Mobbing

Betroffene über Mobbing: „Hatte Angst, zur Schule zu gehen“

Mobbing kann bei Schülerinnen und Schülern zu schweren seelischen Verletzungen fühlen. Die Bochumerinnen Belinda Stehr und Franziska Bolz haben Mobbing selbst erlebt – und helfen nun anderen mit einem Projekt. (Symbolbild)

Mobbing kann bei Schülerinnen und Schülern zu schweren seelischen Verletzungen fühlen. Die Bochumerinnen Belinda Stehr und Franziska Bolz haben Mobbing selbst erlebt – und helfen nun anderen mit einem Projekt. (Symbolbild)

Foto: FatCamera / Getty Images

Bochum.  Belinda Stehr und Franziska Bolz haben Mobbing erlebt. Besser wurde es erst, als sie die Schule wechselten. Nun helfen sie anderen Betroffenen.

Alles fängt recht harmlos an, mit ein paar Sprüchen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Schnell werden die Sprüche zu gemeinen Beleidigungen – persönlich und in Whatsapp-Chats. Es folgen Lästerattacken bis hin zu leichter körperlicher Gewalt – und bald die Angst, in die Schule zu gehen. Mobbing: Belinda Stehr (16) aus Bochum ist Betroffene. Genau wie Franziska Bolz (21), die sich irgendwann nicht mehr traute, im Unterricht zu sprechen und eine Therapie machte.

Die jungen Frauen besuchten beide dasselbe Bochumer Gymnasium, lernten sich aber erst einige Jahre später kennen. Bei Franziska Bolz fing das Mobbing damit an, dass ihre Klassenkameraden die gute Schülerin immer wieder als Streberin beleidigten. Sie zeige zu viel auf, sei ein Schleimer – immer wieder wurde sie mit solchen Aussagen von Mitschülerinnen und Mitschüler konfrontiert. „Sie haben mir meine Bücher aus der Hand geschlagen“, erinnert sich Franziska Bolz. Irgendwann traut sich das damals junge Mädchen nicht mehr, überhaupt noch beim Unterricht mitzumachen. Sie bekommt Depressionen, sucht sich psychologische Hilfe.

Mobbing: Nur ein Schulwechsel half Bochumerin Franziska Bolz

Als die Situation auf einer Klassenfahrt eskaliert, fällt die Entscheidung: „Ich habe nach der achten Klasse die Schule gewechselt“, erzählt Franziska Bolz. Von da an geht es aufwärts. Sie findet Freunde, auch ihre Noten werden wieder besser. Doch trotzdem – komplett verschwinden werden die Auswirkungen des Mobbings wohl nie.

Belinda Stehr wechselt zunächst nur die Klasse ihres Gymnasiums. Auch wenn es besser wird, die Angst vor der Schule bleibt. Zumal sie in der Oberstufe wieder in denselben Kursen wie ihre ehemaligen Klassenkameraden sitzen würde. Sie wechselt nach der neunten ebenfalls die Schule. „Unsere Schule jetzt hat eine ganz andere Einstellung zum Thema Mobbing“ erzählt die 16-Jährige. Während ihre ehemalige Schule geleugnet habe, dass es überhaupt Mobbing gibt, steht die neue dazu – tue aber gleichzeitig etwas dagegen. Mittlerweile besucht sie die elfte Klasse. Erfahrungen mit Mobbing hat Belinda Stehr seitdem nicht mehr gemacht.

Ehemalige Betroffene kritisieren: An Schulen wird zu wenig gegen Mobbing getan

Trotzdem: Das Mobbing hat Spuren bei Belinda Stehr und Franziska Bolz hinterlassen. Beide kritisieren, dass an den Schulen zu wenig dagegen getan wird und werden selbst aktiv. „Die Aufklärung fehlt, sowohl für Schüler als auch für Lehrer und Eltern“, sagt Franziska Bolz. Die Bochumerinnen haben das Projekt „The Butterfly Outset – Gemeinsam gegen Mobbing“ gestartet. Häufig würden Lehrer nicht oder zu wenig effizient eingreifen, wenn in ihrer Klasse jemand gemobbt wird. Mit der neuen Initiative wollen die beiden jungen Frauen aufklären.

„The Butterfly Outset – Gemeinsam gegen Mobbing“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern. In ihrem siebenköpfigen Team haben Franziska Bolz und Belinda Stehr bereits konkrete Ansätze entwickelt: In den Bochumer Schulen sollte es künftig Mobbing-Berater geben – von Experten ausgebildete Oberstufenschüler. Zudem bieten sich Vorträge zur Prävention und ein Briefkasten an, in dem Betroffene anonym Probleme schildern können.

„Die Lehrer dürfen Anzeichen nicht herunterspielen“

Gleichzeitig sollen Eltern und Lehrer geschult oder zumindest sensibilisiert werden. „Die Lehrer dürfen Anzeichen nicht herunterspielen“, fordert Belinda Stehr. Bei ihr habe es Wochen gedauert, bis überhaupt reagiert wurde.

Belinda Stehr, Franziska Bolz und die anderen Team-Mitglieder haben klare Ziele: Sie wollen Betroffenen die Botschaft vermitteln, dass diese nicht allein sind und andere zum Handeln und Eingreifen ermutigen. „Ziel ist es nicht, Rache an Tätern oder nicht handelnden Personen zu nehmen. Vielmehr soll eine Sensibilisierung für das Thema ,Mobbing’ stattfinden, um offene Kommunikation und ein schnelles Eingreifen zu ermöglichen“, heißt es im Leitbild von „The Butterfly Outset – Gemeinsam gegen Mobbing“. In den kommenden Wochen und Monaten wollen die Initiatorinnen aktiv auf die Schulen in Bochum zugehen.

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