Berufskolleg

Auch in Bochum wollen immer weniger Schüler Koch werden

Für die Jungköche im letzten Lehrjahr am Alice-Salomon-Berufskolleg, hier mit Lehrerin Petra Schneckner, war der Genießermarkt die Generalprobe für die Abschlussprüfung.

Für die Jungköche im letzten Lehrjahr am Alice-Salomon-Berufskolleg, hier mit Lehrerin Petra Schneckner, war der Genießermarkt die Generalprobe für die Abschlussprüfung.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.  Am Alice-Salomon-Berufskolleg hat ein Genießermarkt die Bezirksmeisterschaften des Gastro-Gewerbes abgelöst. Jungköche stellen sich Gäste-Jury.

Es gibt Dinge, die dürfen in einer Restaurantküche nicht passieren. Entsprechend nachhaltig fragt Gabriele Heuermann die Jungköche in der Lehrküche des Alice-Salomon-Berufskollegs, wer sein Messer in die Spüle gelegt habe. Der Schuldige zeigt sofort Reue. Thema erledigt. Der Berufsalltag von Köchen mag heftig sein, in der Koch-Ausbildung am Berufskolleg werden Probleme gerne mal leiser gelöst. Auch wenn der Tag ein besonderer ist. Das Kolleg hat zum ersten Genießermarkt geladen. Für die Jungköche im letzten Lehrjahr ist er eine Generalprobe.

Für einige ist bereits im Januar Abschlussprüfung, die anderen folgen im Mai. Wie bei fast allen Berufen in der Gastronomie sind auch als Koch die Aussichten bestens, direkt in den Job einsteigen zu können. Oder schlechter gesagt: Dem Gastronomie-Gewerbe fehlt der Nachwuchs. „Früher hatten wir drei Klassen mit angehenden Köchen“, sagt Petra Schneckner. „Jetzt ist es noch eine.“

Drei-Gänge-Menü für 100 Menschen

Schneckner ist Oberstudienrätin. Besser, „weil treffender“, findet sie als Berufsbezeichnung „Lehrerin für Köche“. Am Berufskolleg ist sie das zusammen mit Gabriele Heuermann. Seit 10 Uhr stehen sie mit den Jungköchen in der Lehrküche. Oder mit den Auszubildenden der „Frontberufe“ vor der Lehrküche. Den angehenden Restaurantfachleuten, Hotelfachleuten und Fachkräften für Systemgastronomie Sie durften Fleisch tranchieren und Wein dekantieren, eine Cocktailkarte schreiben oder einen Check-In machen. „Auf Englisch“, sagt Schneckner. „Quasi als Prüfung. Das macht es nicht leichter.“

Erstmalig stellen zudem Bäcker und Konditoren ihre Talente unter Beweis. Auch die Aufgabe der Jungköche ist durchaus anspruchsvoll: Ein Drei-Gänge-Menü für 100 Menschen kochen. Der Genießermarkt ersetzt am Berufskolleg die Bezirksmeisterschaften für Gastronomie-Berufe. „Es war Zeit, etwas Neues auszuprobieren“, sagt Johannes Kohtz-Cavlak, der Leiter des Kollegs.

Es war Zeit für Neues

33 Jahren hätten am Kolleg die Bezirksmeisterschaften nach dem immer gleichen Muster stattgefunden. In der dritten Etage des Kollegs in und vor der Lehrküche. „Das hat funktioniert“, sagt Kohtz-Cavlak. Das hofft er an diesem Tag und zukünftig für den Genießermarkt.

Im Foyer des Kollegs sind Stände und Tische aufgebaut. Der ganze Raum ist aufwändig geschmückt, die Tische besonders dekoriert, das Licht gedimmt. Es gibt Live-Musik und viele Kollegschüler mit Kellnertabletts und der Bereitschaft, Bier, Wein, Wasser, Saft und Cocktails sowie Appetithappen unter die Gäste zu bringen. Unter denen sind Vertreter der vier Hauptsponsoren des Marktes: Lebensmittelhandel Niggemann, Brauerei Fiege, Getränkegroßhändler Hartmann und die Cremer Eventlogistik. Sie alle suchen Nachwuchs.

Alles bei diesem Genießermarkt ist größer, schicker, anspruchsvoller als zuvor bei den Bezirksmeisterschaften. Ob auch leckerer oder zumindest lecker, sollen die Gäste entscheiden. Am Ende des Tages ist die Wahl eindeutig. Es gewinnt Paul F. Morales Rios, Jungkoch aus dem Ratskeller Witten.

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