Start-Ups

Bochum: Gründer setzen im urigen Firmenlabor ihre Ideen um

Gründer im Schrebergarten: Sechs Monate lang können sich die Inhaber von „Securious“, „influenced by“ und „Digifactura“ im Werk X ganz und gar darauf konzentrieren, ihre Produkte zur Marktreife zu bringen.

Gründer im Schrebergarten: Sechs Monate lang können sich die Inhaber von „Securious“, „influenced by“ und „Digifactura“ im Werk X ganz und gar darauf konzentrieren, ihre Produkte zur Marktreife zu bringen.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Beste Bedingungen für Gründer will die Bochum Wirtschaftsentwicklung mit dem Werk X schaffen. Start-ups arbeiten hier in ungewöhnlicher Umgebung.

Die vielleicht erfolgreichste Gründergeschichte der Neuzeit hat angeblich in einer Garage begonnen. Seither gehört zu der Vorstellung von einem vielversprechenden Start-up-Unternehmen immer ein ungewöhnlicher Ort – so wie Oma Krauses Wohnzimmer im Werk X an der Kortumstraße in Bochum.

Dunkle Schrankwand, Sesselgarnitur im senffarbenem Cord, an der Wand Öl-Schinken mit Bergpanorama. Hier, in einer 60er-Jahre-Umgebung, sollen Ideen über erfolgreiche Produkte des digitalen Zeitalters reifen? Was auf den ersten Blick geradezu absurd anmutet, erscheint auf den zweiten Blick durchaus sinnvoll. In der vierten Etage des Funkhauses, eines nach außen eher schmucklosen Geschäftshauses und Gebäudes der ehemaligen Fleischerei Funk, sollen Reize wirken, die es in einem eher schmucklosen Büro nicht gibt.

Andere Umgebung, anderes Denken

Andere Umgebung, anderes Denken. Nicht nur in Oma Krauses Wohnzimmer, sondern auch am Kicker-Tisch, im Bällchenbad, im Schrebergarten, in Saunaatmosphäre mit einem Poster vom urwüchsigen Bergbewohner aus der Ricola-Werbung an der Wand (Wer hat’s erfunden?) oder im Aquarium, dem Besprechungsraum hinter einer Glaswand. Kuriose Arbeitsbereiche, ersonnen von einem Requisiteur, der sonst für den Tatort arbeitet, wie Maurice Reinhardt verrät.

Er ist der Projektleiter von Werk X, dem Start-up-Inkubator der Bochum Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft. Junge Firmen dürfen sechs Monate lang die ungewöhnlichen Räume einer sogenannten Co-working-Area nutzen, bekommen fachliche Unterstützung und ein Stipendium in Höhe von 1500 Euro pro Monat für zwei Personen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. „So können sie sich voll und ganz darauf konzentrieren, ihre Start-up-Idee zur Marktreife zu bringen“, erklärt Maurice Reinhard. Dazu gehört etwa auch die Chance, das Produkt ausgiebig zu testen und über Umfragen seine Chancen zu ermitteln. Seine Aufgabe und die weiterer Gründerexperten ist klar definiert: „Wir verstehen uns als Coaches der Start-ups. Wir stellen viele Fragen, wir bringen unsere Erfahrung ein.“ Und sie schaffen den Rahmen für die letzte Phase des Markteintritts.

Ein anderer Arbeitsalltag

„Natürlich gibt es auch eher klassische Büroräume“, versichert der Projektleiter – und zeigt später in der dritten Etage die Arbeitsplätze mit Schreibtischen, PCs, aber auch mit Bäumen und Ruhrpott-Romantik. Die Andersartigkeit des Arbeitsalltags scheint zu fruchten. Die beiden ersten Werk-X-„Gäste“ haben den entscheidenden Schritt in den Markt unternommen. Und auch etablierte Unternehmen setzen auf den Effekt einer außergewöhnlichen Umgebung. Hauptmieter im Funkhaus ist die Innogy-Tochter Enervolution. Sie beschäftigt sich mit der digitalen Produktentwicklung für die Energiewirtschaft.

Anderes im Sinn haben die neuen Gäste im Werk X: „Securious“ hilft kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der automatisierten Ermittlung der IT-Sicherheit. „Influenced by“ vertreibt auf seiner Plattform Second-Hand-Mode von Influencern, um einen umweltbewussten Kreislauf in die Modewelt zu bringen. Und „Digifactura“ digitalisiert Kunst- und Kulturgut in deutschen Museen mithilfe von 3D-Scans. Drei Ideen, drei unterschiedliche Branchen, drei Hoffnungen auf wirtschaftlichen Erfolg.

Austausch über Branchen hinweg

Dass die Gründer aus völlig verschiedenen Bereichen kommen, ist gewollt und nach Einschätzung von Janis Heuer eine große Chance. Beim Gedankenaustausch untereinander und mit den Experten von der Wirtschaftsförderung sei das Potenzial, voneinander zu profitieren, besonders groß, sagt der Leiter des Bereichs „Gründung & Wachstum“ bei der Wirtschaftsentwicklung. Und es werde längst nicht nur gekickert. „Nachdem was ich so beobachte, ist die Arbeitsmoral sehr groß“, sagt Maurice Reinhard.

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