Gigabit-City stockt

Ausbau des Breitband-Netzes in Bochum tritt auf der Stelle

Die Stadtwerke Bochum verlegen derzeit Glasfaserkabel in der Straße Am Neggenborn in Langendreer. Bislang versorgt  das Unternehmen bereits 16.500 Haushalte in Bochum mit schnellem Internet.

Die Stadtwerke Bochum verlegen derzeit Glasfaserkabel in der Straße Am Neggenborn in Langendreer. Bislang versorgt das Unternehmen bereits 16.500 Haushalte in Bochum mit schnellem Internet.

Foto: Stadtwerke Bochum

Bochum.   Das Projekt Gigabit-City Bochum stockt. Bürger in unterversorgten Gebieten müssen weiter warten. Dafür gibt es mehr Geld von Bund und Land.

Deutschlands schnellste Stadt. Surfen mit Lichtgeschwindigkeit. Gigabit-City! An Marketing-Superlativen mangelt es der Stadt Bochum und Unitymedia nicht, wenn es um den Ausbau des Breitbandnetzes in unserer Stadt geht.

Nach wie vor schwarz indes sehen Bürger, die in den so genannten weißen Flecken zu Hause sind. Hier tut sich seit Jahren nichts. Geschwindigkeiten von weniger als 30 Megabit pro Sekunde vermiesen den Alltag. Schneckentempo statt Formel-eins-Feeling.

„Bei Unitymedia an der Hotline kennt keiner Gigabit-City Bochum“

Leidtragende sind 3000 Haushalte und 800 Gewerbebetriebe. Michael Dittmar, der eine Autowerkstatt in Weitmar betreibt, ist sauer: „Wir werden einfach vergessen. Es rechnet sich vermutlich besser, wenn man ein 20-Familien-Haus anschließt.“ Jahre habe er für einen Anschluss gekämpft. Jetzt sei er zwar im Netz, Unitymedia biete aber gar keinen Tarif für Gewerbekunden. „Und an der Hotline werden Sie fünfmal verbunden, keiner kennt da Gigabit-City Bochum.“

Ende 2018 sollten die weißen Flecken Bochums Geschichte sein, so das Versprechen im März 2017. Vier Monate später verkündeten die Verantwortlichen den nächsten großen Schritt. Bund und Land fördern den Breitbandausbau in den weißen Flecken mit über 5,6 Millionen Euro, hieß es.

15 Monate später ist die Ausschreibung für die Arbeiten immer noch nicht beendet. Dafür gibt es mehr Geld. Auf Anfrage teilte die Wirtschaftsentwicklung (WEG) mit: „Aufgrund geänderter Förderrichtlinien hat Bochum vor kurzem weitere Gelder beantragt, so dass unsere Stadt in den Genuss von über 20 Millionen Euro Förderung kommen wird.“

Stadtwerke Bochum verlegen Glasfaserkabel

Es werde daher möglich sein, 1883 Haushalte, 723 Gewerbebetriebe und 51 Schulen mit einem Glasfaseranschluss auszustatten. „Die Bautätigkeit startet Anfang 2019 nach Erhalt des Förderbescheides und nach Ende des Ausschreibungsverfahrens“, so die WEG. Im Sommer 2017 wurden die Kosten für den Ausbau noch mit 11,5 Millionen Euro angegeben, der Beginn der Arbeiten fürs Frühjahr 2018 angekündigt.

Für Unitymedia sind die Arbeiten indes erledigt. „Unsere technische Infrastruktur steht“, sagt Sprecher Helge Buchheister. Seit Mai sei das Unternehmen in der Lage, über sein Kabelnetz 170.000 Haushalte in Bochum mit 1000 Mbit/s ans Internet anzuschließen. 99,99 Euro kostet das aktuell. „500 Kunden haben mittlerweile den Gigabit-Tarif gebucht“, so Buchheister. Und auch für Gewerbekunden hat er eine gute Nachricht. Mittlerweile gebe es ein Angebot. Michael Dittmar wird das sicher prüfen.

Köln und Düsseldorf werden auch Gigabit-Citys

Aktiv beteiligt am Ausbau des Breitbandnetzes sind auch die Stadtwerke Bochum. Bislang versorgt die Stadttochter 16.500 Haushalte in 2200 Gebäuden mit einem reinen Glasfaseranschluss – das sind 500 mehr als zum Start des Projektes Gigabit-City.

Während sich die WEG immer noch mit der Ausschreibung der Arbeiten zum Breitbandausbau beschäftigt, verliert Bochum in den kommenden Tagen sein Alleinstellungsmerkmal als Deutschlands schnellste Stadt. Unitymedia kündigte gegenüber der WAZ an, dass in Kürze Köln und Düsseldorf als weitere Gigabit-Citys an den Start gehen werden.

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