Porträt

Autorin Alexandra Huß setzt auf Spannung und Fantasie

Alexandra Huß mit ihrem neuen Kinderbuch.

Alexandra Huß mit ihrem neuen Kinderbuch.

Foto: JBS

Bochum.  Alexandra Huß aus Bochum schreibt spannungsgeladene Geschichten für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Schottland ist einer ihrer Sehnsuchtsorte.

„Weiße Hand wie Schnee“, „Blutrote Hand“ - die Titel der Bücher von Alexandra Huß klingen poesievoll und bedrohlich zugleich: Es sind Thriller, Nervenkitzler, die die Bochumer Autorin bevorzugt. Gleichwohl sind die Romane der 49-Jährigen von der Augenblickslektüre der Groschenhefte weit entfernt, denn Huß betont bei aller Spannungsstärke stets das Literarische. Tatsächlich reichen ihre Vorbilder von Oscar Wilde bis Rainer Maria Rilke.

Geheimnisvoll, rätselhaft und einigermaßen blutrünstig geht es in den erwähnten Büchern zu. Sie spielen in Schottland, einer per se (jedenfalls literarisch) unheimlichen Gegend, die Alexandra Huß immer wieder gern besucht. „Ich lasse mich von der Stimmung und der Landschaft inspirieren, habe mein Notizbuch immer griffbereit“, erzählt sie. Das exakte Beschreiben von Gegenden, Gegenständen, Naturphänomenen zeichnet die Autorin aus. „Es bildet den Rahmen, in dem sich meine Geschichten entwickeln“, sagt sie.

Liebe zu Schottland

Schottland hat sie zweimal schreibend beackert, nun wendet sie sich anderen gruselig-grausamen Orten zu. „Im Herbst erscheint mein Berlin-Thriller“, verrät Huß, die die Liebe zum Land der Kilts und Dudelsäcke nun auf anderer Weise frönt: „Ich bin zur Whisky-Liebhaberin geworden“, erzählt sie. Ihre Sammlung mit Edelsprit wachse kontinuierlich.

Huß ist hauptberuflich im Sozialen Bereich der Familienbetreuung tätig, doch ist das Schreiben für sie mehr als ein Hobby. „Ich schreibe leidenschaftlich gern“, gesteht sie. Aber sie geht auch genauso gern joggen. Auf ihren Runden tankt sie Energie und bekommt den Kopf frei für Ideen, die sie dann am PC entwickelt und ausbaut. Ihre Herangehensweise erscheint unorthodox: „Ich setze mich nie mit einer fertigen Idee an den Computer“, sagt Alexandra Huß, „vielmehr fange ich einfach an, und sehe dann, wohin mich die Geschichte führt.“

Überbordende Fantasie

Das Erzählen entwickelt sich also aus dem Schreiben selbst. So bleibt die Bochumerin offen für Wendungen, die ihr zufliegen, ohne vielleicht von vornherein da gewesen zu sein. Möglicherweise kitzelt auch gerade die überbordende Fantasie der Autorin diese Form des Schreibens hervor: Für ihre allererste Geschichte ließ sich sich nach einem Besuch am Grab von Oscar Wilde in Paris inspirieren. Ein Rattenmännchen, ein gestohlenes Manuskript und die Katakomben an der Seine fügten sich zu einer Erzählung im Stil eines phantastischen Kriminalromans à la Edgar Allan Poe. Mysteriös, verwoben mit stimmigem Kolorit: „Die Atmosphäre muss da sein“, sagt Alexandra Huß, „wenn ich über einen Weinkeller schreibe, dann muss man das riechen können.“

Offen und neugierig bleiben

Neben den Thrillern gilt der Kinderliteratur das Interesse von Alexandra Huß. Jüngst erschien mit „Die Farbendiebin“ ihr neuester Streich (Gegenstromschwimmer-Verlag, 19,90 Euro). Auch hier wird eine stimmungsvolle, unheimliche Geschichte erzählt, die dennoch die kindliche Vorstellungswelt nicht mit Gewalt und Schauer überflutet. „Die Fantasie kann beim Lesen fliegen“, sagt Alexandra Huß, „und auch beim Vorlesen kommt die Geschichte um die Abenteuer der kleinen Mila im Zauberwald von König Emerald stets gut an.“

Wer sich mit der Autorin unterhält, lernt eine patente, interessierte Frau kennen, die ihre Inspirationen überall abgreifen kann. Offen bleiben, Neues ausprobieren, Neugierde behalten: Die gebürtige Hofstederin lässt sich nicht auf eine Allzweckgröße festlegen. Auch beim Musikgeschmack nicht: Vom Chansonnier Charles Aznavour über den Hip-Hopper Chakuza bis zur Puccini-Oper ist Alexandra Huß auch beim Musikhören Vielfalt wichtiger als Uniformität.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben