Ausstellung

Ausstellung bietet Einblicke in das Leben von Wolfgang Welt

Im Rahmen der WAZ-Stadtteilserie spazierte Schriftsteller Wolfgang Welt im Mai 2013 mit uns durch seine Heimat Langendreer. Hier steht er vor seinem Geburtshaus an der Hauptstraße 51.

Im Rahmen der WAZ-Stadtteilserie spazierte Schriftsteller Wolfgang Welt im Mai 2013 mit uns durch seine Heimat Langendreer. Hier steht er vor seinem Geburtshaus an der Hauptstraße 51.

Foto: Mathias Schumacher / WAZ-FotoPool

Bochum-Langendreer.  In der Lutherkirche wird an den Schriftsteller aus Langendreer erinnert. Viele prominente Weggefährten treten auf. Den Anfang macht Frank Goosen.

Die Bürgerwoche Ost (12. bis 18. Juni) wartet in diesem Jahr mit einem ganz besonderen Highlight auf: Am Mittwoch (19.), einen Tag nach dem letzten der fünf Stadtteilfeste, wird in der Lutherkirche, Alte Bahnhofstraße 166, eine ganz besondere Ausstellung eröffnet: zu Ehren des legendären Langendreerer Schriftstellers Wolfgang Welt. Über sechs Wochen sind dort zahlreiche und zum Teil unveröffentlichte Exponate zu sehen, die intime Einblicke in das Leben des Originals ermöglichen.

Das Datum der Eröffnung ist mit Bedacht gewählt. Denn an diesem Tag vor drei Jahren starb Wolfgang Welt nach kurzer, schwerer Krankheit mit 63 Jahren. Sein Nachlass wurde an das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf übergeben. Im letzten Jahr gab es dort eine erste Ausstellung über Wolfgang Welt, die auch viele Langendreerer besuchten. Viele von ihnen kehrten mit dem Gedanken nach Hause, dass Wolfgang Welts Vermächtnis auch der Heimat nicht verborgen bleiben sollte.

Gaby Wörenkämper, Wolfgangs Schwester, und Karsten Höser vom Stadtteilverein „Langendreer hat’s“ setzten diese Idee in die Tat um und holten die „Welt-Ausstellung“ nun nach Langendreer – zusammen mit vielen lokalen Akteuren, Vereinen und Institutionen. Titel: „Aber ich schrieb mich verrückt“.

Radikal subjektiv und meinungsstark

Eine nach Aussage vieler Weggefährten passende Überschrift für eine Ausstellung über einen „lieben und netten Typen, der aber auch nicht einfach war“. Wolfgang Welt war für seine radikal subjektiv und meinungsstark formulierten Musik- und Literaturkritiken, Porträts und Stories in Szenezeitschriften bekannt und gefürchtet. Hauptberuflich arbeitete er ab 1982 als Nachtwächter, zuletzt im Schauspielhaus.

1983 diagnostizierten die Ärzte bei Wolfgang Welt eine schizophrene Psychose. Kurz darauf fand er seine literarische Bestimmung: „Ich werde mein ganzes Leben aufschreiben.“ Dieses passte so gerade in sechs Romane, deren Inhalt laut eigener Aussage „zu 99 Prozent so passiert ist“. Welt schreibt darin schonungslos offen und nennt auch all die Menschen, mit denen er zu tun hatte, klar beim Namen. „Dort finden sich Leute wieder, die davon bis heute vielleicht noch gar nichts wissen“, weiß Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche (SPD), die Ähnliches erlebt hat und sicher ist, dass unter den Besuchern der Ausstellung so manche Anekdote über Erlebnisse mit Wolfgang Welt ausgetauscht wird.

Zuspruch erst nach dem Tod erhalten

„Da gibt es massig zu erzählen“, weiß auch Martin Willems vom Heinrich-Heine-Institut, der Welt 2007 kennenlernte, sich mit ihm anfreundete und sich nun um seinen Nachlass kümmert. „Wolfgang war ein außergewöhnlicher Schriftsteller und spannender Gesprächspartner, der zu Lebzeiten ein Geheimtipp war und leider erst nach seinem Tod den Zuspruch für sein Schaffen erhielt, den er schon vorher verdient gehabt hätte.“.“

Begleitend zur Ausstellung, die u.a. Originalmanuskripte, Briefe, Fotos, Welts Schreibmaschine und Teile seiner Schallplattensammlung zeigt, treten an jedem der sechs Wochenenden prominente Weggefährten Wolfgang Welts auf. Den Anfang macht am Mittwoch (19.) um 19 Uhr Frank Goosen mit einer Lesung. Es folgen u.a. Thomas Anzenhofer, DJ Mike Litt, Arne Nobel und Klaus Märkert.

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