Innenstadt

Autofreier Bebel-Platz in Wattenscheid: Grüne rudern zurück

Der August-Bebel-Platz in Wattenscheid soll umgestaltet werden.

Der August-Bebel-Platz in Wattenscheid soll umgestaltet werden.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Mitte.  Die Wattenscheider Grünen sind mittlerweile skeptisch, ob der Beschluss zum autofreien Bebelplatz, den sie mitgetragen haben, richtig ist.

Bei der Abstimmung in der Bezirksvertretung am 3. Dezember zum Umbau des August-Bebel-Platzes stimmten die Grünen mit ihren beiden Vertretern dafür, den Durchgangsverkehr hier zu verbannen – das Mehrheitsvotum fiel bei diesem Punkt mit 10:8 Stimmen knapp aus (auch SPD und der parteilose Bernd Heider waren dafür, CDU und UWG/Freie Bürger dagegen). Jetzt scheinen die Grünen aber zurückzurudern: „Die Wattenscheider Grünen zeigen sich angesichts des wachsenden Widerstands gegen den autofreien August-Bebel-Platz skeptisch ob des in der Bezirksvertretung gefassten Beschlusses.“

Es sei ein besonderes Anliegen der SPD gewesen, beim Bebelplatz den Autoverkehr herauszunehmen. Bei den internen Verhandlungen in der Koalition hätte man sich nicht durchsetzen können, heißt es aus Grünen-Kreisen.

Mehr Verkehr auf Ausweichstraßen

Sebastian Pewny, verkehrspolitischer Sprecher der Ratsfraktion, meint: „Der autofreie August-Bebel-Platz mit einer zusätzlichen Bebauung auf dem heutigen Parkplatz war von uns nie gewollt. Auch wir Grüne wollen eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs auf dem Platz, aber eine ganz autofreie Lösung geht meiner Meinung nach sehr zu Lasten kleinerer Straßen und ihrer Anwohner. Die Mehrbelastungen für die Propst-Hellmich-Promenade und die Swidbertstraße sowie Teile der Voedestraße sind nicht zu vernachlässigen.“

Gesamtverkehrskonzept ist notwendig

Man brauche ein Gesamtverkehrskonzept – das forderte die Bezirksvertretung einstimmig – für die Innenstadt, das alle Straßen berücksichtigt und insbesondere den Radverkehr stärker in den Fokus nimmt. „Vor dem Hintergrund begrüße ich die Bestrebungen eines Bürgerbegehrens, welches eine Diskussion über Wattenscheids Verkehrskonzeption ermöglicht. Klar ist für mich, dass wir dem Umsetzungsbeschluss nur zustimmen können, wenn es ein durchdachtes Verkehrskonzept gibt, das insbesondere eine kluge und gute Radverkehrslösung für den Innenstadtbereich vorsieht.“

Olaf Krause, Vorsitzender der Grünen-Bezirksfraktion, ergänzt: „Bisher ist lediglich ein Beschluss zur Erstellung eines Plans für einen autofreien Bebelplatz getroffen worden, um Fördermittel beantragen zu können. Dieser Plan wird anschließend im Rahmen der Bürgerbeteiligung öffentlich diskutiert. Die ISEK-Fördermittel dürfen nicht dazu genutzt werden, gegen die Bevölkerung zu arbeiten. Wir begrüßen daher die Idee eines Bürgerbegehrens. Integrierte Stadtentwicklungskonzepte leben schließlich von der Bürgerbeteiligung.“ Ein erfolgreiches Stadtentwicklungskonzept könne „nur im Konsens mit der Bevölkerung und den Wattenscheider Kaufleuten erfolgen“.

Großer Verkehrsknotenpunkt

Die Grünen verweisen auf einen bereits im Juli 2019 getroffenen Ortsverbandsbeschluss zum Bebelplatz als zentraler ÖPNV-Knotenpunkt in Wattenscheid und zugleich, hinter dem Busbahnhof Bochum, der zweitgrößte in der Stadt. Der Bebelplatz ist zudem einer der größten Plätze im Stadtgebiet und eine zentrale Verkehrsachse in WAT-Mitte. „Heute wird der Platz durch vier Fahrspuren für den motorisierten Straßenverkehr und zahlreiche Ampelquerungen getrennt und ist als Platz in seiner Gänze kaum wahrnehmbar. Der Brunnen dient zunehmend als Abfallbehältnis und hat viel von seinem einstigen Glanz verloren. Der August-Bebel-Platz ist heute kein Platz, an dem sich Menschen gerne aufhalten“, so die Grünen in dem Beschluss.

Sie lehnen „entschieden die weitere Bebauung des Platzes ab“ und wollen den nicht-gastronomisch genutzten Pavillon perspektivisch zurückbauen (in der Bezirksvertretung fiel ein einstimmiger Beschluss zum Erhalt der Pavillons). Den Parkplatz gelte es „als Mobilitätsstation zu erhalten. Hier ist uns aber die Errichtung von Fahrradgaragen und Stellplätzen wichtig. Zudem wollen wir den ganzen Platz und Parkplatz bepflanzen mit großen, dichten grünen Platanen nach Vorbild des erfolgreich bepflanzten Saarlandbrunnen-Platzes“, so Pewny.

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