Mordfall

Mord in Bochum: Behinderte Freundin hörte die Täter sprechen

Die Doppelhaushälfte in der Sechs-Brüder-Straße: Die Polizei hat die Eingangstür versiegelt, die Arbeit der Spurensicherung geht noch weiter.

Die Doppelhaushälfte in der Sechs-Brüder-Straße: Die Polizei hat die Eingangstür versiegelt, die Arbeit der Spurensicherung geht noch weiter.

Foto: Michael Weeke

bochum.   Nach dem Mord in Bochum-Hordel hat die Polizei die Fahndung intensiviert. Die Mordkommission wurde jetzt auf 20 Mitglieder verdoppelt.

Während die Polizei den Ermittlungsdruck noch einmal erhöht hat und die Mordkommission unter der Leitung von Daniela Stiens auf jetzt über 20 Mitglieder verdoppelt wurde, stehen die Menschen in der eigentlich so idyllischen Sechs-Brüder-Straße im Herzen der Hordeler Kappskolonie unter Schock.

Immer mehr Einzelheiten werden bekannt

Unterdessen kommen immer mehr Einzelheiten dieses Einbruchs, der zu einem brutalen Mordfall wurde, ans Licht. Klarer sehen die Fahnder nun offenbar auch den zeitlichen Ablauf am Montag. Die 71-jährige Partnerin des Ermordeten, die nicht ständig mit im Haus lebt, sich jedoch häufig dort aufgehalten hat, ist schwer behindert, sitzt im Rollstuhl. Sie konnte mittlerweile von der Kriminalpolizei vernommen werden. Sie wurde bei dem Überfall zwar nicht verletzt, stände aber noch unter Schock.

Es sei, so die Polizei, durchaus möglich, dass die Frau mit dem späteren Opfer zurückkehrte und dabei die Einbrecher überrascht wurden. Um 15.25 Uhr, diese Zeit steht jetzt fest, kam es zum ersten Kontakt mit den Tätern. Diese überwältigten den Hausbesitzer und fesselten ihn. Die Frau wurde auf den Boden geworfen und bekam eine Decke über den Kopf. Doch die ganze Zeit über hörte sie, wie die Täter sich unterhielten. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand, so die Polizei, sei davon auszugehen, dass die Täter kein Deutsch gesprochen haben. Ihre Wahrnehmungen können aber möglicherweise wichtige Indizien bedeuten. Die Polizei will dazu noch im Laufe des Tages weitere Informationen geben.

Besonders betroffen ist die Nachbarin des ermordeten 68-Jährigen. Sie steht noch völlig unter dem Eindruck des Verbrechens. „Er war so ein lebensfroher Mensch, jetzt fehlt mir etwas. Die letzten beiden Nächte hier waren anders.“ An den Montagnachmittag erinnert sie sich noch ganz genau: „Ich wollte an diesem Nachmittag zum Zahnarzt und habe mich im Badezimmer fertiggemacht. Dann hörte ich Schubladengeräusche und das laute Schlagen von Schranktüren. Ich dachte noch, mein Nachbar räumt auf.“ Später sei sie dann zum Zahnarzt gefahren.

Ihren Nachbarn, der Mitglied im Bürgerschützenverein Hofstede-Riemke war, schildert sie als freundlichen Menschen, der auch schon einmal gerne Karnevalsmusik hörte. Über die Gartenzäune habe man sich gegrüßt. „Eigentlich bin ich ein sensibler Mensch. Aber, dass so etwas am helllichten Tag, am Nachmittag passiert, das hätte ich nicht geglaubt.“

Geklärt, so teilt die Polizei schon jetzt mit, sei der Grund, warum der Notruf erst so spät, nämlich um 17.50 Uhr erfolgte. „Wir wissen heute, dass die Täter die ganze Zeit über im Haus blieben und etwa erst um 17.30 Uhr den Tatort verließen“, so Polizeisprecher Volker Schütte. Noch einige Minuten sei die 71-Jährige Frau vom Schock wie gelähmt gewesen, dass sie erst etwa 20 Minuten später zum Telefon gegriffen habe, um dann die Polizei zu informieren.

Dutzende Hinweise bei der Polizei

Nach den Befragungen vom Dienstag und den Medienveröffentlichungen seien in den letzten Stunden Dutzende ernstzunehmende Hinweise bei den Beamten eingegangen. Dies ist sicher ein Grund, dass die Mordkommission aufgestockt wurde, denn die Beamten wissen ganz genau, dass gerade in den ersten Tagen nach einer solchen Tat gemachte Beobachtungen noch frisch im Gedächtnis sind und so wertvolle Hinweise für die Ermittlungen gewonnen werden können. „Wir werden am heutigen Mittwoch noch einmal mit der Spurensicherung ins Haus gehen und den Tatort erneut genau unter die Lupe nehmen“, so Volker Schütte.

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