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Bochum: Figurentheater-Forum beherbergt einmaligen Schatz

Experten in der weiten Welt des Figurenspiels: (v.l.) Mareike Gaubitz und Annette Dabs zeigen die neu eröffnete Fachbibliothek. Vorn eine Stabfigur von Yaya Couliably, dem berühmtesten Puppenspieler Malis.

Experten in der weiten Welt des Figurenspiels: (v.l.) Mareike Gaubitz und Annette Dabs zeigen die neu eröffnete Fachbibliothek. Vorn eine Stabfigur von Yaya Couliably, dem berühmtesten Puppenspieler Malis.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Im ersten Stock des ehemaligen Wasserturms findet sich eine einzigartige Sammlung aus der Welt des Puppenspiels. Die Bibliothek wächst ständig.

Wenn der größte Kasper der Welt vor dem Schauspielhaus zum Tänzchen bittet und skurrile Riesenfiguren eine ausgelassene Parade durch die Innenstadt veranstalten, dann weiß jeder: Die „Fidena“ ist wieder da! Das renommierte Figurentheaterfestival, das weit über die Grenzen Bochums bekannt ist, stieß zuletzt 2018 auf riesiges Interesse und dürfte auch bei der Neuauflage im kommenden Mai erneut für Furore sorgen.

Was indes nicht jeder weiß: Auch abseits des großen Fidena-Rummels wird beim Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst, das in einem ehemaligen Wasserturm an der Hattinger Straße 467 in Weitmar beheimatet ist, kräftig gearbeitet. Dabei hat vor allem das umfangreiche Dokumentationszentrum, das aus Bibiliothek, Mediathek und einem Archiv besteht, in den letzten Monaten einen großen Schritt nach vorn gemacht. „Was hier entstanden ist, das ist ein deutschlandweit einzigartiges Angebot“, sagt die Leiterin Annette Dabs nicht ohne Stolz.

Über 10.000 Fachbücher, Zeitschriften und DVDs

Eine Sammlung von über 10.000 Medien (von Bildbänden über Fachbücher, Zeitschriften bis zu DVDs) befindet sich in der ersten Etage des Forums und erzählt von der Geschichte des Figurentheaters und seinen facettenreichen Spielformen in aller Herren Länder. „Das ist ein echter Schatz, den wir hegen und pflegen“, meint Dabs. Und: Die Schatztruhe ist offen für jedermann. Nach vorheriger Anmeldung kann man gern einen Blick hinein werfen und wird fachkundig beraten. Der gemütliche Lesesessel steht bereit.

Längst bekommt das Forum Anfragen von Theaterwissenschaftlern, Doktoranden und Figurenspielern aus aller Welt, die sich für die Fachliteratur vor Ort interessieren. Stipendiaten waren schon aus Japan, Brasilien, Indien und halb Europa an der Hattinger Straße zu Besuch.

Neben der Sammlung wächst auch das Internet-Portal

Unter Federführung der Bibliothekarin Anthea Cebulla und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Mareike Gaubitz ist die Bibliothek in den letzten Monaten komplett umstrukturiert worden. Weil die Sammlung ständig wächst und die Regale schon drohten, aus allen Nähten zu platzen, wurden die Räume umgestaltet: Große Holzregale, die bis an die Decke reichen, bieten jetzt reichlich Platz.

„Daneben haben wir uns auch die Datenbank vorgenommen“, erzählt Mareike Gaubitz. Während das frühere System die ganze Bücherflotte lediglich nach Jahreszahlen ordnete, ist der Bestand mittlerweile thematisch und nach Ländern sortiert, was eine wesentlich unkompliziertere Benutzung erlaube. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen auf die Sammlung zugreifen können“, sagt Mareike Gaubitz.

Und das gilt für Interessierte überall auf der Welt: Übers eigene Internet-Portal kann die Fachliteratur „on demand“ (also auf Verlangen) bestellt und verschickt werden. Ein moderner Scanner hilft dem Team beim Ablichten der Texte. Probleme mit dem Urheberrecht gebe es bei den wissenschaftlichen Texten nicht, so Gaubitz: „Das macht jede Unibibliothek auch.“ Allerdings wird für dieser Service eine kleine Gebühr von 1,50 Euro pro Bestellung fällig.

Die Sammlung soll in den nächsten Jahren weiter wachsen. Kooperationen sind geplant mit der Bibliothek der Ruhr-Uni und der Stadtbücherei.

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