Innenstadt-Festival

Bei Bochum Total wird die City wieder zur Party-Zone

Bochum spielt total verrockt: Die 1Live-Bühne auf dem Südring (hier 2016 bei Ichy Poopzkid) wird beim City-Festival wieder dicht umlagert sein.

Foto: Ingo Otto

Bochum spielt total verrockt: Die 1Live-Bühne auf dem Südring (hier 2016 bei Ichy Poopzkid) wird beim City-Festival wieder dicht umlagert sein. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Ab Donnerstag spielt BOCHUM TOTAL verrockt: 120 Bands stehen beim Innenstadt-Festival auf der Bühne. Und die Wettervorhersage ist fantastisch.

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Bochum ist wieder in Partylaune: Ab Donnerstag (6.) wird die Innenstadt bei Bochum Total zum Schauplatz von Europas größtem Umsonst-und-draußen-Festival. Die Wettervorhersage verheißt Sonne satt und Temperaturen bis zu 30 Grad. Beste Voraussetzung, um bis Sonntagabend mindestens auf die 700 000 Besucher zu kommen, die 2016 in die City geströmt waren.

„Die letzten Tage sind wie immer hektisch“, sagt Marcus Gloria. Aber: „Wir haben inzwischen Routine.“ Kein Wunder. Seit 31 Jahren schreibt Gloria in seiner Heimatstadt eine einzigartige Erfolgsgeschichte. 1986 gründete er als Student mit seinem Freund Heri Reipöler (Zeltfestival Ruhr) Bochum Total: ein beschauliches Straßen- und Stadtfest mit der Kapelle von Kulturamts-Mitarbeiter Bertram Frewer als „Topact“. Gut drei Jahrzehnte später sucht das bis heute frei finanzierte Festival mit in Spitzenzeiten bis zu einer Million Besuchern auf dem Kontinent seinesgleichen.

Guter Riecher für Stars von morgen

Das Erfolgsrezept? Es gibt keinen Eintritt. Die Refinanzierung gelingt über Getränkeverkauf, Standgebühren, Sponsoren, Merchandising. Das ist wichtig für die vielen jugendlichen Fans, die bei Festivals andernorts dreistellige Kartenpreise berappen müssen. Doch Bochum Total, das bedeutet auch ein ambitioniertes Musikkonzept mit vielversprechenden Bands aus dem In- und Ausland, einigen arrivierten Namen und einem ausgeprägten Riecher für die Stars der Zukunft.

„Heute schon sehen, was man morgen hört“, werben die Festival-Macher und verweisen auf große Namen. Seeed, Casper, Clueso, Silbermond, Revolverheld, Wir sind Helden, H-Blockx, Kraftklub, Andreas Bourani, Mark Forster: Sie und viele mehr standen für schmale Gagen auf den BO-Total-Bühnen, bevor sie es zu Ruhm und Reichtum brachten.

Hochgehandelte Rohdiamanten treten auf

Das möchten auch die Künstler von sich behaupten, die diesmal als Rohdiamanten hoch gehandelt werden. Bereits auf dem Weg nach oben sind die Deutsch-Britin Alice Merton, die mit „No Roots“ einen der größten Hits des Jahres landete (Donnerstag, 20.45 Uhr), ebenso wie die schwedischen Bluesrocker Blues Pills und die zehnköpfige Münchner Brassband Moop Mama (beide am Sonntag, 20.45 Uhr), Heisskalt (Freitag, 19.30 Uhr), Carpark North aus Dänemark (Sonntag, 19.30 Uhr) und Pohlmann (Samstag, 20.45 Uhr).

Mindestens ebenso wichtig sind Marcus Gloria aber die Newcomer, die BO-Total als Startrampe nutzen wollen. Einer von Glorias Geheimtipps: die „Mundwerk Crew“ mit HipHop aus dem Chiemgau am Freitag (20.30 Uhr) auf der Coolibri-Stage in der Bermuda-Halle Riff. Insgesamt sind es 117 Bands und fast 450 Musiker und Künstler, die auf den vier Open-Air-Bühnen sowie bei den Indoor-Clubkonzerten (Bericht unten) auftreten.

Live-Mucke auch in Clubs

Beim Offstage-Programm wird von Kneipen-Gigs bis zur Kopfhörerparty nach Bühnenschluss um 22 Uhr im und rund ums Dreieck die Nacht zum Tag gemacht. Auf der Wortschatz-Bühne werden Kleinkunst und Lesungen geboten. Hier huldigen Autoren und Comedians dem gesprochenen Wort: auch das längst ein Bochum-Total-Markenzeichen.

Über 2000 Konzerte gab’s in 31 Festivaljahren. „Während sich die Besucherzahlen rasant entwickelt haben, sind wir unserem Ansatz stets treu geblieben. Bochum Total ist als Rock- und Pop-Festival ausgerichtet und setzt auf progressive und originelle Musik“, bekräftigt Marcus Gloria. Bei der Auswahl der Bands wird darauf Wert gelegt, dass sie möglichst einen eigenen musikalischen Ansatz verfolgen. Stilistisch reicht dabei die Bandbreite von Jazz bis Hardrock. Und: Es muss immer live gespielt werden.

Wie sehr das Festival in Musikerkreisen geschätzt wird, zeigt sich daran, dass in jedem Jahr 1300 Künstlerbewerbungen eingehen.

Sandsäcke schützen vor denkbaren Anschlägen

Die Gefahr von Anschlägen hat Bochum Total erreicht. Nachdem die Zufahrtswege zum Festival 2016 mit Wassertanks und Einsatzwagen der Polizei gesperrt wurden, wird diesmal ein neues Anti-Terror-Konzept erprobt: Sandsack-Blockaden.

In Kooperation mit einem Baustofffachhandel werden 33 XXL-Säcke gefüllt und an den Zufahrtsstraßen aufgetürmt. „Jeder Sack fasst 1,5 Tonnen Sand. Das bietet ausreichend Sicherheit vor Lkw-Anschlägen wie in Nizza oder Berlin“, sagt Veranstalter Marcus Gloria, der den Hunderttausenden Besuchern verspricht: „Es wird ein ereignisreiches, aber friedliches Festival.“

Tiefgarage bleibt geschlossen

Anders als die Wirtschaftsentwicklung Bochum, die eine „behördliche Anordnung“ anführt, betrachtet Gloria die erstmalige Sperrung der Tiefgarage P1 unter dem Husemannplatz nicht als Anti-Terror-Maßnahme. Die Schließung erfolge allein wegen der noch laufenden Sanierungsarbeiten im Parkhaus P2 (Dr.-Ruer-Platz). Damit bleiben den Autofahrern an den Festivaltagen alle unterirdischen Stellplätze verwehrt. Alle anderen City-Parkhäuser sind geöffnet.

Empfehlenswert ist es ohnehin, ohne Auto anzureisen. Die Bogestra richtet dafür mit ihren Bussen und Bahnen mehrere hundert zusätzliche Fahrten an den vier Festivaltagen ein. So rollen bereits in der Nacht zum Freitag die Nachtexpress-Linien NE1 bis NE8, NE318, NE306 und die U 35 ab Hauptbahnhof. In den drei folgenden Nächten wird das Angebot für die BO-Total-Nachtschwärmer nochmals erweitert. Alle Fahrplaninformationen gibt es rund um die Uhr am Service-Telefon unter 0180 6/50 40 30, in der elektronischen Fahrplanauskunft im Internet oder mit der „Mutti“-App auf dem Smartphone.

Bochumer Künstler setzen auf ihren Heimspielen Akzente

Sie freuen sich schon auf ihre Heimspiele: Auch drei Bochumer Künstler setzen bei BO-Total Akzente.

Nach seinem gefeierten Auftritt am Samstagabend bei den Allstars auf der Wattenscheider Freilichtbühne heizt Jo Hartmann am Samstag (18.15 Uhr) auf der Heinz-Bühne ein. Bermuda-Ikone Pamela Falcon präsentiert Rock- und Popklassiker am Sonntag (20.45 Uhr) auf der Sparkassen-Bühne. Zuvor erzählt Autor Ben Redelings am Donnerstag (17.45 Uhr) auf der Wortschatz-Bühne Anekdoten aus dem internationalen Fußballgeschäft.

Besondere Aufmerksamkeit sollte abseits der 1Live-, Heinz-, Sparkassen- und Wortschatzbühne auch in diesem Jahr dem Indoor-Programm gelten. Die jüngst wiedereröffnete Rotunde, die Bermudahalle Riff als Coolibri-Stage (am Donnerstag ab 18 Uhr mit dem Finale des Ruhrcomer-Festivals), Mandragora, Game, Three Sixty, Trompete, Tucholsky, Flashbacks, Pinte, Konkret, Zacher, Schumacher, Postkutsche: Wenn um 22 Uhr die Live-Musik auf den Außenbühnen endet, geht’s in den Clubs und Kneipen im und rund ums Bermuda-Dreieck erst richtig los. Bands und DJs sorgen an allen vier Festivaltagen für einen stimmungsvollen Ausklang.

Auch das Theater Rott-straße 5 ist am Start. Am Samstag um 19.30 Uhr wird der Stummfilm „Nosferatu“ mit Live-Musik von Interzone Perceptible gezeigt.

www.bochum-total.de

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