Bochum historisch

Bochum historisch: Gerberviertel war eine Schmuddelecke

Blick auf die Gerberstraße 1962. Ungeregelter Verkehr und schäbige Fassaden boten einen Anblick, der sich bis in die 1980er Jahre hinein kaum veränderte.

Blick auf die Gerberstraße 1962. Ungeregelter Verkehr und schäbige Fassaden boten einen Anblick, der sich bis in die 1980er Jahre hinein kaum veränderte.

Foto: Peter Rauwerda

Bochum-Altstadt.  Das Gerberviertel zählt zu den ältesten in Bochum. Lange war die Gegend an der Propstei eine Schmuddelecke. Einst standen hier Fachwerkhäuser.

Das Gerberviertel liegt mitten in Bochum, und doch liegt es im Abseits. Vis-à-vis der Propsteikirche erstreckt sich die Fläche zwischen Brückstraße und Nordring, doch wenn man nicht gezielt dort hin muss, geht man am Gerberviertel vorbei. Es liegt nicht „auf dem Weg“, bestenfalls liegt es „am Weg“. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Fachwerkhäuschen sind längst verschwunden

Einst umgab das Viertel, auch als „Karott“ bekannt“, eine Anmutung wie sie heute etwa die historische Hattinger Altstadt noch prägt. Die dicht stehenden, verwinkelte Fachwerkhäuschen sind hier, im Herzen Bochums, längst Geschichte. Die typische „Altstadt“, an die man bei dem Wort denken mag, existiert schon lange nicht mehr. Mit ihre ist auch das alte Gerberviertel verschwunden.

Wie man auf alten Zeichnungen und Fotografien sieht, waren die Beckstraße und die Gerberstraße ehedem enge Gassen. Auf der Kleinen Beckstraße, durch eine „Insel“ von der Großen getrennt, ging es beschaulich zu.

Unterwegs im „Malerwinkel“

Zwischen den Kriegen konnte man hier Schüler der Freiheit-vom-Stein-Schule und des Gymnasiums an sonnigen Tagen beim Zeichenunterricht zuschauen. Die Ecke galt als „Malerwinkel“, wie auch das Gerberviertel gleich nebenan mit seinen Fachwerk einen idyllische, wenn auch leicht abgerockten Anblick bot.

Die Kleine Beckstraße ist im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Krieg verschwunden. Hier erstrecken sich heute der Erweiterungsbau des St.-Elisabeth-Krankenhauses und die Schwesternheime. Die Gegend war im Bombenkrieg stark zerstört worden, allerdings hatten noch bis in die 1960er Jahre hinein einige der alten Gebäude überdauert. Die Wiederaufbauplanung aber hatte mit ihnen anderes vor, als den Erhalt. „Tabula rasa“ war angesagt, auch fürs Geberviertel.

Und doch geschah lange nicht. War die neue Innenstadt spätestens bis Mitte der 1970er Jahre voll entwickelt und attraktiv, fristete das Gerberviertel ein Schattendasein und galt, wie übrigens auch die Brückstraße, als Bochumer „Schmuddelecke“. Das rautenförmige Areal zwischen Gerber-, Große Beck- und Brückstraße siechte als unansehnliche Brache und Parkplatz dahin.

Bessere Anbindung wurde nicht erreicht

Erst zwischen 1986 und 1990 erfolgte schließlich die Komplettüberbauung mit einem zentralen, verglasten, offen gestalteten Wohn- und Geschäftszentrum; ein Entwurf, den die Architekten Karl Friedrich Gehse und Bernhard Kleine-Frauns bereits 1983 vorgelegt hatten und der das heutige Erscheinungsbild des Quartiers prägt.

Das Ziel einer besseren Anbindung des Gerberviertels an die Einkaufszonen der Innenstadt konnte indes nicht erreicht worden. Geschäfte gibt es hier kaum, das „Tauffenbach“ als Speise- und Tanzlokal ist lange zu, immerhin lohnt mit dem „Giuseppe“ – Inhaber sind die Signori Giuseppe Frascona und Giuseppe Vinelli – wieder ein guter Italiener den Restaurantbesuch.

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