Gastronomie

Bochum: Licht im „Zombiekeller“ – nur Tanzen bleibt verboten

Wo sonst die Besucher schwofen, hat Thomas Behrendt zwei Tische aufgestellt: Die Diskothek „New Orleans“ in Bochum ist zwar wieder geöffnet. Tanzen ist aber nicht erlaubt.

Wo sonst die Besucher schwofen, hat Thomas Behrendt zwei Tische aufgestellt: Die Diskothek „New Orleans“ in Bochum ist zwar wieder geöffnet. Tanzen ist aber nicht erlaubt.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Als erste Diskothek in Bochum ist das „New Orleans“ wieder an den Start gegangen. In Corona-Zeiten ist aber nur Popowackeln am Tisch erlaubt.

Eigentlich könnte er sich freuen. Thomas Behrendt hat das „New Orleans“ wieder geöffnet. Als erste Diskothek in Bochum ist der Tanztreff in der Coronakrise zurückgekehrt. Und doch stehen „Tommy“, wie ihn hier jeder nennt, die Tränen in den Augen. Der Laden ist am späten Samstagabend nur spärlich gefüllt. Das Einzige, was an den Normalbetrieb erinnert, ist die Schlagermucke in Dauerschleife. „Das macht traurig“, sagt der 55-Jährige. „Aber es muss doch irgendwie weitergehen.“

Seit 1965 hält das „New Orleans“ am Südring die Stellung, gilt als älteste Disko in Nordrhein-Westfalen. Seit 35 Jahren steht Tommy Behrendt hinterm Tresen und Plattenteller. Auch Mutter Margret Hörmann (75) mischt als Ex-Chefin noch mit. Höhen und Tiefen gab’s reichlich. Doch Corona habe „alles verändert“, sagt der Familienvater. Hilf- und antriebslos habe er sich in der ersten Monaten nach der Zwangsschließung im März gefühlt. „Wenn das Geschäft schlecht läuft, kann man gegensteuern. Aber so?“

„New Orleans“ in Bochum: Wir sind noch da!

Jetzt will Tommy zeigen: Wir sind noch da! Samstags ist das Licht wieder an. Vor zwei Wochen war Neustart unter Corona-Bedingungen. Heißt: Maskenpflicht außerhalb der Sitzplätze, Tanzen verboten, Abstand halten. Und das im „Zombiekeller“, der sich seinen Ruf als größter Baggerladen weit und breit in Jahrzehnten hart erarbeitet hat, in dem Feiern, Fox und Flirten den Markenkern bilden.

Und jetzt? Der Chef persönlich geleitet die Gäste zum Platz. Vorn liegen Registrierungslisten nebst Desinfektionsmittel aus. Plexiglasscheiben bieten Rundumschutz an der Theke. Zwei Tische mit Barhockern blockieren die Tanzfläche. Erlaubt sei allenfalls „leichtes Popowackeln. Das kann ich ja schlecht verbieten“, sagt Behrendt und muss selbst schmunzeln. Der Keller ist klinisch rein. Muss halt so sein.

Sehnsucht nach alten Zombie-Zeiten

Die Resonanz ist, nun ja, bescheiden. Drei Dutzend Gäste, meist Stammbesucher, finden sich zu späterer Stunde ein. Die Begrüßung ist herzlich. Und doch überwiegt die Wehmut, die Sehnsucht nach alten, unbeschwerten Zombie-Zeiten mit mehr als 400 Besuchern im Durchlauf einer durchtanzten Nacht.

Ob und wann die wiederkehren? Thomas Behrendt wagt keine Prognose. Er weiß nur: Wenn im Herbst und Winter auch noch der Weihnachtsmarkt, die Weihnachtsfeiern und der Karneval als zuverlässige Frequenzbringer wegbrechen, könnte es eng werden.

Stammgäste machen Mut

„Ich will durchhalten. Wenn wir schließen, wird es den Laden nie wieder geben“, sagt Behrendt und gesteht doch mit ernstem Blick: „Das alles macht mich fertig.“ Einziger Lichtblick sei, endlich Freunde und Bekannte wiederzusehen. „Das macht auch Mut.“

Nächsten Samstag ist wieder Licht im Keller. Ab 21 Uhr. Tommy würde sich freuen.

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