochum: Mieter der Alsenstraße sind entsetzt über Kahlschlag

Der Gemeinschaftsgarten hinter der Alsenstraße in Bochum nach der großflächigen Rodung: Vom Grün ist nicht mehr viel geblieben.

Der Gemeinschaftsgarten hinter der Alsenstraße in Bochum nach der großflächigen Rodung: Vom Grün ist nicht mehr viel geblieben.

Foto: Alexa Kuszlik / FFS

Bochum.  Hinter den Häusern lag über viele Jahre ein großer Garten. Doch dieser wurde jetzt abgeholzt. Laut LEG war die „Bearbeitung“ notwendig.

Als Dienstagfrüh die Bagger auf einem Hinterhof an der Alsenstraße in Bochum anrückten, hat sich Anwohnerin Theresa Voll nichts Böses dabei gedacht. Seit etwa einem Jahr wohnt sie dort in einer Wohnung der LEG-Immobilien-Gruppe zur Miete und fühlt sich eigentlich richtig wohl. „Die Nachbarn sind nett, die zentrale Lage direkt hinter dem Hauptbahnhof ist super“, erzählt sie.

Ein Hauptgrund für ihren Umzug sei aber der Garten gewesen, der „wie eine kleine Idylle“ hinter der langen Reihe von Häusern entlang läuft und einiges zum Wohlbefinden der Anwohner beitrage. „Das ist ein großer, parkähnlich angelegter Garten mit vielen Bäumen und großflächiger Bepflanzung“, lobt auch ihre Nachbarin Lisa Francke das wohlgeratene Fleckchen Grün mitten in der Stadt.

Den Nachbarn standen die Tränen in den Augen

Doch damit ist jetzt Schluss: Als Theresa Voll am Dienstagabend nach Hause kam, traute sie ihren Augen nicht. Die Bagger hatten ganze Arbeit geleistet. Der Garten: gerodet. Die Bäume: abgeholzt. Die Pflanzen: rausgerissen.

„Der komplette Baumbestand von Pappeln, Birken und Tannen und sämtliche Sträucher und Gebüsche wurden radikal entfernt“, sagt Lisa Francke. Am Abend habe eine Gruppe von Nachbarn im Garten gestanden, der jetzt einer Mondlandschaft gleicht – komplett fassungslos, einige hätten geweint.

„Mir standen auch die Tränen in den Augen“, erzählt Martina Mittelstädt, die gemeinsam mit ihrem Mann Manfred seit 34 Jahren an der Alsenstraße wohnt. „Was hier passiert ist, das ist eine absolute Katastrophe“, sagt sie. „Unser Garten war ein vollkommen intaktes, ökologisches System. Jetzt suchen die Igel ihre Heimat, auch die Eichhörnchen irren umher.“ Es habe „mindestens 30 bis 40 Jahre“ gebraucht, bis der Garten zu dem geworden sei, was er bis diese Woche war. „Jetzt blicken wir auf das Gebäude der Versicherung hinter dem Haus statt ins Grün. Und wir hören jeden Zug vom Bahnhof.“

Auch das Vogelhäuschen musste dran glauben

Besonders ärgern sich die Nachbarn darüber, dass niemand zuvor über den Kahlschlag informiert worden sei. „Von der LEG kam gar nichts“, kritisiert Mittelstädt. Dies sei bereits seit Jahren so: „Man fühlt sich absolut machtlos als Mieter“, sagt auch Theresa Voll. Der Garten sei jahrelang wild gewachsen, ohne dass von der LEG groß eingegriffen worden wäre. „Wenn man das schön gepflegt hätte, wäre die plötzliche Rodung doch gar nicht nötig gewesen“, sagt Mittelstädt. „Doch die LEG hat sich nie um etwas gekümmert, außer mal den Rasen zu mähen.“

Ärgerlich zudem: Viele Nachbarn hätten selbst Hand angelegt, um ihren Garten in Schuss zu halten. Von einem Vogelhäuschen ist die Rede, das jetzt abmontiert worden sei. „Wir haben selber kleine Hecken gepflanzt, die alle rausgerissen worden sind“, sagt Mittelstädt.

LEG sieht „Bearbeitung der Fläche“ als notwendig

Die LEG erklärt auf Anfrage, dass man es bedauere, „wenn Mieter mit unserem Service nicht zufrieden sind“. Allerdings sei eine „Bearbeitung der Fläche“ notwendig geworden: „Die Fläche war mit Efeu, Schilf und Brombeersträuchern bewachsen.“ Zudem stünden Bäume auf einer Hangkuppe: „Dahinter geht es rund drei bis dreieinhalb Meter in die Tiefe. Die Bäume und Sträucher dort waren in die Zaunanlage eingewachsen, die den Hang sichert.“ Immerhin: „Den Mietern entstehen für diese Arbeiten keine Kosten.“

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