Sacri Monti

Bildgewaltige Szenen spiegeln christliches Leben

Die einzelnen Motive hat Heinrich Brinkmöller-Becker zu einer stimmungsvollen Bildfolge verbunden.„Sacri Monti“ ist aber eine Dia-Show, sondern eine animierte, großformatige Projektion auf der Planetariumskuppel.

Die einzelnen Motive hat Heinrich Brinkmöller-Becker zu einer stimmungsvollen Bildfolge verbunden.„Sacri Monti“ ist aber eine Dia-Show, sondern eine animierte, großformatige Projektion auf der Planetariumskuppel.

Foto: HBB

bochum.   Eine spektakuläre Vorstellung bietet das Planetarium Bochum. Die Foto-Projektion „Sacri Monti“ entführt zu uralten Pilgerkapellen in Oberitalien.

Ein spektakuläres Projekt hat der Fotokünstler Heinrich Brinkmöller-Becker im Anstich: am 25. September wird im Planetarium seine Show „Sacri Monti“ gezeigt. Man darf einen eindrucksvollen Blick in die Geschichte des Christentums erwarten. Und einen Ort aufsuchen, den man sonst nicht betreten darf.

Lebensgroße Statuen zeigen Facetten des Glaubens

„Sacri Monti“ („Heilige Berge“): Das sind Kapellen in Oberitalien, die als Pilgerstätten im 16. und 17. Jahrhundert auf Bergen errichtet wurden, um dem katholischen Glauben nach der Reformation Geltung zu verschaffen. Die Kapellen selbst sind nicht das Besondere, vielmehr ist es ihr Innenleben. „Um Aspekte des Glaubens (Leidensgeschichte Jesu, Leben des Hl. Franziskus) bildlich auszudrücken, wurden lebensgroße Statuen, Fresken und Bildern dort eingebettet“, weiß Brinkmöller-Becker. Die lebensgetreu ausgeführten Figuren sind nicht nur ein einmaliges kunsthistorisches Zeugnis, sie bilden auch im wörtlichen Sinne zeittypische Alltagsgeschichte ab. Seit 2003 sind die „Sacri Monti“ Unesco-Weltkulturerbe.

Das hat einleuchtende Gründe. Denn das Zusammenwirken von Skulpturen, Gemälden und Fresken, die Detailbesessenheit der Figuren und nicht zuletzt die frappierende künstlerische Umsetzung erzeugen in den Szenerien der Kapellen eine starke Wirkung: der leidende Christus wird ebenso dargestellt wie gierige Händler, ein altes Mütterchen, Tiere, Gaukler, Kranke und Sieche.

Zwei Wochen lang fotografiert

Auf die Zeitgenossen müssen diese Bilderwelten eine ähnliche Illusionswirkung ausgeübt haben wie später die Stummfilme auf die Menschen des 20. Jahrhunderts. Dabei können die „Sacri Monti“-Figurinen nur von Außen betrachtet werden, die Pilgerkapellen sind vergittert, um Beschädigungen vorzubeugen. Brinkmöller-Becker hatte die einmalige Gelegenheit, unter Aufsicht in den offenen Kapellen zu fotografieren. „Vierzehn Tage, von morgens bis zur Dunkelheit“, erinnert sich der Bochumer. Tausende Aufnahmen waren das Ergebnis dieser Fleiß- und Ausdauerarbeit, 140 Motive kommen in der Planetariums-Show zu Geltung, die Brinkmöller-Becker auf besondere Weise präsentiert:

Er ist spezialisiert auf sequentielle Fotografie. Einzelaufnahmen werden szenisch aneinander gestellt, so dass sich die Motive fast wie eine filmische Abfolge betrachten lassen. Zuletzt war seine Fotosequenz-Show über die Ballettoper „Charlotte Salomon“ in der Planetariumskuppel zu sehen (die WAZ berichtete).

Mit Barockmusik unterlegt, dürfte „Sacri Monti“ zu einer faszinierenden Reise in die Vergangenheit werden. Die das Staunen lehrt über ein Kulturgut, das über Jahrhunderte hinweg nichts von seiner Suggestionskraft verloren hat.

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