Natur

Bochum: Der Gemeinschaftsgarten lädt zum Mitmachen ein

Initiatoren und Gäste schauten sich am Freitag den Kleingarten an in Bochum-Hamme.

Initiatoren und Gäste schauten sich am Freitag den Kleingarten an in Bochum-Hamme.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Hamme.  Definitiv kein typischer Schrebergarten ist der neue Gemeinschaftsgarten im KGV Bochum-Hamme. Das Projekt hat im Stadtteilwettbewerb gewonnen.

Es heißt, viele Köchen würden den Brei verderben. Auf Kleingärtner scheint das nicht zuzutreffen. Zumindest wenn man den neuen Gemeinschaftsgarten im Kleingartenverein „Friedensgrund Hamme“ zum Maßstab nimmt, der von María Luisa Martín Morales ins Leben gerufen wurde. Denn: Hier wird gegärtnert, gebastelt, gemalt und kreativ gearbeitet – von mehr als einem dutzend Hammer Bürger. „Jeder verwirklicht sich im Garten ganz anders und interpretiert den Garten auf unterschiedliche Weise“, sagt die 49-Jährige, die mit der Idee zum Gemeinschaftsgarten im Stadtteilwettbewerb von Bochum Marketing gewonnen hat.

Aktion für Besucher geöffnet

Dieser unterstützt gemeinnützige Projekte über den Bochum-Fonds. Für ein Jahr wird so die Pacht des 300 qm großen Grundstücks übernommen. Darauf finden sich nicht nur mehrere Parzellen mit Gemüsebeeten – von Paprika, Mangold und Zucchini bis hin zu Erdbeeren, Möhren und Zwiebeln – sondern auch Beete der ganz anderen Art.

Eines davon hat Christiana Herholz gestaltet: Nahe einer Hecke sitzen bepflanzte, kopflose Plüsch-Teddybären, mehrere Bilderrahmen stecken in der Erde. „Ich erzähle hier im Beet die Geschichte vom kleinen Paul, dessen Opa ihm aus seinem Leben berichtet“, verrät Herholz, die im Theater arbeitet. Dort brauchte man für eine Inszenierung nur Teddy-Köpfe – zu schade zum Wegwerfen erschienen Herholz die Unterkörper. Die kleinen Geschichten mit Titeln wie „Im Geisterwald“ sollen vor allem Kinder neugierig machen. „Die Gesichter der Teddys können dann in ihrer Phantasie entstehen“, so Herholz.

Positive Bilanz

Das passt zu Morales Wunsch, dass insbesondere Eltern und Kinder den Garten zusammen nutzen. „Der Gemeinschaftsgarten soll Begegnungsstätte im Stadtteil sein“, hofft Morales. Die Idee sei ihr bereits Ende des vergangenen Jahres gekommen, die Umsetzung wurde durch die Corona-Pandemie erschwert. „Eine Kerngruppe hat mehrere Schlüssel und wir müssen uns immer absprechen, wer wann kommt. Das klappt aber super“, sagt die 49-Jährige.

Kunst im Schrebergarten

Während manche zum Anlegen eines Kräutergartens an die Dorstener Straße kommen, nutzen andere den Garten zum Picknicken, Spielen oder Basteln. „Ich habe mit meinen Kindern Bilder vom Sperrmüll umgestaltet“, sagt etwa Seve Ibramiov und führt hinter ein kleines Gartenhäuschen. Die Landschaftsbilder in antik anmutenden Rahmen haben seine Kinder mit Comic-Stickern versehen.

Der afrikanische Künstler Saba de Cristo Toko präsentiert seine Kunst ebenfalls im Garten. Abstrakte Bilder in knalligen Farben hängen zwischen Birnbaum, Blumenbeet und Weinreben. Auch einige Holzschnitzereien haben sich zwischen Mangold und Dill gemogelt. „Es ist auch für mich etwas ganz Neues zu sehen, wie meine Kunst zwischen Blumen und Bäumen wirkt“, sagt der Künstler.

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Motto: Einfach ausprobieren

Einfach ausprobieren ist aber ohnehin das Motto des Gemeinschaftsgartens. So hat Morales einen kleinen Wunschbrunnen in der Mitte des Schrebergartens angelegt, in den Kinder bunt leuchtende Glassteine werfen können. Unweit davon soll ein kugelförmiges Beet zur Heimat von Bienen werden. „Ich habe Scherben und Zement besorgt, damit wir das Beet in Mosaik-Optik verzieren können“, sagt Morales. Neue Ideen – ob künstlerischer oder gärtnerischer Natur – seien willkommen. „Es ist klasse, dass sich jeder verwirklichen kann“, findet Gerhard Börner, der auch mitmacht. Er hat Zwiebeln und Möhren angepflanzt und schon damit gekocht. „Es wäre schön, wenn sich hier neue Leute kennenlernen“, findet er.

Idee kommt an

Der Gemeinschaftsgedanke werde im Garten gelebt: „Ich habe auch schon Zucchinis ernten dürfen, die ich gar nicht angepflanzt habe“, sagt er. Auch weiteren Bürgern aus Hamme steht die Nutzung des Gartens noch offen. „Einfach bei mir melden“, sagt Morales. Wie es nach einem Jahr weiter gehe, stehe noch nicht fest. „Wir sind im Gespräch mit dem Kleingartenverein und Bochum Marketing“, so Morales. Also heißt es wohl: Schnell an die Schaufel, fertig, los. Oder für manche: An den Pinsel, fertig, los. Wie auch immer.

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