Corona-Krise

Bochum: Diakonie schafft 24-Stunden-Herberge für Obdachlose

Im Fliednerhaus der Diakonie in Bochum entsteht in den Zeiten der Coronakrise eine 24-Stunden-Herberge für Obdachlose.

Im Fliednerhaus der Diakonie in Bochum entsteht in den Zeiten der Coronakrise eine 24-Stunden-Herberge für Obdachlose.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum.  Rückzug und Kontaktsperre in der Coronakrise – für Obdachlose in Bochum ist das unmöglich. Die Diakonie schafft für sie nun eine Herberge: 24/7.

In der Coronakrise ist die eigene Wohnung für viele der Ort für Rückzug und Quarantäne. Für Menschen, deren Lebensraum die Straße ist, ist es besonders schwer, sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Die Diakonie Ruhr hat nun für Wohnungslose im Fliednerhaus eine Herberge geschaffen: Sie ist rund um die Uhr und jeden Tag geöffnet.

„Das ist ja der natürliche Trieb. Jeder sagt jetzt: ,Ich möchte mich zurückziehen’“, sagt Christiane Caldow, die die Existenzsicherung und Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Bochum leitet, „das ganze Haus und alle Zimmer sind nun für alle offen, im 24 Stunden-Takt.“ Durch die Kontaktsperre würden Mitarbeiter und Gäste zwar „eine Art Zwangsgemeinschaft“ bilden, doch „die Stimmung hier im Haus ist phänomenal“, so Caldow.

Aufgrund der neuen Abstandsregelung würden die Zimmer nicht mehr mit drei Gästen sondern nur noch mit zwei Gästen belegt. „Wir haben 28 Herren im Haus und fünf Damen“, sagt Caldow, „damit sind wir auch so gut wie ausgebucht.“

Neuer Gemeinschaftsgeist trotz Corona-Kontaktsperre

Normalerweise müssten obdachlose Gäste morgens um acht Uhr die Übernachtungsräume der Diakonie verlassen. Für die Zeit der Coronakrise haben Christiane Caldow und ihre Kollegen die Abläufe umgestellt. „Dadurch hat sich im Haus ein so toller Gemeinschaftsgeist entwickelt, den wir sonst, wenn die Leute im Tagesaufenthalt weiter verstreut sind, nicht so sehen“, erklärt die Leiterin der Wohnungslosenhilfe. Ihre Gäste würden „zusammenrücken, Gesellschaftsspiele spielen und sich unterhalten“ – und sich oft auch auf die Zimmer zurückziehen.

Trotz der neuen Gemeinschaft würden die Gäste im Fliednerhaus „sensibel“ auf die Abstandsregeln und „Einflüsse von Außen“ achten. „Alle wissen wie schwierig es wird, wenn hier drin jemand krank wird – wenn das ganze Haus unter Quarantäne stehen soll, wir wüssten nicht wie das funktioniert“, sagt Caldow.

Das Personal, das sonst in den Beratungsstellen, im Tagesaufenthalt und im Bereich Streetwork mitarbeitet, wird nun im Fliednerhaus eingesetzt. Die Beratungszeiten in der Henrietten und Uhlandstraße würden verkürzt, Postausgabe und ähnliche Hilfestellungen der Diakonie für Wohnungslose würden nun im Fliednerhaus, Am Stadion 7, angeboten. „Menschen, die nur den Lebensraum Straße nutzen, versorgen wir mit Essen to go“, erklärt Caldow, „das sind ungefähr 20 Personen im Moment, die wir aus dem Fenster mit Essen versorgen.“

Bochumer spenden Filme und Spiele im Gabenschrank vor der Tür

Um ihren Gästen die Zeit der Kontaktsperre erträglicher zu gestalten, hatte sie einen Spendenaufruf gestartet. „Wir haben gestern Abend draußen einen Gabenschrank aufgestellt – natürlich bewusst so, dass keiner dem anderen zu nahe kommen muss“, erklärt Caldow, „Alles was wir auf Facebook erbittet haben, ist hier binnen 12 Stunden angekommen: Filme, Spiele, Bücher – das ist phänomenal, da bin ich so dankbar.“

Die Spendenbereitschaft der Bochumer sei „überwältigend“: „Unsere Gäste waren wirklich den Tränen nahe heute, als sie immer wieder zum Schrank durften und immer wieder Dinge gefunden haben, mit denen man hier den Alltag besser gestalten kann“, sagt Christiane Caldow.

Einen „Gabenzaun“ für Obdachlose hat das Offene Antifa Café hinter dem Bochumer Hauptbahnhof ins Leben gerufen. Das Café ruft Bochumer dazu auf, an der Düppelstraße 45 Tüten mit Sachspenden, Hundefutter oder Lebensmitteln für Wohnungslose an den Zaun am Bolzplatz zu hängen.

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