Kindesmisshandlung

Bochum: Betroffene kämpfen gegen Misshandlung von Kindern

“Gewalt bricht jede Kinderseele“, sagt Dennis Engelmann und hat deshalb die Kinderseelenschützer gegründet, die bald eingetragener Verein in Bochum sind. Unter anderem will er jungen Erwachsenen helfen, die einst als Kind misshandelt wurden. (Symbolbild)

“Gewalt bricht jede Kinderseele“, sagt Dennis Engelmann und hat deshalb die Kinderseelenschützer gegründet, die bald eingetragener Verein in Bochum sind. Unter anderem will er jungen Erwachsenen helfen, die einst als Kind misshandelt wurden. (Symbolbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Bochum.  Dennis Engelmann hat in Bochum die Kinderseelenschützer gegründet. Er setzt sich gegen Misshandlung ein. Grund dafür ist seine eigene Geschichte.

„Gewalt bricht jede Kinderseele. Diese zu schützen muss jederzeit Priorität haben“, sagt Dennis Engelmann. Der 27-jährige Mann aus Bochum-Grumme ist Gründer der Kinderseelenschützer. Eine Initiative, die sich gegen die Misshandlung von Kindern und deren Folgen einsetzt und in wenigen Tagen eingetragener Verein sein dürfte. Dennis Engelmann brennt für das, was er tut. Grund dafür ist seine eigene Geschichte.

Im Frühjahr 2018 hat der Bochumer seine Adoptiveltern angezeigt. Als Kind sei er von ihnen erniedrigt und geschlagen worden – mal mit einem Kochlöffel, mal mit der bloßen Hand. Jahre später erstattete er Anzeige. Seitdem läuft ein Verfahren, das mittlerweile vor dem Landgericht Essen steht.

Kinderseelenschützer in Bochum: Hilfe bei Misshandlung

Das ist nun zwei Jahre her, mit dem Prozess gegen seine Hattinger Adoptiveltern wurde Engelmann zum Gesicht für viele, denen ähnliches passiert ist. Die mediale Berichterstattung war groß. Doch das ist eine andere Geschichte, die jetzt gar nicht mehr im Vordergrund stehen soll. Wichtig ist dem jungen Mann, dass es bei anderen Jungen und Mädchen gar nicht so weit kommt. Und dass sie – wenn doch – wissen, wo es Hilfe gibt.

Im Januar 2019 eröffnet Dennis Engelmann eine Facebook-Seite, um Betroffenen eine Plattform zu geben: jungen Erwachsenen, die in der Kindheit Opfer von psychischer oder physischer Gewalt wurden. Oder Eltern, denen ohne Berechtigung droht, dass das Jugendamt ihnen die Kinder wegnimmt. „Wenn Kinder unberechtigter Weise in Obhut genommen werden, ist das seelische Gewalt“, sagt Engelmann. Damit Engelmann das Vorgehen des Jugendamtes beurteilen kann, fordert er immer Akteneinsicht: „Nur dann können wir tätig werden.“ Oft sei das Jugendamt aus Sicht des baldigen Vereins eine zu mächtige Behörde, das seiner Aufgabe als Wächter des Kindeswohl nicht gerecht werde. Insgesamt habe er in den vergangenen zwei Jahren über 100 Familien in ganz Deutschland unterstützt.

Verein will auf politischer Ebene viel bewegen

Nach rund einem Monat haben die „Kinderseelenschützer“ 60 Mitglieder. Das aktive Team bestehe so aus zehn bis zwölf Leuten. Der Verein will sich gegen die Misshandlung von Kindern einsetzen. Die Ideen sind groß. Blickt Engelmann in die Zukunft, zwei, fünf oder auch zehn Jahre voraus – hofft er, mit dem Verein auch auf politischer Ebene etwas bewegt zu haben. „Für junge Erwachsene, die früher selbst betroffen waren, ist es massiv schwierig, juristisch dagegen vorzugehen. Deshalb kämpfen wir gegen Verjährungsfristen, weil viele sich erst viele Jahre später öffnen können. Zudem soll der Täterschutz nicht länger mehr als der Opferschutz zählen“, mahnt der Gründer der Kinderseelenschützer an.

Instrument um seine Ziele zu erreichen ist die Öffentlichkeitsarbeit – mit bekannten Botschaftern. Das Netzwerk von Engelmann ist nach eigenen Angaben groß und so stehe er im Kontakt zu bekannten Bochumern und Prominenten über die Stadtgrenzen hinaus. Wer genau das ist, dazu will er in Zukunft mehr verraten. „Wir wählen die bekannten Botschaftern, um dem Verein ein Gesicht zu geben. Gleichzeitig repräsentieren uns aber auch Fachleute, wie zum Beispiel mein Anwalt, der mich in meinem eigenen Prozess vertritt.“

Kinderseelenschützer sollen Dachverband werden, hofft der Gründer Engelmann

Irgendwann mal soll sein Verein ein Dachverband sein, hofft Engelmann. Mit Zweigstelle in ganz Deutschland. Zum Teil gebe es die schon jetzt. Der Verein soll gut vernetzt sein und Betroffenen schnell sowie unkompliziert helfen beziehungsweise die Hilfe anderer vermitteln. Noch sei das Angebot sehr niederschwellig – das wollen die Kinderseelenschützer ändern. Weil viele von ihnen selbst früher betroffen waren, weil sie selbst Kinder haben oder als Experten über das nötige Fachwissen verfügen.

„Ich will jemand sein, den ich mir damals selbst so sehr gewünscht hätte, als ich die Hilfe gebraucht habe“, sagt Engelmann. Die Hürde, die Hilfe der Kinderseelenschützer, soll ganz gering sein. „Ich bin einer von denen. Das zu wissen, hilft vielen enorm“, sagt Vereinsgründer.

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