WAZ-Serie Best Ager

Best Ager lassen im Becken die Becken kreisen

45 Minuten bewegt sich Heidegret Hofmann mit ihrer Gymnastikgruppe im Wasser. Am Ende kommen auch die farbigen „Nudeln“ zum Einsatz.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

45 Minuten bewegt sich Heidegret Hofmann mit ihrer Gymnastikgruppe im Wasser. Am Ende kommen auch die farbigen „Nudeln“ zum Einsatz. Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Bochum.  Mit Aqua-Fitness stärken Männer und Frauen in den besten Jahren in den Bochumer Hallenbädern Körper und Seele. Denn: Best Ager sind gesundheitsbewusst.

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Sie schaufeln und schuhplattlern. Sie pumpen und pushen. Sie beugen und biegen sich. Dennis Halberstadt gibt per Mikrofon die Kommandos am Beckenrand. Und die neun Damen und zwei Herren machen im Wasser mächtig die Welle. Morgengymnastik der feuchtfröhlichen Art im Nordwestbad: Es ist Aqua-Fitness-Zeit in Hofstede. Für Best Ager eine der besten Möglichkeiten, Körper und Seele fit und gesund zu halten.

Nie zuvor war eine Generation so aktiv und gesundheitsbewusst wie die jungen Alten von heute, sagen Wissenschaftler und Konsumforscher. „Es tut gut, etwas für sich zu tun“, sagt Heidegret Hofmann. Jahrelang war die Steuerberaterin Mitglied in einer Damen-Gymnastikgruppe. Doch nur mit Mädels – das war der 71-Jährigen bald nicht mehr genug. „Ich wollte unbedingt mit meinem Mann zusammen Sport treiben, etwas gemeinsam machen.“ Seit September nimmt das Ehepaar an einem der Aqua-Fitness-Kurse teil, die das Sport- und Bäderamt in den Bädern Hof-stede, Höntrop, Linden, Querenburg und Langendreer anbietet. Der Andrang ist groß. Nahezu alle 27 Kurse sind ausgebucht.

Bis zu 20 Männer und (meist) Frauen lassen pro Übungseinheit das Becken im Becken kreisen. Die betagteste Badehauben-Fee ist 86, die jüngste 27 Jahre alt. 86,40 Euro ruft die Stadt für die zwölf Kursstunden auf. Gut angelegtes Geld, meint Heidegret Hofmann, die mit ihrem Ehemann Dr. Winfried Berger (77) freitags um 9 Uhr an der Stettiner Straße ins Becken steigt.

Das gute Gefühl nach dem Training

Aktuelle Popsongs aus der mobilen Musikanlage beschallen zu morgendlicher Stunde das Nordwestbad, in dem abseits der Aqua-Elf nur einige wenige Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Im Nichtschwimmerbereich ist die Gruppe mit großem Eifer und guter Kondition bei der Sache. „Jetzt mit Schmackes!“ – „Arme und Beine auseinander!“ – „Nun der Hampelmann!“: Ausdauernd leisten die Fitness-Freunde den Anweisungen von Bad-Mitarbeiter Dennis Halberstadt 45 Minuten lang Folge. Am Ende auch mit farbigen „Nudeln“.

„Die Trainer sind allesamt klasse. Es macht Spaß, man ist danach richtig gut drauf, auch wenn man erschöpft ist“, sagt Heidegret Hofmann, die zudem in einer Fitnessgruppe im Marien-Hospital mitwirkt. Zusätzlich war sie noch im Kneipp-Verein aktiv. „Aber das wurde mir dann doch zu viel.“

Dem Aqua-Fitness will die Wattenscheiderin mit ihrem Mann über das Kursende im Dezember hinaus treu bleiben. „Wir werden uns in jedem Fall wieder neu anmelden.“ Zur Wahl stünde dann auch die kraftvollere „Power“-Variante. Das heißt, die Übungen werden im Schwimmerbereich ausgeführt. Da kann man nicht stehen.

So oder so: Bei der Wassergymnastik werden auch soziale Kontakte geknüpft und gepflegt – Käffchen danach im Badcafé „Sprungbrett“ inklusive. Neben dem Schaufeln und Schuhplattlern soll ja auch ein nettes Schwätzchen der Gesundheit förderlich sein.

Hausärzte empfehlen: Bleiben Sie in Bewegung!

Aqua-Fitness ist Knochen-Arbeit: „Durch die Schwerkraft-Entlastung sind die Übungen im Wasser gut fürs Skelett“, weiß Dr. Wilhelm Vermaasen, Vorsitzender des Bochumer Hausärztenetzes mit 50 angeschlossenen Medizinern.

Gerade die Best-Ager-Gruppe über 50 sei „deutlich gesundheitsbewusster geworden“, beobachtet Vermaasen. Das zeige sich beim Trend zu gesundem Essen, beim Rückzug der Raucher — und überall dort, wo die Menschen für ihr Wohlbefinden als Selbstzahler in die eigene Tasche greifen müssen: bei der Wassergymnastik, im Fitnessstudio oder bei den – wenn auch mitunter medizinisch umstrittenen – ärztlichen Leistungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Kassenleistungen sind die Vorsorgeuntersuchungen, die allzu oft (und vor allem von Männern) ungenutzt bleiben. Das empfohlene Alter setzt bereits früh an:
– bei Frauen und Männern ab 35 für eine Früherkennung auf Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, Diabetes und Hautkrebs (alle zwei Jahre), ab 50 für einen jährlichen Darmkrebs-Check;
-- bei Frauen zusätzlich ab 20 für eine Früherkennung auf Gebärmutterhalskrebs und ab 30 auf Brustkrebs (beides jährlich);
– bei Männern zusätzlich ab 45 für eine jährliche Frühererkennung auf Prostatakrebs.

„Treibt Sport, esst gesünder und nicht so viel, raucht nicht und trinkt in Maßen, ohne Euch zu kasteien. Eine kalorienreiche Mahlzeit ab und zu ist durchaus erlaubt“: Wer diesen Empfehlungen von Dr. Vermaasen folgt, beugt gerade im fortgeschrittenen Alter den größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit vor: Übergewicht, Bewegungsmangel, lebensgefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ebenso wichtig sei es aber auch, im seelischen Gleichgewicht zu bleiben. Dr. Vermaasen: „Sucht oder macht etwas, dass Euch wirklich Spaß bereitet. Habt Freude am Leben“ – dann dauert’s länger.

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