Literatur

Ausstellung ehrt großen Bochumer Pop-Literaten Wolfgang Welt

Auf dieser Schreibmaschine, einer Olympia Modell SM2, schrieb Wolfgang Welt in den frühen 80er Jahreneinige seiner Geschichten und Rezensionen.

Auf dieser Schreibmaschine, einer Olympia Modell SM2, schrieb Wolfgang Welt in den frühen 80er Jahreneinige seiner Geschichten und Rezensionen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Vor drei Jahren starb der Schriftsteller Wolfgang Welt. In Langendreer ist jetzt eine längst überfällige Würdigung seines Schaffens zu sehen.

Eine umfassende Würdigung des Schriftstellers Wolfgang Welt zeigt die Lutherkirche in Langendreer in einer großen Ausstellung, die am Mittwoch, 19. Juni, an der Alten Bahnhofstraße 166 eröffnet wird.

Der heute exakt vor drei Jahren verstorbene Welt gilt nicht wenigen als ein Urvater der Pop-Literatur und als eine der markantesten literarischen Stimmen Bochums. Doch die Stadt mit dem Buch im Wappen hat eine eigene Ehrung von Welts Schaffen bislang nicht zustande gebracht – von einem Gedenkabend kurz nach seinem Tod im Schauspielhaus einmal abgesehen.

Erste Ausstellung in Düsseldorf

Andere Städte waren da schneller: Das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf erinnerte an „WoW“ Ende letzten Jahres mit einer großen Werkschau, auf den Weg gebracht von Welts Nachlassverwalter und gutem Freund Martin Willems. Kurz danach kam die Ausstellung nach Oelde – und bildet jetzt auch die Grundlage für die erste große Hommage an Wolfgang Welt in seiner alten Heimat: in Langendreer.

Dafür ist die Ausstellung unter dem Titel „Aber ich schrieb mich verrückt“ um eine Vielzahl privater Fotos aus Welts Nachlass erweitert worden. So sieht man den Literaten hier nicht nur in bekannter Pose (mit Zigarette im Mundwinkel), sondern auch als Schüler und in eher unbekannter Rolle: als beinharter Linksaußen beim SuS Wilhelmshöhe.

Hymnen und Verrisse

Der Schwerpunkt liegt natürlich auf seiner literarischen und journalistischen Arbeit. Für Magazine wie „Musikexpress“ und „Marabo“ verfasste Welt ab den früher 80er Jahren gefürchtete Rezensionen, von den einige nach „Hymnen“ (etwa auf Lou Reed) und „Verrisse“ (etwa auf Herbert Grönemeyer) unterteilt nachzulesen sind. Über einen Monitor lassen sich einige seiner Lieblingssongs anspielen. Ganz oben auf seiner Playlist steht - klar - Buddy Holly. Daneben erinnern sich Freunde und Weggefährten von Leander Haußmann bis Frank Goosen in kleinen Videos an den Schriftsteller, der sein Brot bekanntlich als Nachtpförtner im Schauspielhaus verdiente.


Brief von Peter Handke

Und dann hüpft das Herz des Literaturfreunds: Eine seiner ersten Schreibmaschinen, auf der Welt Mitte der 80er Jahre etwa seinen Roman „Peggy Sue“ schrieb, hat ebenso Einlass gefunden wie ein Brief seines Mentors Peter Handke. Darin lobte ihn Handke überschwänglich: „Ich habe gestern wieder in dem schönen Band gelesen und war belebt, Satz für Satz“, schrieb Handke. „Es sind richtige Liebesgeschichten, im Vorbeigehen und trotzdem beharrlich. Nur Sie schreiben so - als ob Sie gar nicht schrieben.“

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Sämtliche Romane von Wolfgang Welt sind in der Ausstellung käuflich zu erwerben.

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