Jubiläumsfest

Bochum: Förderschule feiert mit Zirkus – Kinder proben viel

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In zwei Gruppen bereiten sich 20 Schüler der Janusz-Korczak-Schule auf die Zirkusshow vor. Insgesamt acht Zirkusnummern sollen das Publikum verblüffen.

In zwei Gruppen bereiten sich 20 Schüler der Janusz-Korczak-Schule auf die Zirkusshow vor. Insgesamt acht Zirkusnummern sollen das Publikum verblüffen.

Foto: Dirk A. Friedrich / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Janusz-Korczak-Schule in Bochum wird 50 Jahre. Dazu gibt es ein großes Jubiläumsfest. Kinder proben Zirkus-Kunststücke.

Die Lauftrommel hat es Yakup angetan. „Ich wollte es sofort lernen und jetzt ist es einfach!“, sagt der Schüler der Janusz-Korczak-Schule in Bochum. Gemeinsam mit seinen Mitschülern probt der Zehnjährige erstaunliche Zirkusnummern für das große Jubiläumsfest am 23. September zum 50-jährigen Bestehen der Schule.

Seit Februar dieses Jahres arbeitet die Förderschule mit Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ zusammen mit Zirkuspädagoge Jürgen Schoel. Die Schule wählte ihn aus, um Mittel des NRW-Landesprogramms „Ankommen und Aufholen nach Corona“ für die Schüler zu nutzen.

Kinder mit schweren Startbedingungen

„Es gibt auf der Schule Kinder mit wirklich schweren Startbedingungen. Die entwickeln hier Fähigkeiten, da geht mir das Herz auf“, sagt Schulleiterin Kornelia Althoff.

Zirkuspädagoge Schoel vom Wattenscheider Zirkus Pirella führte die Schüler in den letzten Monaten an die Jonglage, an Balance-Artistik und vor allem an das besondere Miteinander im Zirkus heran. „Im Zirkus findet jeder seinen Platz. Ohne die anderen geht es nicht“, so der 62-Jährige.

Artisten der Janusz-Korczak-Schule in Bochum werden das Publikum verblüffen

Die 20 talentiertesten Artisten der Schule starteten in die heiße Probenphase für den Auftritt beim Fest. Seit Februar üben die Schüler zweimal wöchentlich anderthalb Stunden. In der Woche vor dem Auftritt heißt es: Jeden Tag ran an die Räder, Hula-Hoops, Pois, Tücher oder „Flowersticks“. Denn in der Zirkusarena wollen die Artisten verblüffen. Nicht nur, weil die Kinder alle ein geistiges Handicap haben.

Kristina gelingt dieser Oha-Moment bereits bei den Proben in der Turnhalle. Die Achtjährige lässt vier oder sind es sogar fünf Hula-Hoop-Reifen gleichzeitig um ihre Hüften kreisen – und vergisst dabei das Lächeln nicht. „Wir sind wie die Profis!“, ruft Marvin begeistert und feuert Kristina an: „Zeig, was du kannst!“

Am anderen Ende der Halle schwingt ein Junge von großer Statur zwei Bänder zu farbigen Kreisen. Der Jugendliche sei aufgrund einer Autismus-Spektrum-Störung schwer zu integrieren, erläutert Schulleiterin Althoff. Doch hier ist er Teil des Zirkusteams. „Das Wichtigste dabei ist die Sozialkompetenz. Sie sehen ihre Aufgabe und lösen sie miteinander“, so Althoff weiter.

Kinder haben geistiges Handicap und trotz gleichen Alters unterschiedliche Fähigkeiten

Zirkuspädagoge Jürgen Schoel genießt die Freude der Kinder. Ein gutes Stück Arbeit ist getan: „Alleine der

Schritt, eine Präsentationshaltung einzunehmen: Du kommst, um mich zu sehen, weil ich etwas kann – wenn die Kinder das begriffen haben, ist viel geschafft“, sagt er. Im zurückliegenden Dreivierteljahr habe er den Kindern die nötige Zeit widmen können, so Schoel weiter. Denn mehr noch als in Regelschulen bringen die insgesamt 162 Kinder auf der Schule verschiedene Fähigkeiten mit.

Die kognitiven Einschränkungen, Verhaltensbesonderheiten und Diagnosen sind sehr individuell. Das sonderpädagogische Lehrerkollegium stellt sich auf jedes einzelne Kind ein. „Geht es zum Beispiel um das Thema Herbst, schreibt ein Schüler vielleicht erste Buchstaben, ein anderer liest ein Gedicht und der dritte in der Klasse raschelt nur mit den Händen im Laub“, erläutert Konrektor Andreas Engelsiepen.

Umso kostbarer erscheint der nahende Auftritt in der Zirkusshow, bei der 20 Kinder ihr eigenes Potenzial zum Leuchten bringen werden

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