Marathonläufer

Bochum: Ex-Marathonläufer walkt auch mit 90 noch weiter

Nicht mehr joggend, dafür walkend: Der ehemalige Marathonläufer Herbert Dzierstak ist auch mit 90 Jahren noch in Bochumer Parks sportlich aktiv.

Nicht mehr joggend, dafür walkend: Der ehemalige Marathonläufer Herbert Dzierstak ist auch mit 90 Jahren noch in Bochumer Parks sportlich aktiv.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Hiltrop.  Hawaii, Kanada, Malta - Herbert Dzierstak ist weltweit Marathon gelaufen. Auch nach seinem 90. Geburtstag läuft er noch durch Parks in Bochum.

Wenn man ihn - natürlich erst in vielen Jahren, wie er hofft - einmal mit den Füßen zuerst aus dem Haus tragen muss, dann doch bitte in Laufschuhen. Denn das Laufen hat ohne Frage sein Leben bestimmt. ,, Ich kann einfach nicht aufhören“, sagt Herbert Dzierstak, der am kommenden Samstag (3.) 90 Jahre alt wird und über die Hälfte seines Lebens Langstrecken gelaufen ist. ,,Mit etwa 40 Jahren habe ich angefangen, ein Freund brachte mich im Urlaub an der Ostsee auf die Idee“, sagt Dzierstak.

So waren es anfänglich erst zwei oder drei Kilometer durch den Hiltroper Volkspark und Gysenbergpark, schnell wurden daraus aber 10 oder 20 Kilometer, schließlich lief Dzierstak Marathonlangstrecke - also 42,195 Kilometer. ,,Ich schätze, ich bin insgesamt mehr als 20 Marathon gelaufen“, sagt der Sportler. In Essen, Hamburg und Berlin, aber auch in Kanada, auf Hawaii und Malta ist der ehemalige Bergmann und spätere Qualitätsprüfer im Opelwerk an den Start gegangen. ,,Am liebsten erinnere ich mich an den Marathon in Honolulu. Die Landschaft hat es zu etwas ganz besonderem gemacht“, sagt D. Dutzende Urkunden, Medaillen und Pokale in seinem Gerther Zuhause erzählen davon.

Bestzeit bei 3:15 Stunden

,,3:15:22 war eine meiner Bestzeiten“, sagt Dzierstak, der sein hohes Alter auch der vielen Bewegung zuschreibt. Den offiziell anerkannten Weltrekord hält Eliud Kipchoge aus Kenia mit 2:01:39 Stunden - den lief er allerdings mit Anfang 30. Um auch im hohen Alter in seiner Altersklasse vorne mit dabei zu sein, fastete Dzierstak stets am dritten Tag vor dem Rennen, füllte danach seine Kohlenhydratspeicher in extremer Weise wieder auf und begnügte sich am Morgen des Laufes mit einem Brötchen mit Marmelade, einem Stück Schokolade und einer Tasse Tee.

Noch mit 65 brachte Dzierstak wöchentlich über 100 Kilometer auf den eigenen Tacho, den Ausstieg aus dem Leistungssport machte der Senior schließlich mit 70 - jedoch nicht freiwillig. ,,Durch eine Krankheit habe ich ein Jahr lang nicht mehr trainiert, das konnte ich nicht mehr aufholen“, bedauert Dzierstak. Einer seiner letzten Läufe war der 5000-Meter-Volkslauf um den Ümminger See, den er mit 23:25 Minuten abschloss - ohne Konkurrenz in seiner Altersklasse Senioren M70. Nach überwundener Krankheit ging Dzierstak zwar nicht mehr offiziell an den Start, schwang er sich aber aufs Rennrad und lief in Intervallen auch in der Freizeit weiter.

Er läuft und walkt noch heute

Auch heute treibt es ihn noch regelmäßig in den Hiltroper Volkspark, wo er einigen Spaziergängern wie ein bunter Hund bekannt sein dürfte. ,,Drei mal wöchentlich laufe und walke ich noch etwa sechs Kilometer. Natürlich nicht mehr so flott wie früher“, sagt der einstige Langstreckenläufer. Dass er nun schon 90 Jahre alt wird, glaubten aber die wenigsten, denen er begegne.

Musik oder Radio hört der bald 90-Jährige beim Sport nicht, beobachtet lieber die Umgebung. ,,Sonst könnte ich mich auch gar nicht auf das Laufen konzentrieren“, sagt er. So sind ihm Hiltroper Volkspark und Gysenbergpark über die Jahre aber so bekannt wie seine Westentasche geworden, er kennt Laufstrecken aller Längen und hat die Veränderungen der Parkanlagen beobachtet.

Geheimnis fürs hohe Alter

,,Es war für mich immer toll, beim Sport in der Natur zu sein“, sagt Dzierstak. Auch Ehefrau Marianne und Sohn Armin Dzierstak sind mächtig stolz auf ihren Mann und Vater. ,,Das Laufen hat immer zu ihm gehört“, sagt sein Sohn. Langstreckenläufe sind aber nur Vater Herbert Dzierstaks Steckenpferd geblieben. „Ich habe lieber Volleyball gespielt“, sagt Armin Dzierstak.

Langweilig geworden ist Dzierstak nach dem Ausstieg aus dem Leistungssport nicht: ,,Ich kümmere mich jetzt um den Haushalt, bin viel im Garten und koche sehr gerne.“ Dabei kommen beispielsweise Tafelspitz und Königsberger Klopse auf den Tisch. ,,Gesunde und leckere Ernährung ist auch wichtig, um so alt zu werden“, meint er. Wenn am Wochenende im kleinen Kreis der Geburtstag gefeiert wird, dann dürfe es aber natürlich auch ein Stück Kuchen sein.

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