Studie

Bochum hat in Sachen Smart City noch Luft nach oben

Die Bogestra-Handytickets sprechen für Bochum als Smart City. Allerdings gibt es auch noch etliche Defizite.

Die Bogestra-Handytickets sprechen für Bochum als Smart City. Allerdings gibt es auch noch etliche Defizite.

Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Bochum.  Bochum wähnt sich auf einem guten Weg zur Smart City, zur Stadt ausgeprägter Digitalisierung. Allerdings: So weit scheint sie noch nicht zu sein.

Bochum hat beste Chancen, eine der digitalen Zukunftsregionen in Europa zu werden – so das Institut der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr. Und: Als schnellste Stadt Deutschlands mit ultraschneller Internetverbindung für Jedermann macht sie Werbung in eigener Sache.

Tatsächlich hat sie in Sachen „Smart City“ aber offenbar noch reichlich Nachholbedarf. Das jedenfalls geht aus einer aktuellen Studie des Digitalverbandes Deutschlands „Bitkom“ hervor.

Zweitbeste Stadt im Ruhrgebiet

Während Dortmund im Ranking der 81 deutschen Großstädte immerhin den neunten Platz belegt und damit die smarteste Stadt im Ruhrgebiet ist, landet Bochum beim Smart City Index lediglich auf Rang 32 kurz vor Duisburg (33); immerhin als zweitbeste Kommune der Metropole Ruhrgebiet, aber eben auch weit weg von der Spitze.

48,8 von 100 möglichen Punkten hat Bochum im Gesamtklassement. Zum Vergleich: Spitzenreiter Hamburg kommt auf 79,5. Dortmund reiht sich mit 61,7 in der Spitze ein. Und auch in den meisten Teilbereichen ist Bochum nicht spitze: Die Verwaltung erhält 44,2 (Rang 58); Energie und Umwelt gar nur 26,5 (Rang 64), Mobilität 43,4 (Rang 42). Immerhin: In den Bereichen IT und Kommunikation 69,6 (Rang 18) und Gesellschaft 65,2 (Rang 9) sieht es gar nicht so schlecht aus.

Schlechtes Ergebnis für Energie und Umwelt

Auffällig ist das magere Ergebnis im Bereich Energie und Umwelt, in dem Parameter wie intelligente Straßenlaternen, City-Logistik, E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur, emissionsarme Busse, Photovoltaik, Beschaffung und Entsorgung von Elektrogeräten sowie weitere Pilotprojekte abgefragt werden. Denn: Eigentlich hat Bochum hier einiges zu bieten. Die Stadt hat angekündigt, als erste gemeinsam mit dem Energieunternehmen Innogy intelligente Straßeninfrastruktur, sogenannte „Smart Poles“, zu testen. „Damit setzen wir erste Bausteine auf dem Weg zur Smart City“, so Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) im Vorjahr. Bochum sei mit Gigabitcity, dem Gewerbegebiet Mark 51/7 und der Verzahnung von Wissenschaft und Technologie bereits jetzt Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Immerhin erhält sie für die intelligenten Straßenlaternen 50 Punkte im Ranking.

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bochum Damit nicht genug: Die Stadtwerke Bochum investieren auch auf dem Stadtgebiet in den Ausbau von grüner Energie und haben bislang 200 Ladepunkte eingerichtet. Stadtwerke-Chef Dietmar Spohn betont seit längerem, längst habe sich die Stadt-Tochter „vom reinen Energieanbieter zum Energiemanager“ entwickelt. „Wir bieten vielfältige Energiedienstleistungen und digitale Services an, als wichtige Bausteine einer smarten Energiewelt“, so Spohn. „Deshalb würde uns interessieren, woher die Daten für die Bitkom-Analyse kommen“, sagt Stadtwerke-Sprecher Christian Seger.

City-Logistik und Abfallkonzepte fehlen

Aus Sicht der Bitkom steht es vor allem in Sachen Smart Waste und City-Logistik (intelligente Abfallkonzepte, kurze und energiearme Wege des Handels) sowie bei der Beschaffung und Entsorgung von Elektrogeräten schlecht um Bochum. Für beides gibt es null Punkte.

Mager sieht es auch im Bereich Verwaltung bei den Kategorien City-App und weitere Pilotprojekte aus (beide null Punkte). Leer geht die Stadt bei intelligenten Ampeln, LoRAWAN (Niedrigenergie-Weitverkehrnetzwerk) und Bürgerbeteiligungsplattformen aus. Topwerte bekommt sie für ihr Geodatenportal, eine Handelsplattform, Handytickets und Echtzeitinformationen im ÖPNV (Bogestra) und Mobilfunk (jeweils 100 Punkte). Fast optimal werden Breitband (85) und öffentliches Wlan (95) gerankt.

Abstriche bei der Verwaltung

Teilweise ordentlich schneidet die Verwaltung ab. Es gibt relativ hohe Werte in den Punkten Social-Media-Präsenz (77,8), Online-Terminvergabe (66,7), Website und Kommunikations-Tools (96,3), allerdings auch Abstriche beim Online-Bürgerservice und dem bargeldlosen Bezahlen und E-Payment (25). Ergo: Es gibt noch Luft nach oben auf dem Weg zur Smart City.

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