Menschen- und Tierseele

Auch Tiere leiden unter psychischen Erkrankungen

Auch Schimpansen können psychisch erkranken und stark verhaltensauffällig werden.

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Auch Schimpansen können psychisch erkranken und stark verhaltensauffällig werden. Foto: dpa

Bochum.   An der Ruhr-Uni Bochum ging es um Gemeinsamkeiten zwischen Menschen- und Tierseele. Eine Frage: Können Tiere an psychischen Erkrankungen leiden?

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Betroffene Stille kehrte unter den Zuhörern ein. Videos von offensichtlich psychisch kranken Schimpansen flimmerten über den Beamer im Brain-Café der Bochumer Uni-Bibliothek. Aufnahmen von Menschenaffen hinter Gittern, die ihre eigenen Ausscheidungen essen, ohne erkennbaren Grund in extreme Panik verfallen oder sich die Haare ausreißen. „Warum wurde den Tieren so viel Leid zugefügt?“, war nur eine der Fragen, die das Publikum beschäftigten.

Können Tiere an psychischen Erkrankungen leiden? Wo liegen die Unterschiede zwischen der Mensch- und Tierseele? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich Prof. Martin Brüne, Leiter der Forschungsabteilung für kognitive Neuropsychiatrie und psychiatrische Präventivmedizin des LWL-Uni-Klinikums Bochum in seinem Vortrag. „Sind psychische Erkrankungen etwas spezifisch Menschliches?“ lautete das Thema des Vortrags im Brain-Café, das rund 60 Zuschauer anlockte.

Gehirne von Säugetieren und Vögeln sind komplex

„Das Gehirn muss bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllen, damit von psychischer Krankheit gesprochen werden kann“, so Brüne. „Dies betrifft vor allem die Komplexität und Differenziertheit des Hirns. Das Hirn von Reptilien ist beispielsweise nicht komplex genug, um psychische Erkrankungen ausbilden zu können.“

Erst die Hirne von Säugetieren und Vögeln sind komplex genug, um emotionale Prozesse zu erleben. Hierzu zählen z.B. Brutpflege und Partnerbindung, wie man sie etwa von Schwänen kennt.

Es gilt als allgemein anerkannt, dass auch Haustiere wie Hund und Katze an psychischen Krankheiten leiden können. Halter sollten frühzeitig einen Tierarzt aufsuchen, sobald ihnen ungewöhnliche Verhaltensweisen des Tieres auffallen. „Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass auch Hunden oder Katzen Psychopharmaka verabreicht werden“, erklärt Brüne.

Verhaltensstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen

Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Tierwelt zählen Verhaltensstörungen und auch posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Dies ergaben Studien, in denen Neurowissenschaftler die Symptome dieser Erkrankungen bei Menschen mit Verhaltensweisen von Tieren verglichen.

So zeigen beispielsweise rund zwei Drittel aller Schimpansen, die zu Labor- und Versuchszwecken missbraucht wurden, Anzeichen einer Depression. Und rund die Hälfte weist Symptome einer PTBS auf.

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