Sons of Alpen

Biker laden Senioren in Bochum zu einer Spritztour ein

Annelise Bömelburg (84) genoss die Fahrt im Beiwagen des Motorrads: Das St. Marienstift hatte zur Bikerparty eingeladen.

Annelise Bömelburg (84) genoss die Fahrt im Beiwagen des Motorrads: Das St. Marienstift hatte zur Bikerparty eingeladen.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum-Mitte.   Die Biker der Sons of Alpen machen den Heimbewohnern des St. Marienstiftes in Bochum eine besondere Freude: eine Fahrt im Beiwagen nach Stiepel.

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Anneliese Bömelburg steigt aus dem Beisitzer der schwarzen Kawasaki. Sabine Timmer vom St. Marienstift und Fahrer Ralf Kaczmarek greifen der 84-Jährigen unter die Arme; mit ihrer Hilfe schafft sie die paar Schritte zum Rollator.

Anneliese Bömelburg ist überglücklich. „Das war so schön! Das hat mich daran erinnert, wie ich früher mit meinem Sohn Motorrad gefahren bin. Ich saß hinten drauf.“

Vorfreude auf den Trip

Fette Motorräder, ein Oldtimer und ein Chrysler Le Baron stehen vor dem Stift auf der Maximilian-Kolbe-Straße, wo heute eine Bikerparty steigt. Die Zweiräder und das Auto gehören den Motorradfreunden „Sons of Alpen“; die heißen so, weil sie gern in den Alpen fahren, erklärt ihr Präsident Martin Köhler.

Der Chrysler gehört Stifts-Hausmeister Thomas Voigt. Der Oldtimer, ein sehr gepflegter orangefarbene Citroën CX 2400 GTi, Baujahr 1978, gehört einem Freund der Freunde. Zwanzig Senioren sitzen im Garten des Stifts, manche mit Rollator, manche im Rollstuhl. Sie sind bunt angezogen, einige Frauen tragen Tüll-Röcke. Denn abends gibt’s nocheine Rock’n’Roll-Party. Doch erst einmal herrscht die Vorfreude.

Die Motorradfreunde – schwarze T-Shirts, viele Tätowierungen – „entführen“ die Heimbewohner nach Stiepel. Die WAZ fuhr mit.„Ich freue mich, dass ich mal wieder gefahren werde. Früher bin ich selbst viel gefahren.“ Heinz Rozinski sitzt neben Werner Schubert auf dem Beifahrersitz. Über 40 Jahre hat der 92-Jährige bei Krupp gearbeitet. Nach der Fahrt sagt er: „Wir haben so viel Grünes gesehen.“

Der Korso, zwei Autos, ein Beisitzer und die angemessene Motorradeskorte, führt vom St. Marienstift die Königsallee hinauf bis zum Kreisel, wo es rechts zum Kloster geht. Dann wieder zurück zum Heim. Lydia Müller fragt: „Was ist das denn für ein Auto?“ Sie fühlt sich wohl auf der weichen Sitzbank des Citroën – und erinnert sich. „Hier haben wir früher gewohnt“, sagt sie, als Weitmar gestreift wird. Und dann: „Das sieht noch genauso aus wie früher.“ Und dann: „Aber diese Häuser sind neu.“

„Wir machen hier immer etwas Lustiges“

Lydia Müller hat mal in Bochum gewohnt, dann ist ihr Mann in ihre eigentliche Heimat versetzt worden, ins Saarland. Der Gatte ist vor einem Jahr gestorben. Der Kinder wegen, die in Bochum wohnen, ist sie zurückgekehrt. „Das war nicht einfach, aber jetzt fühle ich mich wohl. Im Stift ist immer was los.“

Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen Stift und Bikern durch Rebecca Paschke und Werner Schubert. Die „Partymaus“, wie sie sich selbst bezeichnet, arbeitet als Friseurin in Dortmund; Biker Schubert zählt zu ihren Kunden. Und: Paschke ist ehrenamtliche „Unterhalterin“ im Stift. Immer auf der Suche nach neuen Zerstreuungen für die Heimbewohner, heckten sie und Schubert die kleine Entführung aus.

Sabine Timmer, Qualitätsmanagerin im St. Marienstift und „Mutter der schrägen Idee“, war sofort dabei. „Wir machen hier immer etwas Lustiges, auch viele Motto-Partys“, sagt Timmer. „Das ist doch viel besser als langweilige bunte Nachmittage.“ Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

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